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LDR-Brachytherapie bei Prostatakarzinom: IQWiG

Diese Leitlinie stammt aus 2018 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2018)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Tumorerkrankung des Mannes in Deutschland. Bei lokal begrenzten Tumoren (T1 oder T2, N0, M0) stehen verschiedene kurative Therapieoptionen sowie beobachtende Strategien zur Verfügung.

Die permanente interstitielle Low-Dose-Rate-Brachytherapie (LDR-Brachytherapie) stellt eine Alternative zur radikalen Prostatektomie und zur perkutanen Strahlentherapie dar. Hierbei werden radioaktive Seeds dauerhaft in die Prostata eingebracht, um das Tumorgewebe gezielt zu bestrahlen und umliegende Organe zu schonen.

Der IQWiG Rapid Report N17-04 aktualisiert vorherige Nutzenbewertungen zu diesem Verfahren. Ziel der Untersuchung ist der Vergleich der LDR-Brachytherapie mit operativen, strahlentherapeutischen und beobachtenden Standardtherapien hinsichtlich patientenrelevanter Endpunkte.

Empfehlungen

Der Bericht fasst die Evidenzlage zur LDR-Brachytherapie wie folgt zusammen:

Überleben und Kuration

Für die zentralen Endpunkte Gesamtüberleben und krankheitsspezifisches Überleben liegen keine neuen verwertbaren Daten vor. Es ergibt sich kein Anhaltspunkt für einen Nutzen oder Schaden im Vergleich zu radikaler Prostatektomie, perkutaner Strahlentherapie oder beobachtenden Strategien.

Der Bericht betont, dass das Fehlen eines Anhaltspunkts nicht mit einer nachgewiesenen Gleichwertigkeit der Interventionen gleichzusetzen ist. Auch für das krankheitsfreie Überleben und das PSA-basierte rezidivfreie Überleben sind keine belastbaren Aussagen möglich.

Lebensqualität und Nebenwirkungen

Hinsichtlich der allgemeinen gesundheitsbezogenen Lebensqualität zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen der LDR-Brachytherapie und den Vergleichsinterventionen.

Bei den therapiebedingten Ereignissen und Funktionsstörungen ergibt die Auswertung folgendes Bild im direkten Vergleich:

EndpunktLDR vs. Radikale Prostatektomie (RP)LDR vs. Perkutane Strahlentherapie (EBRT)
GesamtüberlebenKein Anhaltspunkt für Nutzen/SchadenKein Anhaltspunkt für Nutzen/Schaden
LebensqualitätKein signifikanter UnterschiedKein signifikanter Unterschied
HarninkontinenzVorteil für LDR-BrachytherapieKein signifikanter Unterschied
HarntraktproblemeHeterogene Datenlage (keine Aussage)Kein signifikanter Unterschied
Urogenitale ToxizitätKeine neuen DatenNachteil für LDR-Brachytherapie (späte Toxizität)
DarmproblemeKein signifikanter UnterschiedKein signifikanter Unterschied

Fazit der Evidenzbewertung

Eine abschließende Abwägung der unerwünschten Therapienebenwirkungen gegen einen möglichen kurativen Nutzen ist laut Bericht nicht möglich. Dies ist auf die unzureichende Datenlage zu den Überlebensendpunkten zurückzuführen.

Die methodische Bewertung der eingeschlossenen Studien zeigt zudem deutliche Limitationen:

  • Das endpunktübergreifende Verzerrungspotenzial wird als hoch eingestuft.

  • Es fehlen häufig Angaben zur verdeckten Gruppenzuteilung oder Verblindung.

  • Hohe Abbruchraten und unvollständige Datenpublikationen mindern die Aussagesicherheit.

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💡Praxis-Tipp

Bei der Aufklärung über die LDR-Brachytherapie sollte kommuniziert werden, dass ein Überlebensvorteil gegenüber der radikalen Prostatektomie oder perkutanen Strahlentherapie wissenschaftlich nicht belegt ist. Zwar weisen Daten auf ein geringeres Risiko für Harninkontinenz im Vergleich zur Operation hin, eine abschließende Nutzen-Schaden-Abwägung ist aufgrund fehlender Langzeitdaten zum Gesamtüberleben jedoch nicht möglich.

Häufig gestellte Fragen

Laut IQWiG-Bericht gibt es keinen Anhaltspunkt für einen Nutzen oder Schaden hinsichtlich des Gesamtüberlebens im Vergleich zu Standardtherapien. Die fehlende Evidenz ist jedoch nicht mit einer nachgewiesenen Gleichwertigkeit gleichzusetzen.

Die Auswertung zeigt einen statistisch signifikanten Unterschied zugunsten der LDR-Brachytherapie im Vergleich zur radikalen Prostatektomie. Gegenüber der perkutanen Strahlentherapie zeigt sich hingegen kein signifikanter Unterschied.

Der Bericht stellt keinen statistisch signifikanten Unterschied in der allgemeinen gesundheitsbezogenen Lebensqualität fest. Dies gilt sowohl für den Vergleich mit der radikalen Prostatektomie als auch mit der perkutanen Strahlentherapie.

Die Untersuchung verweist auf ältere Daten, die ein potenziell höheres Risiko für späte urogenitale Toxizität (Grad 2 bis 3) bei der LDR-Brachytherapie zeigen. Bei anderen Endpunkten wie Darmproblemen gibt es keine signifikanten Unterschiede.

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Quelle: IQWiG N17-04: Interstitielle Low-Dose-Rate-Brachytherapie beim lokal begrenzten Prostatakarzinom - Rapid Report (IQWiG, 2018). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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