Prostatakarzinom-Früherkennung: S3-Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die digital-rektale Untersuchung (DRU) soll zur Früherkennung nicht mehr eingesetzt werden.
- •Männern ab 45 Jahren mit >10 Jahren Lebenserwartung kann nach Aufklärung ein PSA-Test angeboten werden.
- •Das Screening-Intervall richtet sich nach dem Basis-PSA-Wert (z.B. 5 Jahre bei <1,5 ng/ml).
- •Bei einem kontrollierten PSA-Wert ≥3 ng/ml soll ein MRT der Prostata erfolgen.
- •Bei familiärer Belastung oder genetischen Mutationen (BRCA2, MSH2/6) gelten intensivierte Früherkennungsstrategien.
Hintergrund
Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Die S3-Leitlinie der AWMF (Version 8.1) bringt wesentliche Neuerungen in der Früherkennung und Diagnostik. Ziel der Früherkennung ist es, aggressive Tumoren rechtzeitig zu erkennen und gleichzeitig Überdiagnosen und Übertherapien von indolenten Karzinomen zu vermeiden.
Früherkennung und Aufklärung
Die Früherkennung des Prostatakarzinoms basiert primär auf der Bestimmung des Prostata-spezifischen Antigens (PSA). Eine wesentliche Änderung der aktuellen Leitlinie betrifft die digital-rektale Untersuchung (DRU):
- Keine DRU zur Früherkennung: Zur Früherkennung von Prostatakarzinomen soll keine digital-rektale Untersuchung mehr erfolgen, da sie dem PSA-Test deutlich unterlegen ist.
- Aufklärung: Männer ab 45 Jahren mit einer Lebenserwartung von mindestens 10 Jahren sollen ergebnisoffen über Vor- und Nachteile der Früherkennung beraten werden.
- PSA-Test: Nach erfolgter Beratung soll Männern, die eine Früherkennung wünschen, die Bestimmung des PSA-Wertes angeboten werden.
Risikoadaptiertes PSA-Screening
Die weiteren Früherkennungsintervalle richten sich nach der Höhe des initialen Basis-PSA-Wertes. Dies ermöglicht eine risikoadaptierte Strategie:
| Basis-PSA-Wert | Risikozuordnung | Empfehlung |
|---|---|---|
| < 1,5 ng/ml | niedriges Risiko | 5-jährliche Intervalle |
| 1,5 – 2,99 ng/ml | intermediäres Risiko | 2-jährliche Intervalle |
| ≥ 3,0 ng/ml | hohes Risiko | Kontrolle und ggf. Diagnostik |
Diagnostik bei auffälligem PSA
Ein erhöhter PSA-Wert bedarf einer strukturierten Abklärung, um unnötige Biopsien zu vermeiden und signifikante Karzinome sicher zu detektieren.
- PSA-Kontrolle: Ein erhöhter PSA-Wert (≥ 3 ng/ml) soll vor weiterer Diagnostik unter Berücksichtigung von Einflussfaktoren innerhalb von 3 Monaten kontrolliert werden.
- MRT-Indikation: Bei einem kontrolliert erhöhten PSA-Wert (≥ 3 ng/ml) und urologisch bestätigtem Risiko soll eine Magnetresonanztomographie (MRT) der Prostata erfolgen.
- Biopsie-Entscheidung: Bei unauffälligen MRT-Befunden (PI-RADS 1 und 2) soll keine Biopsie durchgeführt werden.
Genetische und familiäre Risikofaktoren
Für Männer mit familiärer Belastung oder genetischer Prädisposition gelten besondere Empfehlungen:
| Risikofaktor | Alter | Empfohlene Maßnahme |
|---|---|---|
| Familiäre Belastung (≥ 1 erstgradig Verwandter) | ab 45 Jahren | Angebot eines PSA-basierten Screenings |
| Pathogene Variante (BRCA2, MSH2, MSH6) | ab 40 Jahren | Risikosprechstunde, PSA-Bestimmung und MRT der Prostata |
Bei Vorliegen einer pathogenen Variante und einem PI-RADS 3-5 Befund im MRT und/oder einem PSA-Wert ≥ 3 ng/ml sollte eine MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie empfohlen werden.
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie in der reinen Früherkennung auf die digital-rektale Untersuchung (DRU) und setzen Sie primär auf den PSA-Test. Bei einem PSA < 1,5 ng/ml können Sie das nächste Screening-Intervall beruhigt auf 5 Jahre strecken.