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Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO)Nephrologie

Anämie bei chronischer Nierenerkrankung: KDIGO-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Diagnose der renalen Anämie bei Erwachsenen ab einem Hb <13,0 g/dl (Männer) bzw. <12,0 g/dl (Frauen).
  • Ein Therapieversuch mit Eisen wird bei einer Transferrinsättigung (TSAT) ≤30 % und Ferritin ≤500 ng/ml empfohlen.
  • Die ESA-Therapie sollte bei Dialysepatienten bei einem Hb-Wert zwischen 9,0 und 10,0 g/dl gestartet werden.
  • Unter ESA-Therapie darf der Hb-Wert bei Erwachsenen niemals gezielt über 13,0 g/dl angehoben werden.
  • Bluttransfusionen sind insbesondere bei Transplantationskandidaten zur Vermeidung von Allosensibilisierungen zu vermeiden.
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Hintergrund

Die Anämie ist eine häufige Komplikation der chronischen Nierenerkrankung (CKD). Die KDIGO-Leitlinie liefert evidenzbasierte Empfehlungen zur Diagnostik, Eisen- und ESA-Therapie (Erythropoese-stimulierende Agenzien) sowie zum Einsatz von Bluttransfusionen.

Diagnostik und Monitoring

Die Diagnose einer renalen Anämie richtet sich nach den Kriterien der WHO:

  • Männer: Hb <13,0 g/dl
  • Frauen: Hb <12,0 g/dl
  • Kinder: Altersabhängige Grenzwerte (z. B. 0,5-5 Jahre <11,0 g/dl)

Die initiale Abklärung muss ein Blutbild (inkl. Indizes, Leukozyten, Thrombozyten), die absolute Retikulozytenzahl, Serum-Ferritin, Transferrinsättigung (TSAT) sowie Vitamin B12 und Folsäure umfassen.

Die Häufigkeit des Hb-Monitorings richtet sich nach dem CKD-Stadium und der Therapie:

PatientenstadiumOhne AnämieMit Anämie (ohne ESA)Unter ESA-Therapie
CKD 3JährlichAlle 3 MonateInitial: Monatlich, Erhaltung: Alle 3 Monate
CKD 4-5ND2x pro JahrAlle 3 MonateInitial: Monatlich, Erhaltung: Alle 3 Monate
CKD 5PDAlle 3 MonateAlle 3 MonateMonatlich
CKD 5HDAlle 3 MonateMonatlichMonatlich

Eisentherapie

Vor Beginn einer ESA-Therapie müssen alle korrigierbaren Ursachen (inkl. Eisenmangel) behandelt werden. Die Entscheidung zur Eisentherapie muss den Nutzen (Vermeidung von Transfusionen/ESA) und die Risiken (Anaphylaxie, Langzeitfolgen) abwägen.

PatientenstadiumIndikation für EisentherapieZielwerte / Kriterien
Erwachsene (ohne ESA)Hb-Anstieg erwünschtTSAT ≤30 % und Ferritin ≤500 ng/ml
Erwachsene (mit ESA)Hb-Anstieg oder ESA-Dosisreduktion erwünschtTSAT ≤30 % und Ferritin ≤500 ng/ml
KinderGenerelle EmpfehlungTSAT ≤20 % und Ferritin ≤100 ng/ml

Sicherheitshinweise zur i.v.-Eisengabe:

  • Patienten müssen nach der initialen Gabe für 60 Minuten überwacht werden.
  • Notfallausrüstung und geschultes Personal zur Behandlung von schweren Reaktionen müssen verfügbar sein.
  • Bei aktiven systemischen Infektionen darf kein i.v.-Eisen verabreicht werden.

ESA-Therapie

Der Einsatz von ESA erfordert eine strenge Nutzen-Risiko-Abwägung. Besondere Vorsicht gilt bei Patienten mit aktiver Malignität, Z.n. Schlaganfall oder Z.n. Malignität.

PatientenstadiumStart der ESA-TherapieZiel-Hb-Wert
CKD ND (Erwachsene)Bei Hb <10,0 g/dl (individuell)Nicht >11,5 g/dl
CKD 5D (Erwachsene)Bei Hb 9,0 - 10,0 g/dlNicht >11,5 g/dl
KinderIndividuell11,0 - 12,0 g/dl

Wichtige Grundsätze der ESA-Therapie:

  • Der Hb-Wert darf bei Erwachsenen niemals gezielt über 13,0 g/dl angehoben werden (1A).
  • Bei notwendiger Dosisreduktion sollte die Dosis verringert und nicht pausiert werden.
  • Androgene, Vitamin C, D, E, Folsäure, L-Carnitin oder Pentoxifyllin sollen nicht als Adjuvanzien zur ESA-Therapie eingesetzt werden.

Pure Red Cell Aplasia (PRCA): Bei einem plötzlichen Hb-Abfall (0,5-1,0 g/dl/Woche) unter ESA-Therapie (>8 Wochen), normalen Leukozyten/Thrombozyten und Retikulozyten <10.000/µl muss auf eine antikörpervermittelte PRCA getestet werden. Die ESA-Therapie ist sofort zu stoppen.

Bluttransfusionen

Bluttransfusionen sollten bei chronischer Anämie möglichst vermieden werden, um allgemeine Risiken zu minimieren.

  • Transplantationskandidaten: Transfusionen strikt vermeiden, um das Risiko einer Allosensibilisierung zu senken.
  • Ausnahmen: Transfusionen sind indiziert, wenn ESA ineffektiv sind (z. B. Hämoglobinopathien, Knochenmarkversagen), die ESA-Risiken überwiegen oder eine rasche Hb-Korrektur (Blutung, instabile KHK) erforderlich ist. Die Entscheidung basiert auf Symptomen, nicht auf starren Hb-Schwellenwerten.

💡Praxis-Tipp

Schließen Sie vor Beginn einer ESA-Therapie stets andere Anämie-Ursachen (z. B. Eisenmangel) aus. Verabreichen Sie intravenöses Eisen niemals bei aktiven systemischen Infektionen und überwachen Sie den Patienten nach der Erstgabe für 60 Minuten.

Häufig gestellte Fragen

Bei Männern ab einem Hb <13,0 g/dl, bei Frauen ab <12,0 g/dl.
Wenn der Hb-Wert zwischen 9,0 und 10,0 g/dl liegt, um ein Abfallen unter 9,0 g/dl zu vermeiden.
Der Hb-Wert sollte bei Erwachsenen nicht über 11,5 g/dl gehalten und keinesfalls gezielt über 13,0 g/dl angehoben werden.
Ein Therapieversuch wird bei einer Transferrinsättigung (TSAT) ≤30 % und einem Ferritin ≤500 ng/ml empfohlen.
Transfusionen sollten möglichst vermieden werden, besonders bei Transplantationskandidaten. Ausnahmen bilden akute Blutungen oder Ineffektivität von ESA.

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