IQWiG2022

Multiple Sklerose & mHealth-Apps: IQWiG-Bericht

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KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die mit vielfältigen physischen und psychischen Belastungen einhergeht. Ein effektives Selbstmanagement ist für Betroffene essenziell, um den Alltag mit der Erkrankung zu bewältigen.

Digitale Gesundheitsanwendungen (mHealth-Apps) treten mit dem Anspruch an, MS-Erkrankte bei diesem Selbstmanagement zu unterstützen. Sie bieten beispielsweise Erinnerungsfunktionen, Symptomtagebücher oder therapeutische Module.

Der vorliegende HTA-Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersucht die Evidenz solcher Anwendungen. Es wird evaluiert, ob die Nutzung von Apps zu messbar besseren gesundheitlichen Ergebnissen führt.

Empfehlungen

Der IQWiG-Bericht fasst die aktuelle Studienlage zum Nutzen von mHealth-Anwendungen bei Multipler Sklerose zusammen. Insgesamt wurden elf randomisiert-kontrollierte Studien ausgewertet.

App-SchwerpunktUntersuchte EndpunkteEvidenzbewertung laut Bericht
Erinnerungssysteme (Messaging)Vergessen von AlltagstätigkeitenAnhaltspunkt für einen Nutzen
Kognitive VerhaltenstherapieDepressionssymptomatikAnhaltspunkt für einen Nutzen
Fatigue-ManagementMS-assoziierte ErschöpfungSignifikante Effekte, Relevanz unklar
KognitionstrainingKognitive und körperliche FunktionenKein Anhaltspunkt für Nutzen
BewegungstherapieAktivität, körperliche FunktionenKein Anhaltspunkt für Nutzen

Nachgewiesene Nutzeneffekte

  • Laut Bericht gibt es einen Anhaltspunkt für den Nutzen von Erinnerungssystemen im Hinblick auf das Vergessen intendierter Verhaltensweisen.

  • Für kognitiv-verhaltenstherapeutische Online-Programme wird ein Anhaltspunkt für einen Nutzen bei der Linderung von Depressionssymptomen abgeleitet.

  • Bei diesen Endpunkten zeigten sich Vorteile gegenüber einer aktiven Kontrollgruppe beziehungsweise der Standardversorgung.

Einschränkungen der Evidenz

  • Der Bericht stuft das Verzerrungspotenzial aller eingeschlossenen Studien als hoch ein.

  • Für Endpunkte wie Fatigue oder psychosoziale Befindlichkeit wurden zwar teils signifikante Effekte gemessen, deren Spürbarkeit für Betroffene bleibt jedoch unklar.

  • Unerwünschte Ereignisse wurden lediglich in zwei Studien systematisch erfasst, wobei sich keine signifikanten Unterschiede zeigten.

Ethische und strukturelle Aspekte

  • Es wird betont, dass der Datenschutz und die informierte Einwilligung bei der Nutzung von MS-Apps von zentraler Bedeutung sind.

  • Der Bericht stellt fest, dass Betroffene hohe Erwartungen an die Apps haben, gleichzeitig aber skeptisch bezüglich des tatsächlichen Nutzens sind.

  • Gesundheitsökonomische Aussagen zur Kosteneffektivität lassen sich aufgrund fehlender Daten derzeit nicht treffen.

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💡Praxis-Tipp

Bei der Aufklärung über mHealth-Apps bei Multipler Sklerose sollte darauf hingewiesen werden, dass die wissenschaftliche Evidenz für einen umfassenden Nutzen derzeit noch stark limitiert ist. Laut IQWiG-Bericht beschränken sich nachweisbare Vorteile aktuell vor allem auf isolierte Funktionen wie Erinnerungssysteme oder spezifische Module zur Depressionsbehandlung.

Häufig gestellte Fragen

Der IQWiG-Bericht zeigt, dass die aktuelle Studienlage zum Nutzen von MS-Apps noch unzureichend ist. Es gibt lediglich für spezifische Teilbereiche wie Erinnerungsfunktionen und Depressionsbehandlung erste Anhaltspunkte für einen Nutzen.

Laut Bericht sind bestimmte Anwendungen wie deprexis oder elevida als Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) gelistet. Diese können ärztlich verordnet werden, woraufhin die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten übernehmen.

In Studien zeigten sich zwar statistisch signifikante Effekte durch webbasierte Programme zur Fatigue-Reduktion. Der HTA-Bericht merkt jedoch an, dass unklar bleibt, ob diese Effekte für die Betroffenen im Alltag spürbar sind.

Die Datenlage zur Sicherheit ist laut Bericht sehr begrenzt, da nur wenige Studien unerwünschte Ereignisse systematisch untersucht haben. In den vorliegenden Daten zeigten sich jedoch keine Hinweise auf einen direkten Schaden durch die Nutzung.

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Quelle: IQWiG HT19-03: Multiple Sklerose: Führt die Nutzung von mHealth-Lösungen (z. B. Apps) im Selbstmanagement der Betroffenen zu besseren Ergebnissen? (IQWiG, 2022). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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