Prostatakarzinom: S3-Leitlinie zur Früherkennung (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Zur Früherkennung des Prostatakarzinoms soll keine digital-rektale Untersuchung (DRU) mehr erfolgen.
- •Männern ab 45 Jahren mit >10 Jahren Lebenserwartung kann nach Aufklärung ein PSA-Test angeboten werden.
- •Das weitere Vorgehen richtet sich risikoadaptiert nach dem Basis-PSA-Wert (<1,5 ng/ml: 5 Jahre; 1,5-2,99 ng/ml: 2 Jahre; ≥3 ng/ml: Kontrolle und MRT).
- •Bei familiärer Belastung oder genetischen Mutationen (BRCA2, MSH2, MSH6) gelten intensivierte Früherkennungsintervalle.
- •Eine Testosteronsubstitution bei Hypogonadismus erhöht das Prostatakarzinom-Risiko nicht, erfordert aber einen vorherigen Karzinom-Ausschluss.
Hintergrund
Das Prostatakarzinom ist in Deutschland der häufigste bösartige Tumor des Mannes. Der wichtigste Risikofaktor für das Auftreten ist das Alter. Zudem haben Männer, deren Väter oder Brüder erkrankt sind, ein über zweifach erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens ebenfalls ein Prostatakarzinom zu entwickeln.
Prävention und Lebensstil
Männer sollen über eine gesunde Lebensweise beraten werden (Ernährung, körperliche Bewegung, psychosoziale Situation).
| Maßnahme | Bemerkung | Evidenz |
|---|---|---|
| 5-alpha-Reduktase-Hemmer | Reduzieren die Häufigkeit von Karzinomen und Präneoplasien, sind in Deutschland zur Prävention jedoch nicht zugelassen. | Statement |
| Testosteronsubstitution | Bei hypogonadalen Patienten ohne klinisch erkennbares Karzinom möglich (kein erhöhtes Risiko nachgewiesen). | Kann-Empfehlung (Grad 0) |
Wichtig: Vor Beginn einer Testosteronsubstitution soll der Patient digital-rektal untersucht und der PSA-Wert bestimmt werden (Empfehlungsgrad A).
Früherkennung und Screening
Die Empfehlungen zur Früherkennung wurden in der Version 8.1 grundlegend überarbeitet.
- Keine DRU: Zur Früherkennung von Prostatakarzinomen soll keine digital-rektale Untersuchung (DRU) mehr erfolgen (Empfehlungsgrad A).
- Aufklärung: Männer ab 45 Jahren mit einer Lebenserwartung von ≥10 Jahren sollen ergebnisoffen über Vor- und Nachteile beraten werden.
- PSA-Test: Nach der Beratung soll bei Wunsch ein PSA-Test angeboten werden.
Risikoadaptierte Früherkennungsstrategie
Entsprechend der Höhe des initialen PSA-Wertes soll eine Risikozuordnung und risikoadaptierte Strategie erfolgen (Empfehlungsgrad A):
| Basis-PSA-Wert | Risikozuordnung | Empfehlung |
|---|---|---|
| <1,5 ng/ml | Niedriges Risiko | 5-jährliche Intervalle |
| 1,5 – 2,99 ng/ml | Intermediäres Risiko | 2-jährliche Intervalle |
| ≥3 ng/ml | Hohes Risiko | Kontrolle innerhalb von 3 Monaten |
Bei einem kontrolliert erhöhten PSA-Wert ≥3 ng/ml soll eine urologische Konsultation erfolgen. Bestätigt sich das Risiko, soll eine Magnetresonanztomographie (MRT) der Prostata durchgeführt werden.
Genetische Prädisposition und familiäre Belastung
Für Männer mit erhöhtem Risiko gelten gesonderte Empfehlungen:
- Familiäre Belastung: Bei ≥1 erstgradig Verwandten soll ein PSA-basiertes Screening ab 45 Jahren angeboten werden.
- Genetische Mutationen (BRCA2, MSH2, MSH6):
- Ab 40 Jahren sollte eine Risikosprechstunde angeboten werden.
- Es sollen eine PSA-Bestimmung und eine MRT der Prostata erfolgen.
- Bei PI-RADS 3-5 in der MRT und/oder PSA ≥3 ng/ml sollte eine MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie empfohlen werden.
Vor- und Nachteile des PSA-Screenings
Die Aufklärung vor der Früherkennung muss die Vor- und Nachteile transparent darstellen:
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Vorteile | Reduktion der PCa-Sterblichkeit (ca. 3 von 1.000 sterben nicht am PCa); Reduktion von Metastasen (ca. 4 von 1.000). 9 von 10 Männern haben mit 45 Jahren einen PSA <1,5 ng/ml und benötigen 5 Jahre keinen Test. |
| Nachteile | Überdiagnose (ca. 14 Männer müssen diagnostiziert werden, um 1 Todesfall zu vermeiden); Gefahr der Übertherapie; falsch-positive Befunde (unnötige MRTs/Biopsien); Biopsie-Komplikationen (Infektionen bei 1-1,4%). |
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie in der primären Früherkennung auf die digital-rektale Untersuchung (DRU). Setzen Sie stattdessen auf eine risikoadaptierte PSA-Bestimmung mit anschließender MRT bei kontrolliert auffälligen Werten (≥3 ng/ml).