Prostatakarzinom: S3-Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die digital-rektale Untersuchung (DRU) soll zur Früherkennung nicht mehr eingesetzt werden.
- •Männern ab 45 Jahren mit >10 Jahren Lebenserwartung soll nach Aufklärung ein PSA-Test angeboten werden.
- •Die Früherkennungsintervalle richten sich nach dem Basis-PSA-Wert (z.B. 5 Jahre bei <1,5 ng/ml).
- •Bei einem kontrolliert erhöhten PSA-Wert ≥3 ng/ml soll ein MRT der Prostata erfolgen.
- •Bei PI-RADS 1 und 2 Befunden im MRT soll keine Biopsie durchgeführt werden.
Hintergrund
Das Prostatakarzinom ist der häufigste bösartige Tumor des Mannes in Deutschland. Die Erkrankung ist stark altersabhängig; vor dem 50. Lebensjahr tritt sie selten auf. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 72 Jahren. Eine kurative Behandlung ist nur im lokalisierten Stadium möglich, weshalb der Früherkennung eine hohe Bedeutung zukommt.
Risikofaktoren und Prävention
Das Alter ist der wichtigste Risikofaktor. Zudem haben Männer mit erstgradig Verwandten (Vater oder Bruder), die an einem Prostatakarzinom erkrankt sind, ein über zweifach erhöhtes Risiko.
- Empfehlungsgrad A: Männer sollen über das Alter als wichtigsten Risikofaktor aufgeklärt werden.
- Empfehlungsgrad A: Bei familiärer Belastung soll auf das erhöhte Risiko hingewiesen werden.
- Empfehlungsgrad A: Männer sollen zu einer gesunden Lebensweise (Ernährung, Bewegung) beraten werden. Spezifische Diäten zur Prävention sind nicht belegt.
Testosteronsubstitution
Bei nachgewiesenem Hypogonadismus kann Testosteron substituiert werden (Empfehlungsgrad 0), da bisher kein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Prostatakarzinoms nachgewiesen wurde. Vor Beginn soll jedoch ein Prostatakarzinom mittels PSA-Wert und digital-rektaler Untersuchung (DRU) ausgeschlossen werden (Empfehlungsgrad A).
Früherkennung und Screening
Die Früherkennung wurde in der aktuellen Leitlinie grundlegend überarbeitet. Die digital-rektale Untersuchung (DRU) hat eine zu geringe Sensitivität und Spezifität und wird in der Primärdiagnostik nicht mehr empfohlen.
- Empfehlungsgrad A: Zur Früherkennung von Prostatakarzinomen soll keine digital-rektale Untersuchung (DRU) erfolgen.
- Expertenkonsens: Männern ab 45 Jahren mit einer Lebenserwartung von mindestens 10 Jahren soll nach ergebnisoffener Aufklärung über Vor- und Nachteile ein PSA-Test angeboten werden.
| Vor- und Nachteile des PSA-Screenings | Details |
|---|---|
| Vorteile | Reduktion der prostatakarzinomspezifischen Mortalität und Metastasierung. |
| Nachteile | Überdiagnostik klinisch irrelevanter Tumore, psychologische Belastung, Übertherapie, falsch-positive Befunde. |
Risikoadaptierte Früherkennungsstrategie
Nach Bestimmung des Basis-PSA-Wertes erfolgt die weitere Planung risikoadaptiert (Empfehlungsgrad A):
| Basis-PSA-Wert | Risikozuordnung | Empfehlung |
|---|---|---|
| < 1,5 ng/ml | Niedriges Risiko | 5-jährliche Intervalle |
| 1,5 - 2,99 ng/ml | Intermediäres Risiko | 2-jährliche Intervalle |
| ≥ 3,0 ng/ml | Hohes Risiko | Kontrolle und ggf. Diagnostik |
Diagnostik bei erhöhtem PSA-Wert
Ein erhöhter PSA-Wert (≥ 3 ng/ml) soll vor weiterer Diagnostik unter Berücksichtigung von Einflussfaktoren innerhalb von 3 Monaten kontrolliert werden (Empfehlungsgrad A).
- Empfehlungsgrad A: Bestätigt sich bei der urologischen Konsultation das Risiko, soll eine Magnetresonanztomographie (MRT) der Prostata erfolgen.
- Empfehlungsgrad A: Bei PI-RADS 1 und 2 Befunden soll keine Biopsie durchgeführt werden.
Genetische Prädisposition
Für Männer mit nachgewiesenen pathogenen Varianten gelten gesonderte Empfehlungen:
- Expertenkonsens: Bei Mutationen in BRCA2, MSH2 oder MSH6 sollte ab 40 Jahren eine Risikosprechstunde angeboten werden.
- Expertenkonsens: Bei diesen Patienten sollen eine PSA-Bestimmung und ein MRT der Prostata erfolgen.
- Expertenkonsens: Bei PI-RADS 3-5 und/oder PSA ≥ 3 ng/ml sollte eine MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie empfohlen werden.
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie in der primären Früherkennung auf die digital-rektale Untersuchung (DRU) und setzen Sie stattdessen auf den PSA-Wert. Ein PSA-Wert ≥3 ng/ml muss zwingend innerhalb von 3 Monaten kontrolliert werden, bevor ein MRT veranlasst wird.