PSA-Screening: Indikation, Nutzen und Überdiagnosen
Hintergrund
Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Das Risiko für eine Erkrankung steigt mit zunehmendem Alter deutlich an, wobei das mediane Erkrankungsalter bei 72 Jahren liegt.
Ziel von Screeningmaßnahmen ist es, Tumore mit einem hohen Progressionsrisiko in einem noch heilbaren Stadium zu entdecken. Dadurch sollen die mit einer Metastasierung verbundene Morbidität und die krebsspezifische Mortalität gesenkt werden.
In der vertragsärztlichen Versorgung wird Männern ab 45 Jahren derzeit die digital-rektale Untersuchung (DRU) als Früherkennungsmaßnahme angeboten. Die Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) ist hingegen eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL).
💡Praxis-Tipp
Es wird hervorgehoben, dass bei der Beratung zum PSA-Screening eine ergebnisoffene Aufklärung über die Vor- und Nachteile im Rahmen einer gemeinsamen Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) erfolgen sollte. Dabei ist besonders auf das hohe Risiko von Überdiagnosen und falsch-positiven Befunden sowie die daraus resultierenden potenziellen lebenslangen Therapiekomplikationen hinzuweisen.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht schadet das Prostatakarzinomscreening mittels PSA-Test deutlich mehr Männern durch Überdiagnosen, als es nutzt. Der potenzielle Nutzen wiegt den Schaden insgesamt nicht auf.
Bezüglich der Gesamtmortalität gibt es keinen Anhaltspunkt für einen Nutzen. Für die prostatakarzinomspezifische Mortalität zeigt sich lediglich ein Hinweis auf einen Nutzen bei einem PSA-Cut-off-Wert unter 4 ng/ml.
Der Bericht beziffert das Risiko auf 35 bis 60 Überdiagnosen pro 1000 eingeladene Männer bei einem Cut-off-Wert unter 4 ng/ml. Dies führt häufig zu unnötigen Behandlungen mit potenziell lebenslangen Nebenwirkungen wie Inkontinenz.
Ein falsch-positiver Befund zieht in der Regel eine unnötige Prostatabiopsie nach sich. Diese Eingriffe können zu Komplikationen wie Infektionen führen und belasten die Betroffenen zusätzlich.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: IQWiG S19-01: Prostatakarzinom-Screening mittels PSA-Test (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
IQWiG HT18-03: Prostatakrebs: Führt die Anwendung der Fusionsbiopsie im Vergleich zur Anwendung üblicher diagnostischer Verfahren zu besseren Behandlungsergebnissen?
IQWiG HT18-01: Hodenkrebs: Führt eine regelmäßige Früherkennungsuntersuchung für Männer ab 16 Jahren zu besseren Behandlungsergebnissen?
IQWiG S21-01: Überprüfung der Altersgrenzen im Mammografie-Screening-Programm
IQWiG N17-04: Interstitielle Low-Dose-Rate-Brachytherapie beim lokal begrenzten Prostatakarzinom - Rapid Report
Prostatakarzinom
AWMF 043-022: Prostatakarzinom
S3-Leitlinie Prostatakarzinom v8.1 (2024)
IQWiG S19-02: Lungenkrebsscreening mittels Niedrigdosis-Computertomografie
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen