Multiple Sklerose: mHealth-Apps beim Selbstmanagement
Hintergrund
Der IQWiG HTA-Bericht HT19-03 untersucht, ob die Nutzung von mHealth-Lösungen (wie Apps) das Selbstmanagement von Menschen mit Multipler Sklerose (MS) verbessert. MS ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die mit vielfältigen körperlichen und psychischen Symptomen einhergeht.
Der chronische Verlauf und die komplexe medikamentöse Therapie führen oft zu einer großen Belastung der Betroffenen. Digitale Anwendungen treten mit dem Anspruch an, durch Symptom-Monitoring, Erinnerungsfunktionen oder verhaltenstherapeutische Ansätze im Alltag zu unterstützen.
Laut Bericht haben Betroffene hohe Erwartungen an solche Technologien, äußern jedoch gleichzeitig Skepsis bezüglich des tatsächlichen Nutzens und des Datenschutzes. Die Bewertung des Instituts basiert auf der Analyse von elf randomisiert kontrollierten Studien (RCTs).
💡Praxis-Tipp
Der Bericht weist darauf hin, dass die alleinige Nutzung von mHealth-Apps den persönlichen Kontakt zwischen Behandlungsteam und Betroffenen nicht ersetzen kann. Es wird betont, dass bei der Empfehlung von Gesundheits-Apps besonders auf Barrierefreiheit, Datenschutz und den tatsächlichen, studienbelegten Nutzen geachtet werden sollte, um eine Überfokussierung auf Krankheitssymptome zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht gibt es Anhaltspunkte für einen Nutzen bei Apps mit Erinnerungsfunktionen für Alltagstätigkeiten. Zudem zeigen kognitiv-verhaltenstherapeutische Online-Programme einen positiven Effekt auf depressive Symptome.
Die Untersuchung fand statistisch signifikante Effekte für ein webbasiertes Programm gegen Fatigue. Ein formaler Anhaltspunkt für einen spürbaren Nutzen konnte aufgrund methodischer Einschränkungen der Studien jedoch nicht abgeleitet werden.
Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) können von der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet werden, wenn sie im Verzeichnis des BfArM gelistet sind. Der Bericht nennt hier beispielhaft die Programme deprexis und elevida.
Die Untersuchung identifiziert vor allem datenschutzrechtliche Bedenken und die Gefahr einer unnötigen Fixierung auf Krankheitssymptome durch ständiges Tracking. Körperliche unerwünschte Ereignisse zeigten in den Studien keine signifikanten Unterschiede zur Kontrollgruppe.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: IQWiG HT19-03: Multiple Sklerose: Führt die Nutzung von mHealth-Lösungen (z. B. Apps) im Selbstmanagement der Betroffenen zu besseren Ergebnissen? (IQWiG, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
IQWiG HT22-02 : Generalisierte Angststörung: Helfen Apps Betroffenen bei der Bewältigung ihrer Erkrankung?
IQWiG HT22-01: Behandlungsgespräche: Führt eine gemeinsame Entscheidungsfindung von Arzt und Patient bei der Therapiewahl zu besseren Ergebnissen?
IQWiG HT20-05: Störungen der Beweglichkeit: Hilft die Feldenkrais-Methode?
IQWiG N21-01: Aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisstand zu Myalgischer Enzephalomyelitis / Chronic Fatigue Syndrom (ME/CFS)
IQWiG HT20-03: Soziale Isolation und Einsamkeit im Alter: Welche Maßnahmen können einer sozialen Isolation vorbeugen oder entgegenwirken?
IQWiG HT17-02: Krebs: Kann eine begleitende Musiktherapie zu besseren Behandlungsergebnissen beitragen?
IQWiG HT21-04: Restless-Legs-Syndrom (unruhige Beine): Lassen sich durch nicht medikamentöse Verfahren die Symptome lindern?
IQWiG HT19-02: Schmerzen bei Endometriose: Helfen anstelle von Schmerzmedikamenten auch andere Verfahren?
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen