Lungenkrebsscreening mittels Low-Dose-CT: IQWiG-Bericht
Hintergrund
Lungenkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen und ist eine der führenden krebsbedingten Todesursachen. Der bedeutendste Risikofaktor ist das aktive oder ehemalige Rauchen.
Die Erkrankung wird oft erst in späten Stadien (UICC-Stadien III und IV) diagnostiziert, was mit einer sehr geringen Überlebensrate einhergeht. Eine Früherkennung könnte die Prognose der Betroffenen maßgeblich verbessern.
Der vorliegende IQWiG-Bericht S19-02 untersucht den Nutzen eines systematischen Lungenkrebsscreenings mittels Niedrigdosis-Computertomografie (Low-Dose-CT). Die Zielgruppe sind Personen mit einem erhöhten Risiko aufgrund von derzeitigem oder ehemaligem starken Tabakkonsum.
Empfehlungen
Der Bericht fasst die Evidenz zum Lungenkrebsscreening mittels Low-Dose-CT wie folgt zusammen:
Einfluss auf die Mortalität
Laut IQWiG gibt es in der Gesamtbetrachtung einen Anhaltspunkt für einen Nutzen in Bezug auf die Mortalität. Das Screening bewahrt schätzungsweise 5 von 1000 Personen innerhalb von etwa 10 Jahren davor, an Lungenkrebs zu versterben.
Für die lungenkrebsspezifische Mortalität liegt ein Hinweis auf einen Nutzen vor. Ein direkter, isolierter Einfluss auf das Gesamtüberleben ist im Vergleich zu keinem Screening jedoch nicht statistisch belegt.
Risiken und Schäden des Screenings
Dem Nutzen stehen potenzielle Schäden gegenüber, die bei der Aufklärung berücksichtigt werden müssen. Der Bericht identifiziert folgende wesentliche Risiken:
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Falsch-positive Befunde, die zu unnötigen invasiven Prozeduren führen (Beleg für Schaden)
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Überdiagnosen, die nicht erforderliche Folgediagnostiken und Therapien nach sich ziehen (Beleg für Schaden)
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Komplikationen durch invasive Abklärungen, wie beispielsweise das Auftreten eines Pneumothorax
Übersicht der Endpunktbewertung
Die folgende Tabelle fasst die Bewertung der patientenrelevanten Endpunkte zusammen:
| Endpunkt | Effekt durch Low-Dose-CT | Evidenzstärke laut IQWiG |
|---|---|---|
| Lungenkrebsspezifische Mortalität | Reduktion der Sterblichkeit | Hinweis auf Nutzen |
| Gesamtmortalität | Kein signifikanter Unterschied isoliert belegt | Kein Beleg |
| Falsch-positive Befunde | Führt zu invasiven Prozeduren | Beleg für Schaden |
| Überdiagnosen | Führt zu unnötiger Therapie | Beleg für Schaden |
Nutzen-Schaden-Abwägung
Zusammenfassend stellt der Bericht fest, dass für aktive und ehemalige starke Raucher der Nutzen des Low-Dose-CT-Screenings den potenziellen Schaden überwiegt.
Es wird betont, dass optimale Screeningstrategien entscheidend sind. Nur so kann das Risiko für Überdiagnosen und falsch-positive Befunde möglichst gering gehalten werden.
Kontraindikationen
Der Bericht nennt keine direkten Kontraindikationen, quantifiziert jedoch die negativen Konsequenzen des Screenings.
Bei 1 bis 15 von 1000 gescreenten Personen kommt es aufgrund falsch-positiver Befunde zu invasiven Prozeduren, die ohne das Screening nicht stattgefunden hätten.
Zudem liegt das Risiko für Überdiagnosen in den untersuchten Studien bei bis zu 22 pro 1000 eingeladenen Personen. Bezogen auf alle Lungenkrebsdiagnosen während der Screeningphase betrug die Überdiagnoserate bis zu 63 %.
💡Praxis-Tipp
Ein wesentlicher Aspekt bei der Beratung von asymptomatischen Rauchern ist die Aufklärung über falsch-positive Befunde. Laut Bericht ist es wichtig zu vermitteln, dass ein auffälliger CT-Befund häufig vorkommt und invasive Abklärungen nach sich ziehen kann, die mit eigenen Komplikationsrisiken verbunden sind.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht bewahrt das Screening etwa 5 von 1000 Personen innerhalb von 10 Jahren vor dem Tod durch Lungenkrebs. Es ergibt sich insgesamt ein Anhaltspunkt für einen Nutzen hinsichtlich der Mortalität.
Die wesentlichen Risiken bestehen in falsch-positiven Befunden und Überdiagnosen. Diese können zu unnötigen invasiven Eingriffen wie Biopsien führen, welche wiederum Komplikationen wie einen Pneumothorax verursachen können.
Die untersuchte Zielpopulation umfasst Personen mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko. Dies betrifft in erster Linie aktive oder ehemalige starke Raucher.
Der Bericht verweist auf ältere Studien, die zeigen, dass ein Screening mittels Röntgenthorax die Lungenkrebsmortalität nicht signifikant senkt. Es führt zudem nicht zu einer Reduzierung von Tumoren in späten Stadien.
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Quelle: IQWiG S19-02: Lungenkrebsscreening mittels Niedrigdosis-Computertomografie (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.