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Prostatakarzinom-Screening (PSA-Test): IQWiG-Bericht

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KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Das Prostatakarzinom ist mit einem Anteil von 23 Prozent die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Das mediane Erkrankungsalter liegt bei 72 Jahren, wobei die Erkrankung vor dem 50. Lebensjahr selten auftritt.

Ziel eines Screenings ist die frühzeitige Entdeckung von Tumoren mit hohem Progressionsrisiko in einem heilbaren Stadium. Dadurch sollen die krankheitsspezifische Mortalität und Morbidität, wie beispielsweise Schmerzen durch Knochenmetastasen, gesenkt werden.

In Deutschland wird die digital-rektale Untersuchung (DRU) ab 45 Jahren von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Die Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) ist hingegen eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL).

Empfehlungen

Der IQWiG-Bericht S19-01 bewertet den Nutzen und Schaden des Prostatakarzinom-Screenings mittels PSA-Test bei asymptomatischen Männern. Es werden folgende zentrale Ergebnisse formuliert:

Mortalität und Metastasierung

  • Bezüglich der Gesamtmortalität zeigt sich laut Bericht kein Anhaltspunkt für einen Nutzen oder Schaden durch das PSA-Screening.

  • Für die prostatakarzinomspezifische Mortalität ergibt sich ein Hinweis auf einen Nutzen, jedoch nur in der Subgruppe der Studien mit einem PSA-Cut-off-Wert von unter 4 ng/ml.

  • Hinsichtlich der Diagnose metastasierter Prostatakarzinome belegt die Auswertung einen Hinweis auf einen Nutzen des Screenings.

Schäden durch das Screening

Der Bericht stellt fest, dass das Screening signifikante Risiken birgt. Es ergibt sich ein Beleg für einen Schaden durch die Konsequenzen von Überdiagnosen und falsch-positiven Befunden.

  • Männer mit falsch-positiven Befunden erleiden Schäden durch unnötige invasive Diagnostik wie Prostatabiopsien.

  • Überdiagnostizierte Männer sind den Risiken von Übertherapien ausgesetzt.

  • Das Risiko für Überdiagnosen ist abhängig vom gewählten PSA-Grenzwert.

PSA-Cut-off-WertÜberdiagnoserisiko (pro 1000 Eingeladene)
< 4 ng/ml35 bis 60
≥ 4 ng/ml7 bis 16

Nutzen-Schaden-Abwägung

Zusammenfassend kommt das IQWiG zu dem Schluss, dass der Nutzen des PSA-Screenings den potenziellen Schaden nicht aufwiegt. Zwar erspart das Screening einigen Männern eine metastasierte Erkrankung, jedoch schadet es deutlich mehr Männern durch Überdiagnosen und frühe Therapiekomplikationen.

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💡Praxis-Tipp

Laut dem IQWiG-Bericht überwiegen die Schäden des PSA-Screenings durch Überdiagnosen und falsch-positive Befunde den potenziellen Nutzen. Es wird hervorgehoben, dass viele Screeningschäden wie Therapiekomplikationen früh auftreten und lebenslang bestehen bleiben können. Ein möglicher Überlebensvorteil oder die Verhinderung von Metastasen tritt hingegen erst nach mehreren Jahren ein.

Häufig gestellte Fragen

Laut dem IQWiG-Bericht gibt es keinen Anhaltspunkt dafür, dass das Prostatakarzinom-Screening mittels PSA-Test die Gesamtmortalität senkt. Es konnte in den analysierten Studien kein statistisch signifikanter Unterschied festgestellt werden.

Die Auswertung zeigt einen Hinweis auf einen Nutzen bezüglich der prostatakarzinomspezifischen Mortalität nur bei Studien mit einem PSA-Cut-off-Wert unter 4 ng/ml. Bei Werten ab 4 ng/ml konnte kein signifikanter Unterschied nachgewiesen werden, was jedoch durch methodische Einschränkungen der Studien bedingt sein könnte.

Das Risiko für Überdiagnosen variiert je nach PSA-Cut-off-Wert. In Studien mit einem Grenzwert unter 4 ng/ml lag das Risiko bei 35 bis 60 Überdiagnosen pro 1000 eingeladenen Männern.

Der Bericht belegt Schäden durch falsch-positive Befunde, die zu unnötigen Prostatabiopsien führen. Zudem kommt es zu Überdiagnosen, aus denen Übertherapien mit potenziell lebenslangen Komplikationen resultieren.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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