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COPD: Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL 2024)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf BÄK / KBV / AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose erfordert eine Spirometrie, bevorzugt unter Nutzung der GLI-Referenzwerte (FEV1/FVC < LLN).
  • Rauchstopp ist essenziell; eine Kombination aus Verhaltenstherapie und Medikamenten soll angeboten werden.
  • Die medikamentöse Therapie richtet sich nach Symptomlast und Exazerbationshistorie (LAMA/LABA als Basis).
  • Inhalative Corticosteroide (ICS) sollen bei Eosinophilen < 100 Zellen/µl oder rezidivierenden Pneumonien abgesetzt werden.
  • Körperliches Training und strukturierte Patientenschulungen werden für alle Krankheitsstadien stark empfohlen.
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Hintergrund

Die COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) ist eine chronische, meist progrediente Atemwegs- und Lungenerkrankung. Sie ist gekennzeichnet durch eine nach Gabe von Bronchodilatatoren nicht vollständig reversible Atemwegsobstruktion und geht oft mit chronisch obstruktiver Bronchitis und/oder Lungenemphysem einher.

Eine Exazerbation ist definiert als akute, über mindestens 2 Tage anhaltende Verschlechterung der respiratorischen Symptome, die eine Intensivierung der Therapie erfordert.

Typische MerkmaleAsthmaCOPD
Alter bei ErstdiagnoseHäufig Kindheit/JugendMeist nicht vor der 6. Lebensdekade
AtemwegsobstruktionVariabel, reversibelImmer nachweisbar, nie voll reversibel
Ansprechen auf CorticosteroideRegelhaft vorhandenSelten

Diagnostik

Die Basisdiagnostik umfasst eine ausführliche Anamnese (inkl. Expositionsanamnese/Packungsjahre) und körperliche Untersuchung.

  • Spirometrie: Alle Patienten mit Verdacht auf COPD sollen eine Spirometrie erhalten.
  • Reversibilitätstest: Bei nachgewiesener Obstruktion soll ein Test mit kurzwirksamen Beta-2-Sympathomimetika (SABA) erfolgen.
  • Referenzwerte: Für die Diagnose sollen die GLI-Referenzwerte (FEV1/FVC < LLN) herangezogen werden. Nur bei fehlender Verfügbarkeit kann der starre Wert FEV1/FVC < 70% genutzt werden.
  • Bildgebung: Eine Computertomographie (CT) soll nur bei diagnostischen Diskrepanzen oder inadäquatem Therapieansprechen durchgeführt werden.

Strukturierte Symptomerfassung

Die Schwere der Symptomatik soll strukturiert erfasst werden. Exazerbationen sollen ebenfalls strukturiert dokumentiert werden (z. B. mittels MEP-Fragebogen).

SymptomLeichtMittelgradigSchwergradig
AtemnotKeine Pause nach ≥ 3 StockwerkenPause nach > 1 bis < 3 StockwerkenIn Ruhe oder Pause nach ≤ 1 Stockwerk
Husten< 2 Hustenstöße/StundeÜberwiegend nur morgens, mehrfach am TageStändig (am Tage), auch in der Nacht
AuswurfNur morgensMehrfach täglichStändig verschleimt, Abhusten stark erschwert

Nicht-medikamentöse Therapie

Tabakentwöhnung

Eine relevante Verbesserung kann nur mit totaler Abstinenz erreicht werden.

  • Allen rauchenden Patienten soll dringend die vollständige Abstinenz empfohlen werden.
  • Entwöhnungsbereiten Patienten soll eine kombinierte Therapie (Verhaltenstherapie + medikamentöse Entzugssyndrombehandlung) angeboten werden.

