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ZNS-Keimzelltumoren: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Germinome sind mit 50-60 % die häufigsten Keimzelltumoren des Zentralnervensystems.
  • Die Tumormarker AFP und ß-HCG müssen zwingend in Serum und Liquor bestimmt werden.
  • Bei einer typischen bifokalen Läsion mit Diabetes insipidus und negativen Markern kann auf eine Biopsie verzichtet werden.
  • Germinome sind hoch strahlensensibel, während Non-Germinome eine intensivere Chemo- und Strahlentherapie sowie oft eine Resektion erfordern.
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Hintergrund

Keimzelltumoren des Zentralnervensystems (ZNS) machen bei Kindern bis 15 Jahren etwa 3 % aller onkologischen Diagnosen aus, wovon 18 % im ZNS lokalisiert sind. Sie treten typischerweise mittelliniennah in der Pinealis- und/oder der Hypophysen-/Suprasellär-Region auf. Etwa 50-60 % dieser Tumoren sind Germinome, gefolgt von nicht-germinomatösen Keimzelltumoren (Non-Germinome) und Teratomen.

Klassifikation

Die Einteilung erfolgt nach der WHO-Klassifikation. Klinisch wird vor allem zwischen Germinomen, Non-Germinomen (sezernierende Tumoren) und Teratomen unterschieden.

HistologieICD-O-3-M CodeBemerkung
GerminomM9064/3Häufigster ZNS-Keimzelltumor
EmbryonalzellkarzinomM9070/3Malignes Non-Germinom
DottersacktumorM9071/3Malignes Non-Germinom
ChorionkarzinomM9100/3Malignes Non-Germinom
Teratom (matur/immatur)M9080/0, M9080/1, M9080/3Nur das mature Teratom gilt als benigne
Gemischter KeimzelltumorM9085/3Häufige Kombination verschiedener Subtypen

Leitsymptome

Die klinische Präsentation hängt maßgeblich von der Lokalisation ab:

LokalisationTypische Symptome
PinealisregionHirndruckzeichen (Kopfschmerzen, Erbrechen, Stauungspapille), Sehstörungen
Suprasellär/HypophysärEndokrine Ausfälle (v. a. Diabetes insipidus), Sehstörungen (bitemporale Hemianopsie)

Sonderfall: Das synchrone bifokale Auftreten (pineal und suprasellär) ist pathognomonisch für ein Germinom.

Diagnostik

Die Diagnosestellung basiert auf Bildgebung (MRT kranial/spinal), Liquorzytologie und Tumormarkern. Eine Biopsie ist indiziert, wenn die Tumormarker negativ sind, außer es liegt eine typische bifokale Läsion mit Diabetes insipidus vor.

Tumormarker

Tumormarker müssen zwingend in Serum und Liquor bestimmt werden, da negative Serumwerte eine Erhöhung im Liquor nicht ausschließen.

MarkerGrenzwert für sezernierenden TumorKlinische Bedeutung
AFP> 25 ng/mlTypisch für Dottersacktumoren. AFP ≥ 1000 ng/ml gilt als Hochrisikofaktor.
ß-HCG> 50 IU/LTypisch für Chorionkarzinome. Geringe Erhöhungen auch bei Germinomen möglich.

Hinweis: MicroRNAs (miR 371~373 und 302/367-Cluster) sind bei malignen Keimzelltumoren im Serum/Liquor überexprimiert und dienen als neue Biomarker.

Therapie

Die Therapie richtet sich nach der histologischen Komponente mit der höchsten Malignität.

TumortypPrimärtherapieStrahlentherapieBemerkung
GerminomChemotherapieVentrikulär (24 Gy) + Tumor-BoostHoch strahlensensibel. Über 90 % Heilungschance.
Non-GerminomCisplatin-basierte ChemotherapieFokale Bestrahlung (54 Gy)Bei Residualbefund nach Chemo wird eine Tumorresektion empfohlen.
TeratomKomplette chirurgische ResektionGgf. adjuvante RadiotherapieGeringe Chemo- und Strahlensensibilität.

Bei metastasierter Erkrankung erfolgt in der Regel eine kraniospinale Bestrahlung.

Nachsorge

In den ersten 24 Monaten werden dreimonatliche Kontrollen (MRT, Tumormarker, klinischer Status) empfohlen, da 90 % der Rezidive in den ersten 2 Jahren auftreten. Danach können die Intervalle schrittweise auf 4-6 Monate und ab dem 4. Jahr auf jährliche Kontrollen verlängert werden.

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie die Tumormarker AFP und ß-HCG immer in Serum UND Liquor. Negative Marker im Serum schließen eine Erhöhung im Liquor nicht aus!

Häufig gestellte Fragen

Bei einer typischen bifokalen Läsion (pineal und suprasellär) mit Diabetes insipidus und negativen Tumormarkern, da dies pathognomonisch für ein Germinom ist.
Bei einem AFP > 25 ng/ml und einem ß-HCG > 50 IU/L (gemessen im Serum und/oder Liquor).
Maligne Non-Germinome können unter Chemotherapie in mature Teratome differenzieren und trotz Normalisierung der Tumormarker weiter wachsen.
Ein initiales AFP ≥ 1000 ng/ml (in Serum oder Liquor) bei malignen Non-Germinomen erfordert eine frühe Therapieintensivierung.

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