Gemeinsame Entscheidungsfindung (SDM): IQWiG HTA-Bericht
Hintergrund
Der HTA-Bericht des IQWiG (HT22-01) aus dem Jahr 2024 untersucht die Auswirkungen der gemeinsamen Entscheidungsfindung (Shared Decision Making, SDM) auf Behandlungsergebnisse. Die Bewertung basiert auf systematischen Übersichten zu verschiedenen SDM-Maßnahmen über unterschiedliche Krankheitsbilder hinweg.
SDM zielt darauf ab, die Werte und Präferenzen von Behandelten stärker in die medizinische Entscheidungsfindung zu integrieren. Dabei kommunizieren medizinisches Fachpersonal und betroffene Personen auf Augenhöhe, um die individuell passendste Therapieoption zu finden.
Aus ethischer und rechtlicher Perspektive stützt SDM die Patientenautonomie. Zudem unterstützt das Konzept die Erfüllung der Anforderungen aus dem Patientenrechtegesetz hinsichtlich der ärztlichen Aufklärungspflicht und der informierten Einwilligung.
Empfehlungen
Endpunkte und Evidenz
Der Bericht unterscheidet zwischen gesundheitsbezogenen und SDM-bezogenen Endpunkten. Die Auswirkungen verschiedener Interventionen im Vergleich zur Standardversorgung werden wie folgt bewertet:
| Intervention | Gesundheitsbezogene Endpunkte (z.B. Mortalität) | SDM-bezogene Endpunkte (z.B. Wissen, Kommunikation) |
|---|---|---|
| Entscheidungshilfen | Keine belastbare Evidenz | Vorteil (in 6 von 17 Endpunkten) |
| Decision Coaching + Evidenz | Keine belastbare Evidenz | Vorteil (nur beim Endpunkt Wissen) |
| Schulungen für Leistungserbringer | Keine belastbare Evidenz | Keine ausreichende Evidenz für Vorteile |
Gesundheitsbezogene Endpunkte
Laut Bericht gibt es derzeit keine belastbaren Aussagen darüber, ob SDM-Maßnahmen gesundheitsbezogene Endpunkte wie Mortalität oder Lebensqualität positiv oder negativ beeinflussen. Die verfügbare Evidenz wird als unzureichend und von niedriger Qualität eingestuft.
SDM-bezogene Endpunkte
Der Bericht stellt fest, dass insbesondere Entscheidungshilfen im Vergleich zur Standardversorgung deutliche Vorteile bieten. Folgende Aspekte werden durch Entscheidungshilfen nachweislich verbessert:
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Umsetzung von SDM und Einbindung in den Prozess
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Arzt-Patient-Kommunikation und Wissen über die Erkrankung
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Richtige Einschätzung von Risiken
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Übereinstimmung zwischen informierter Präferenz und Entscheidung
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Verringerung von Entscheidungskonflikten
Organisatorische und ökonomische Aspekte
Der Bericht identifiziert Zeitmangel und wirtschaftliche Fehlanreize als wesentliche Barrieren für die Umsetzung im Versorgungsalltag. Es wird dargelegt, dass SDM-Interventionen in bestimmten Indikationen kosteneffektiv oder sogar kosteneinsparend sein können.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht hebt hervor, dass der Einsatz von strukturierten Entscheidungshilfen das effektivste Mittel ist, um Entscheidungskonflikte zu reduzieren und das Wissen zu steigern. Es wird betont, dass strukturelle Barrieren wie Zeitmangel oft die Umsetzung behindern, weshalb eine Integration von SDM-Elementen in digitale Praxissysteme als sinnvoll erachtet wird.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht liegen derzeit keine aussagekräftigen Daten vor, die einen positiven oder negativen Effekt von SDM auf das Gesamtüberleben belegen. Die Studienlage zu gesundheitsbezogenen Endpunkten wird insgesamt als unzureichend eingestuft.
Der Bericht zeigt, dass strukturierte Entscheidungshilfen für Patientinnen und Patienten die am besten untersuchte Maßnahme darstellen. Sie zeigen in mehreren SDM-bezogenen Endpunkten deutliche Vorteile gegenüber der Standardversorgung.
Die gesundheitsökonomische Bewertung des Berichts legt nahe, dass Entscheidungshilfen in bestimmten Indikationen kosteneffektiv oder kosteneinsparend sein können. Eine allgemeingültige Aussage zur Kostenwirksamkeit über alle Erkrankungen hinweg ist jedoch nicht möglich.
Als wesentliche Hürden identifiziert der Bericht strukturelle Barrieren wie Zeitmangel im klinischen Alltag sowie ökonomische Fehlanreize. Zudem können defizitäre Kommunikationskompetenzen oder eine kritische Einstellung des Fachpersonals die Umsetzung erschweren.
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Quelle: IQWiG HT22-01: Behandlungsgespräche: Führt eine gemeinsame Entscheidungsfindung von Arzt und Patient bei der Therapiewahl zu besseren Ergebnissen? (IQWiG, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.