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Leitlinienprogramm Onkologie (DKG/AWMF/Deutsche Krebshilfe)2020OnkologieUrologie

Keimzelltumoren des Hodens: S3-Leitlinie (AWMF/DKG)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Leitlinienprogramm Onkologie (DKG/AWMF/Deutsche Krebshilfe) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der Keimzelltumor ist die häufigste bösartige Tumorerkrankung bei Männern zwischen 20 und 44 Jahren.
  • Ein allgemeines Screening wird nicht empfohlen, jedoch die regelmäßige Selbstuntersuchung für junge Männer.
  • Die Primärdiagnostik umfasst eine beidseitige Hodensonographie (≥ 7,5 MHz) und die Bestimmung der Tumormarker AFP, Beta-hCG und LDH.
  • Standard in der Ausbreitungsdiagnostik ist eine kontrastmittelgestützte CT von Abdomen, Becken und Thorax.
  • Patienten mit schlechter Prognose oder Residualtumoren sollen in spezialisierten Zentren behandelt werden.
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Hintergrund

Keimzelltumoren (KZT) des Hodens sind mit einem Anteil von etwa 25 % die häufigste bösartige Tumorerkrankung bei Männern zwischen 20 und 44 Jahren. Die Inzidenz liegt in Deutschland bei etwa 10 von 100.000 Männern. Der KZT weist eine der höchsten Überlebenswahrscheinlichkeiten unter den Tumorerkrankungen auf.

Anerkannte Risikofaktoren für die Entstehung eines KZT sind:

  • Vorerkrankung mit einseitigem KZT (höchster Risikofaktor, 2,5-5 % entwickeln einen kontralateralen Tumor)
  • Maldeszensus testis
  • Familiäre positive Anamnese
  • Infertilität

Ein allgemeines Screening wird nicht empfohlen (Empfehlungsgrad A). Jungen Männern sollte jedoch die regelmäßige Selbstuntersuchung empfohlen werden.

Klinische Symptomatik

In etwa 90 % der Fälle fällt der KZT durch eine einseitige, schmerzlose Größenzunahme des Hodens auf. Weitere mögliche Symptome umfassen:

  • Schmerzen im betroffenen Hoden (26-50 %)
  • Symptome einer Metastasierung (5-19 %, z. B. Rücken-/Flankenschmerzen, Husten)
  • Gynäkomastie oder Spannungsgefühl in der Brust (1-5 %)

Diagnostik und Bildgebung

Bei klinischem Verdacht auf einen KZT ist umgehend eine körperliche Untersuchung sowie eine beidseitige Hodensonographie durchzuführen.

Bildgebendes VerfahrenIndikation / BemerkungEmpfehlungsgrad
Sonographie (Hoden)Primärdiagnostik, beidseitig, mind. 7,5 MHz SchallkopfEK
CT (Abdomen/Becken & Thorax)Standard-Ausbreitungsdiagnostik (kontrastmittelgestützt)A
MRT (Abdomen/Becken)Bei Kontraindikationen gegen iodhaltiges Kontrastmittel (Allergie, Niereninsuffizienz)A
MRT (Schädel)Bei schlechter Prognose-Gruppe (IGCCCG), exzessivem Beta-hCG, multiplen Lungenmetastasen oder neurologischen SymptomenB
FDG-PET/CTNicht routinemäßig (A). Nur bei Seminom-Patienten mit Residualtumoren > 3 cm nach Chemotherapie (frühestens 6 Wochen nach letztem Zyklus)0 / EK

Tumormarker

Vor einer Ablatio testis sollen zwingend die Serumtumormarker bestimmt werden.

  • AFP (Alpha-Fetoprotein)
  • Beta-hCG (humanes Choriongonadotropin)
  • LDH (Laktatdehydrogenase)

Postoperativ sollen bei präoperativ erhöhten Werten die Marker alle 5-7 Tage kontrolliert werden, bis der Normalwert bzw. der Nadir erreicht ist oder ein erneuter Anstieg verzeichnet wird.

Versorgungsqualität

Die Behandlungsqualität und Erfahrung des Zentrums haben einen signifikanten Einfluss auf das Überleben, insbesondere bei komplexen Fällen:

  • Patienten mit metastasiertem KZT der schlechten Prognosegruppe (nach IGCCCG) sollen an Zentren mit ausgewiesener Erfahrung behandelt werden (Empfehlungsgrad A).
  • Patienten mit postchemotherapeutischen Residualtumoren sollen nur nach multidisziplinärer Abstimmung an erfahrenen Zentren operiert werden (Empfehlungsgrad EK).

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie bei Verdacht auf einen Keimzelltumor immer AFP, Beta-hCG und LDH vor der operativen Freilegung. Führen Sie zudem stets eine beidseitige Hodensonographie durch, um einen bilateralen Befund (ca. 1 % der Fälle) nicht zu übersehen.

Häufig gestellte Fragen

Standard ist eine kontrastmittelgestützte Computertomographie (CT) von Abdomen, Becken und Thorax.
Ein Schädel-MRT sollte bei Patienten der schlechten Prognosegruppe, exzessiver Beta-hCG-Erhöhung, multiplen Lungenmetastasen oder neurologischen Symptomen erfolgen.
Es soll nicht routinemäßig eingesetzt werden. Eine Indikation besteht lediglich bei Seminom-Patienten zur Beurteilung von Residualtumoren > 3 cm, frühestens 6 Wochen nach Abschluss der Chemotherapie.
Ein allgemeines Screening wird nicht empfohlen. Jungen Männern sollte jedoch zur regelmäßigen Selbstuntersuchung geraten werden.

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