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Schweres Asthma bei Kindern: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Schwieriges Asthma erfordert zunächst die Überprüfung von Adhärenz, Inhalationstechnik und Komorbiditäten.
  • Schweres Asthma liegt vor, wenn trotz Optimierung eine Therapie der Stufe 5 oder 6 (LAMA, Biologika, hochdosiertes ICS) nötig ist.
  • Vor einer Therapieeskalation mit hochdosierten ICS sollte der Einsatz von Biologika geprüft werden.
  • Omalizumab ist Therapie der ersten Wahl bei nachgewiesener perennialer Allergie und passendem IgE-Spiegel.
  • Dupilumab wird primär bei komorbider atopischer Dermatitis, Polyposis nasi oder IgE >1500 IE/ml empfohlen.
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Hintergrund

Asthma bronchiale ist die häufigste chronische Atemwegserkrankung im Kindes- und Jugendalter. Während die meisten Patienten gut auf eine Standardtherapie ansprechen, erfordert ein Teil eine intensivere Betreuung. Die Leitlinie unterscheidet strikt zwischen schwierigem und schwerem Asthma:

  • Schwieriges Asthma: Keine gute Symptomkontrolle und/oder Exazerbationen (>6 Monate) unter einer Therapie der Stufe 4. Hier müssen zunächst beeinflussbare Faktoren (Adhärenz, Inhalationstechnik, Komorbiditäten) adressiert werden.
  • Schweres Asthma: Liegt vor, wenn nach Ausschluss von Differenzialdiagnosen und Optimierung aller Faktoren dauerhaft (>6 Monate) eine Add-on-Therapie mit LAMA, Biologika oder hochdosierten ICS (Stufe 5 oder 6) erforderlich ist.

Diagnostik und Differenzialdiagnosen

Vor der Diagnose eines schweren Asthmas muss die Diagnose zwingend durch einen Kinder- und Jugendpneumologen gesichert werden. Wichtige Differenzialdiagnosen bei persistierender Obstruktion sind:

DiagnoseTypische HinweiseWeiterführende Diagnostik
Zystische Fibrose (CF)Chronisch feuchter Husten, GedeihstörungSchweißtest, Genetik
Primäre ziliäre Dyskinesie (PCD)Chronische Rhinitis, Situs inversusNasales NO (nNO), Genetik
FremdkörperaspirationPlötzlicher Beginn, einseitig abgeschwächtes AtemgeräuschBronchoskopie
Gastroösophagealer RefluxNächtliche Symptome, SpuckneigungpH-Metrie, Impedanzmessung
Dysfunktionelle Atmung (ILO/EILO)In-/exspiratorischer Stridor unter BelastungLaryngoskopie unter Belastung

Monitoring

Ein regelmäßiges Monitoring (in der Regel alle 3 Monate) ist bei schwerem Asthma essenziell:

  • Symptomkontrolle: Nutzung validierter Fragebögen (cACT, ACT).
  • Lungenfunktion: Mindestens Spirometrie mit Bronchodilatation.
  • Inflammation: Wiederholte Messung von FeNO zur Beurteilung der Typ-2-Inflammation.
  • Wachstum: Regelmäßige Messung von Größe und Gewicht (Perzentilen).
  • Lebensqualität: Mindestens einmal jährlich (z.B. PAQLQ).

Stufentherapie und Eskalation

Die medikamentöse Therapie folgt einem Stufenschema. Ziel ist die Asthmakontrolle bei minimaler Medikamentenbelastung.

TherapiestufeMaßnahmen und Empfehlungen
Stufe 4Mittelhochdosiertes ICS + LABA (oder LTRA). Bei Versagen: Therapieversuch mit LAMA (Tiotropiumbromid).
Stufe 5Hochdosiertes ICS + LABA/LAMA. Wichtig: Wegen systemischer Nebenwirkungen zeitlich befristen und engmaschig kontrollieren.
Stufe 6Orale Kortikosteroide (OCS). Langfristiger Einsatz ist nahezu obsolet (i.d.R. max. 1 Woche).

Kernaussage: Bei Versagen einer Langzeittherapie mit mittelhochdosiertem ICS + LABA sollte der Einsatz einer Biologika-Therapie noch vor der Eskalation auf hochdosierte ICS erwogen werden.

Biologika-Therapie

Biologika sind die Therapie der Wahl bei unkontrolliertem Asthma auf Stufe 5. Die Auswahl richtet sich nach dem individuellen Phänotyp (Biomarker: Bluteosinophile, Gesamt-IgE, spezifisches IgE, FeNO).

WirkstoffZielstrukturZulassungBevorzugter Einsatz (Phänotyp)
OmalizumabAnti-IgEAb 6 Jahren1. Wahl bei perennialer Allergie und passendem IgE-Spiegel (75-1500 kU/l).
DupilumabAnti-IL-4/IL-13Ab 6 Jahren1. Wahl bei komorbider atopischer Dermatitis, Polyposis nasi oder IgE >1500 kU/l.
MepolizumabAnti-IL-5Ab 6 JahrenErwägen bei Hypereosinophilie (>1.500/µl) ohne relevante Allergie (Second-Line).
TezepelumabAnti-TSLPAb 12 JahrenAktuell keine abschließende Empfehlung für Kinder mangels ausreichender Daten.

Empfehlungsgrade zur Biologika-Wahl:

  • Omalizumab und Dupilumab stellen aufgrund der besten Evidenzlage die Therapeutika der ersten Wahl für Kinder und Jugendliche dar.
  • Die Wirksamkeit der Therapie sollte nach 3 bis 6 Monaten evaluiert werden. Bei Ansprechen sollte die Therapie für mindestens 12 Monate fortgeführt werden.

💡Praxis-Tipp

Überprüfen Sie bei unzureichender Asthmakontrolle immer zuerst die Inhalationstechnik und Adhärenz, bevor Sie die Therapie eskalieren. Nutzen Sie FeNO und Bluteosinophile zur Phänotypisierung vor einer Biologika-Gabe.

Häufig gestellte Fragen

Wenn nach Ausschluss von Differenzialdiagnosen und Optimierung der Adhärenz dauerhaft (>6 Monate) eine Therapie mit LAMA, Biologika oder hochdosierten ICS (Stufe 5 oder 6) nötig ist.
Omalizumab, Dupilumab und Mepolizumab sind ab 6 Jahren zugelassen. Tezepelumab ist ab 12 Jahren zugelassen.
Dupilumab ist das Biologikum der ersten Wahl bei schwerem Asthma mit komorbider atopischer Dermatitis.
Eine Langzeittherapie mit oralen Kortikosteroiden ist obsolet und sollte in der Regel nicht länger als 1 Woche erfolgen.

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