Keimzelltumoren des Hodens: Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Die AWMF S3-Leitlinie 043-049 behandelt die Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Keimzelltumoren des Hodens. Bei Männern zwischen 20 und 44 Jahren stellt diese Entität mit einem Anteil von etwa 25 Prozent die häufigste bösartige Tumorerkrankung dar. Die Inzidenz liegt in Deutschland bei etwa 10 von 100.000 Männern.
Zu den gesicherten Risikofaktoren zählen ein vorangegangener Keimzelltumor, ein Maldeszensus testis, eine familiäre Disposition sowie Infertilität. Ein allgemeines Screening wird laut Leitlinie nicht empfohlen. Dennoch wird jungen Männern zu einer regelmäßigen Selbstuntersuchung geraten, um eine frühzeitige Diagnose zu ermöglichen.
Die Prognose der Erkrankung ist insgesamt sehr gut, wobei das Überleben maßgeblich von der Histologie, dem Tumorstadium und der Versorgungsqualität abhängt. Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer interdisziplinären Behandlung, insbesondere bei fortgeschrittenen Stadien und Residualtumoren, die an Zentren mit ausgewiesener Erfahrung erfolgen sollte.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass eine alleinige Resektion des Tumors (Lumpektomie) bei Residualtumoren im Retroperitoneum nicht durchgeführt werden sollte. Stattdessen wird eine nervschonende retroperitoneale Lymphadenektomie in definierten Feldgrenzen empfohlen. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Patienten mit schlechter Prognose oder postchemotherapeutischen Residualtumoren an Zentren mit ausgewiesener Erfahrung behandelt werden sollen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie soll dem Patienten eine Kryokonservierung von Spermatozoen bereits vor Therapiebeginn angeboten werden. Dies sollte idealerweise vor der Ablatio testis, spätestens jedoch vor einer Chemo- oder Strahlentherapie geschehen.
Es wird primär eine Überwachungsstrategie empfohlen, da die Überlebensraten sehr hoch sind. Bei einem Tumordurchmesser von über 4 cm kann gemäß Leitlinie im Einzelfall eine adjuvante Therapie mit Carboplatin oder eine Strahlentherapie erwogen werden.
Die Leitlinie rät von einem routinemäßigen Einsatz der FDG-PET/CT in der primären Ausbreitungsdiagnostik ab. Sie kann jedoch bei Seminom-Patienten eingesetzt werden, um nach abgeschlossener Therapie Residualtumoren von über 3 cm Größe zu beurteilen.
Das Standardregime ist die Polychemotherapie mit Cisplatin, Etoposid und Bleomycin (PEB). Je nach IGCCCG-Prognosegruppe werden laut Leitlinie drei Zyklen (gute Prognose) oder vier Zyklen (intermediäre/schlechte Prognose) empfohlen.
Bei nichtseminomatösen Keimzelltumoren sollen Residualtumore über 1 cm im Retroperitoneum oder der Lunge operativ entfernt werden. Bei Seminomen wird hingegen primär keine Resektion empfohlen, sondern eine Beurteilung mittels PET-CT bei Befunden über 3 cm.
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Quelle: AWMF 043-049: Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Keimzelltumoren des Hodens (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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