IQWiG2021

Prostatakrebs Fusionsbiopsie: IQWiG-Bewertung

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebsneuerkrankung bei Männern in Deutschland. Bei Verdacht auf einen Tumor erfolgt standardmäßig eine systematische transrektale Ultraschall-Biopsie (TRUS-Biopsie), bei der Gewebezylinder nach einem festen Schema entnommen werden.

Als Alternative wird die MRT-gestützte Fusionsbiopsie eingesetzt. Hierbei wird zunächst eine multiparametrische Magnetresonanztomografie (mpMRT) durchgeführt. Die gewonnenen MRT-Bilder werden anschließend mit Echtzeit-Ultraschallbildern überlagert, um verdächtige Areale gezielt zu punktieren.

Der vorliegende HTA-Bericht des IQWiG untersucht, ob die Fusionsbiopsie als Erstbiopsie im Vergleich zur TRUS-Biopsie zu besseren patientenrelevanten Behandlungsergebnissen führt. Dabei werden Aspekte wie Mortalität, die Vermeidung von Überdiagnosen und unerwünschte Ereignisse beleuchtet.

Empfehlungen

Der IQWiG-Bericht fasst die Evidenz zur Fusionsbiopsie bei biopsienaiven Männern zusammen. Es werden verschiedene diagnostische Strategien unterschieden.

Diagnostische Strategien

Der Bericht identifiziert primär folgende Strategien zur Einbindung der multiparametrischen Magnetresonanztomografie (mpMRT):

StrategieVorgehen bei auffälligem mpMRTVorgehen bei unauffälligem mpMRT
Strategie 1Alleinige FusionsbiopsieTRUS-Biopsie
Strategie 2Alleinige FusionsbiopsieKeine Biopsie
Strategie 4Fusionsbiopsie + TRUS-BiopsieKeine Biopsie

Laut Bericht führt Strategie 2 zu einer deutlichen Reduktion der durchgeführten Biopsien. Es wird hervorgehoben, dass so bis zu 28 % der Gewebeentnahmen vermieden werden können.

Zudem zeigt die Evidenz, dass durch die Fusionsbiopsie weniger klinisch nicht signifikante Tumoren gefunden werden. Dies kann laut IQWiG Überdiagnosen und unnötige Behandlungen reduzieren.

Patientenrelevante Endpunkte

Hinsichtlich der patientenrelevanten Endpunkte stellt der Bericht fest:

  • Es zeigen sich keine statistisch signifikanten Unterschiede bei der Gesamtmortalität oder der gesundheitsbezogenen Lebensqualität.

  • Die Raten an schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen unterscheiden sich nicht signifikant zwischen den Verfahren.

  • Es gibt keinen Beleg für einen höheren Nutzen oder geringeren Schaden der Fusionsbiopsie gegenüber der TRUS-Biopsie.

Risiken und Leitlinienempfehlungen

Der Bericht warnt davor, dass bei alleinigem Verlass auf die Fusionsbiopsie klinisch signifikante Tumoren übersehen werden können.

Zur klinischen Praxis zitiert der Bericht aktuelle Leitlinien:

  • Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt auch bei unauffälligem MRT eine TRUS-Biopsie, um falsch-negative Befunde zu reduzieren.

  • Die EAU-Leitlinie empfiehlt bei auffälligem MRT eine Kombination aus Fusionsbiopsie und TRUS-Biopsie (Strategie 4).

Frage zu dieser Leitlinie stellen...

💡Praxis-Tipp

Der IQWiG-Bericht weist nachdrücklich darauf hin, dass bei einer reinen Fusionsbiopsie ohne zusätzliche systematische Probenentnahme klinisch signifikante Prostatakarzinome übersehen werden können. Daher wird in der zitierten S3-Leitlinie empfohlen, auch bei einem unauffälligen MRT-Befund eine systematische TRUS-Biopsie durchzuführen, um das Risiko falsch-negativer Ergebnisse zu minimieren.

Häufig gestellte Fragen

Laut IQWiG-Bericht werden die Kosten für eine Fusionsbiopsie als Erstbiopsie in der Regel nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Die Erstattung erfolgt meist nur, wenn eine vorherige TRUS-Biopsie negativ war, der Tumorverdacht aber fortbesteht.

Der Bericht stellt fest, dass es bezüglich Mortalität und Lebensqualität keine signifikanten Unterschiede zwischen den Verfahren gibt. Allerdings kann die Fusionsbiopsie helfen, Überdiagnosen zu reduzieren und unnötige Biopsien bei unauffälligem MRT zu vermeiden.

Der Bericht zeigt, dass durch ein unauffälliges MRT vielen Männern eine Biopsie erspart bleiben könnte. Es wird jedoch gewarnt, dass bei alleinigem Verlass auf das MRT ein gewisses Risiko besteht, behandlungsbedürftige Tumoren zu übersehen.

Gemäß der Auswertung zeigen sich bei der Fusionsbiopsie ähnliche Risiken für schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wie bei der Standardbiopsie. Dazu gehören unter anderem Infektionen oder Blutungen nach der Gewebeentnahme.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: IQWiG HT18-03: Prostatakrebs: Führt die Anwendung der Fusionsbiopsie im Vergleich zur Anwendung üblicher diagnostischer Verfahren zu besseren Behandlungsergebnissen? (IQWiG, 2021). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien