Darmkrebs-Screening ab 45: IQWiG-Vorbericht S24-02
Hintergrund
Das kolorektale Karzinom (KRK) gehört in Deutschland zu den häufigsten Krebserkrankungen. Die Früherkennung zielt darauf ab, Vorläuferläsionen wie Adenome zu entfernen und die darmkrebsspezifische Mortalität zu senken.
Seit April 2025 haben gesetzlich Versicherte ab 50 Jahren die Wahl zwischen einem zweijährlichen immunologischen Stuhltest (iFOBT) oder einer Koloskopie. Der Anspruch auf die Früherkennungskoloskopie ist auf maximal zwei Untersuchungen im Abstand von mindestens 10 Jahren begrenzt.
Internationale Fachgesellschaften empfehlen zunehmend einen Screening-Beginn ab 45 Jahren. Der vorliegende IQWiG-Vorbericht S24-02 untersucht daher den potenziellen Nutzen einer Herabsetzung der Altersgrenze sowie modifizierter Untersuchungsintervalle.
Empfehlungen
Der IQWiG-Vorbericht formuliert basierend auf einer systematischen Recherche und Modellierungen folgende zentrale Erkenntnisse:
Direkte Evidenzlage
Laut Bericht konnten keine relevanten Studien identifiziert werden, die den direkten Nutzen eines Screenings bei Personen unter 50 Jahren belegen. Ebenso fehlt direkte Evidenz für modifizierte Koloskopie-Intervalle bei Personen ab 45 Jahren.
Aufgrund der fehlenden direkten Evidenz lässt sich kein direkter Nutzen ableiten. Das Institut führte stattdessen eine entscheidungsanalytische Modellierung (Markov-Modell) durch, um verschiedene Strategien zu vergleichen.
Vergleich der modellierten Screening-Strategien
Die Modellierung zeigt für eine angenommene Teilnahmequote von 100 % folgende Tendenzen für modifizierte Strategien im Vergleich zum aktuellen Standard:
| Screening-Methode | Modellierte Modifikation | Potenzieller Effekt laut Modell |
|---|---|---|
| iFOBT | Beginn ab 45 Jahren (zweijährlich) | Potenziell vorteilhaft gegenüber Start mit 50 Jahren |
| iFOBT | Jährliches Intervall | Mehr vermiedene Fälle, aber deutlich höherer Koloskopieaufwand |
| Koloskopie | 3 statt 2 Untersuchungen ab 50 Jahren | Potenziell vorteilhaft durch verlängerten Screeningzeitraum |
| Koloskopie | 2 Untersuchungen im 15-Jahres-Intervall | Potenziell überlegen, wenn Maximalzahl von 2 beibehalten wird |
| Koloskopie | Beginn ab 45 Jahren | Erfordert Intervallverlängerung (z. B. 20 Jahre) oder mehr Untersuchungen |
Geschlechtsspezifische Unterschiede
Die Modellierung zeigt unterschiedliche Tendenzen für Männer und Frauen. Bei Männern ist ein früherer Beginn des Screenings potenziell von größerem Vorteil.
Bei Frauen hingegen erweist sich eine Darmkrebsfrüherkennung auch im höheren Lebensalter als potenziell vorteilhaft.
💡Praxis-Tipp
Es wird im Bericht darauf hingewiesen, dass ein früherer Screening-Beginn ab 45 Jahren mittels Koloskopie nur dann sinnvoll modelliert wird, wenn gleichzeitig das Untersuchungsintervall verlängert (z. B. auf 20 Jahre) oder die maximale Anzahl der Koloskopien erhöht wird. Andernfalls fällt der abgedeckte Screeningzeitraum im Leben der untersuchten Personen zu kurz aus.
Häufig gestellte Fragen
Gemäß der aktuellen Richtlinie haben gesetzlich Versicherte ab einem Alter von 50 Jahren Anspruch auf die Darmkrebsfrüherkennung. Es kann zwischen einem zweijährlichen iFOBT und einer Koloskopie gewählt werden.
Laut IQWiG-Vorbericht gibt es derzeit keine direkten Studienbelege, die einen Nutzen des Screenings bei Personen unter 50 Jahren ohne spezifisches Risiko nachweisen. Die im Bericht diskutierten Vorteile basieren ausschließlich auf statistischen Modellierungen.
Im aktuellen deutschen Screeningprogramm ist der Anspruch auf maximal zwei Früherkennungskoloskopien begrenzt. Der Mindestabstand zwischen der ersten und der zweiten Untersuchung beträgt 10 Jahre.
Die Modellierung des IQWiG zeigt, dass ein jährlicher iFOBT die Anzahl vermiedener Darmkrebsfälle leicht erhöhen kann. Dies geht jedoch mit einem signifikant höheren Aufwand an nachfolgenden Abklärungskoloskopien einher.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: IQWiG S24-02: Überprüfung der unteren Altersgrenze und Frequenz der Früherkennungskoloskopie im Darmkrebs-Screeningprogramm (IQWiG, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.