Körperliches Training und Physiotherapie

  • Ein an die individuellen Voraussetzungen angepasstes, angeleitetes körperliches Training soll empfohlen werden.
  • Selbsthilfetechniken bei Atemnot (z. B. dosierte Lippenbremse, atemerleichternde Körperstellungen wie Kutschersitz) sollen allen Patienten vermittelt werden.
  • Bei Sekretretention sollte Atemphysiotherapie zur Sekretmobilisation angeboten werden.

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Langzeitbehandlung richtet sich primär danach, ob die Symptomatik oder aufgetretene Exazerbationen im Vordergrund stehen. Vor jeder Eskalation sind die Adhärenz und die Inhalationstechnik zu prüfen.

StufeTherapieoptionenBemerkung
BedarfSAMA oder SABABei leichter Symptomatik ohne Exazerbationen
BasisLAMA oder LABABei mittelgradiger bis schwerer Symptomatik
Eskalation 1LAMA + LABABei persistierender Symptomatik oder Exazerbationen
Eskalation 2LAMA + LABA + ICS (Triple)Bei weiteren Exazerbationen, insb. bei Eosinophilen-Erhöhung
Add-OnRoflumilastBei chronischer Bronchitis, FEV1 < 50% und rezidivierenden Exazerbationen

Inhalative Corticosteroide (ICS) absetzen

Ein Absetzversuch soll unternommen werden, wenn:

  • Eosinophile < 100 Zellen/µl im Differentialblutbild und keine klinischen asthmatischen Komponenten vorliegen ODER
  • in der Vergangenheit unter ICS eine Pneumonie aufgetreten ist.

Inhalationssysteme

  • Die Auswahl soll sich nach dem inspiratorischen Fluss und den Fähigkeiten des Patienten richten.
  • Es sollte für die Langzeittherapie nur ein Inhalationssystem-Typ verordnet werden.
  • Ein Wechsel des Systems soll vermieden werden, wenn der Patient gut damit zurechtkommt.

Atmungsunterstützende Maßnahmen

Vor Einleitung einer Langzeit-Sauerstofftherapie (LTOT) oder nichtinvasiven Beatmung (NIV) soll zwingend erneut eine Tabakentwöhnung angeboten werden.

MaßnahmeIndikation (bei stabiler COPD)
LTOTpO2 ≤ 55 mmHg in Ruhe ODER pO2 > 55 und ≤ 60 mmHg bei Polyglobulie (Hämatokrit ≥ 55%) / Cor pulmonale
NIVChronische Tages-Hyperkapnie (PaCO2 ≥ 50 mmHg) ODER nächtliche Hyperkapnie (PaCO2 ≥ 55 mmHg)

💡Praxis-Tipp

Überprüfen Sie vor jeder medikamentösen Therapieeskalation zwingend die Inhalationstechnik und die Therapieadhärenz. Verordnen Sie nach Möglichkeit nur einen Inhalatortyp (z. B. nur Pulverinhalatoren), um Handhabungsfehler zu minimieren.

Häufig gestellte Fragen

Es sollen bevorzugt die GLI-Referenzwerte (FEV1/FVC < LLN) herangezogen werden. Nur bei fehlender Verfügbarkeit darf der starre Wert FEV1/FVC < 70% genutzt werden, um Überdiagnosen im Alter zu vermeiden.
Bei Patienten, die trotz LAMA/LABA-Therapie weiterhin exazerbieren. Ein gutes Ansprechen auf ICS ist insbesondere bei einer erhöhten Eosinophilenzahl oder bei asthmatischen Komponenten zu erwarten.
Ein Absetzversuch soll erfolgen bei Eosinophilen < 100 Zellen/µl ohne asthmatische Komponente oder wenn in der Vergangenheit unter ICS eine Pneumonie aufgetreten ist.
Bei einem pO2 ≤ 55 mmHg in Ruhe unter adäquater Therapie. Bei Werten zwischen 56 und 60 mmHg ist sie indiziert, wenn zusätzlich eine Polyglobulie (Hämatokrit ≥ 55%) oder ein Cor pulmonale vorliegt.

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