Kolorektales Karzinom: Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Körperliche Aktivität und Gewichtsreduktion senken das Risiko für ein Kolorektales Karzinom signifikant.
- •Eine ballaststoffreiche Ernährung und Milchprodukte wirken protektiv, während Alkohol und rotes Fleisch das Risiko erhöhen.
- •Medikamente (wie ASS oder Statine) und Mikronährstoff-Supplemente werden nicht zur Primärprävention empfohlen.
- •Die Darmkrebs-Früherkennung wird für Personen mit durchschnittlichem Risiko ab 50 Jahren empfohlen.
- •Wirksame Screening-Verfahren sind die Koloskopie (alle 10 Jahre), Sigmoidoskopie (alle 5 Jahre) oder der iFOBT (alle 1-2 Jahre).
Hintergrund
Das Kolorektale Karzinom (KRK) gehört mit etwa 55.000 Neuerkrankungen und ca. 23.000 Todesfällen pro Jahr (Stand 2022) zu den häufigsten malignen Tumoren in Deutschland. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei Frauen bei 75 Jahren und bei Männern bei 71 Jahren. Die aktuelle Leitlinie definiert evidenzbasierte Maßnahmen zur Prävention und Früherkennung für die asymptomatische Bevölkerung.
Prävention und Lebensgewohnheiten
Der Lebensstil hat einen signifikanten Einfluss auf das Risiko, an einem Kolorektalen Karzinom zu erkranken:
- Körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung senkt das Risiko für fortgeschrittene Karzinome um bis zu 27 %. Bereits 30-60 Minuten moderate tägliche Aktivität sind wirksam.
- Körpergewicht: Erhebliches Übergewicht (Adipositas) erhöht das Risiko um 88 %, normales Übergewicht um 32 %. Das Gewicht im Erwachsenenalter ist hierbei entscheidend.
- Rauchen: Tabakkonsum ist mit einem um 15-20 % erhöhten Risiko verbunden. Nach 25 Jahren Abstinenz sinkt das Risiko wieder auf das Niveau von Nichtrauchern.
Ernährung
Die Ernährung spielt eine zentrale Rolle in der Primärprävention. Empfohlen wird eine Ernährung reich an Vollkornprodukten, Ballaststoffen, pflanzlichen Lebensmitteln und Milchprodukten. Hochverarbeitete Lebensmittel, rotes Fleisch und Alkohol sollten reduziert werden.
| Lebensmittel / Inhaltsstoff | Tägliche Aufnahme | Effekt auf KRK-Risiko |
|---|---|---|
| Vollkorn | je 90 g | -17 % (Risikoreduktion) |
| Ballaststoffe | je 10 g | -7 % (Risikoreduktion) |
| Gemüse | 200 g vs. 22 g | -16 % (Risikoreduktion) |
| Obst | 200 g vs. 22 g | -16 % (Risikoreduktion) |
| Milchprodukte | 400 g | -13 % (Risikoreduktion) |
| Alkohol | 20 g / 30 g / 40 g | +7 % / +15 % / +25 % (Risikoerhöhung) |
| Rotes Fleisch | 100 g | +12 % (Risikoerhöhung, nur Kolon) |
| Prozessiertes Fleisch | 50 g | +16 % (Risikoerhöhung) |
Mikronährstoffe und Medikamente
- Mikronährstoffe: Es gibt keine gesicherten Daten für eine wirksame Prävention durch Mikronährstoffe. Die Einnahme von Supplementen (wie Vitamin A, C, E, D, Calcium, Selen oder Folsäure) zur Primärprävention wird nicht empfohlen.
- Medikamente: Medikamente wie Acetylsalicylsäure (ASS), COX-2-Hemmer, Statine oder Hormone sollen in der asymptomatischen Allgemeinbevölkerung nicht zur Primärprophylaxe eingesetzt werden, da die Datenlage heterogen ist und potenzielle Nebenwirkungen (z. B. Blutungen, kardiovaskuläre Ereignisse) überwiegen.
Früherkennung und Screening
Die Darmkrebs-Vorsorge richtet sich an die asymptomatische Bevölkerung mit durchschnittlichem Risiko.
- Alter: Der Beginn der Früherkennung soll ab dem 50. Lebensjahr empfohlen werden.
- Altersgrenze: Eine strikte obere Altersgrenze existiert nicht. Bei Personen über 75 Jahren sollte die Fortführung individuell nach Lebenserwartung und Komorbiditäten entschieden werden.
Wirksame Screening-Verfahren
Folgende Verfahren sind für die Früherkennung wirksam und etabliert:
- Koloskopie: Alle 10 Jahre (Goldstandard, höchste Sensitivität und Spezifität, ermöglicht gleichzeitige Polypektomie).
- Sigmoidoskopie: Alle 5 Jahre.
- iFOBT (immunologischer Stuhltest): Alle 1-2 Jahre. Der iFOBT hat den älteren Guajak-basierten Test (gFOBT) in Deutschland aufgrund überlegener Sensitivität abgelöst.
💡Praxis-Tipp
Raten Sie asymptomatischen Patienten von der Einnahme von ASS, Statinen oder Vitamin-Supplementen zur reinen Darmkrebsprävention ab. Fokussieren Sie sich stattdessen auf Lebensstiländerungen und die konsequente Teilnahme am Screening ab 50 Jahren.