EMDR bei Angststörungen: IQWiG-Nutzenbewertung
Hintergrund
Der HTA-Bericht des IQWiG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) aus dem Jahr 2020 untersucht den Nutzen der Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) Therapie bei Angststörungen. EMDR ist ein psychotherapeutisches Verfahren, das primär in der Traumatherapie eingesetzt wird.
Während die Methode bei der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) etabliert und eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung ist, wird sie zunehmend auch bei Angststörungen angeboten. Hierbei handelt es sich bislang um eine Selbstzahlerleistung.
Der Bericht evaluiert, ob der ergänzende Einsatz von EMDR bei Personen mit Angststörungen zu besseren klinischen Ergebnissen führt als herkömmliche Therapieverfahren oder keine Behandlung. Betrachtet wurden unter anderem Prüfungsangst, Panikstörungen und spezifische Phobien.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende zentrale Ergebnisse zur Evidenzlage:
Fehlender Nutzennachweis
Laut Bericht konnte kein Anhaltspunkt, Hinweis oder Beleg für einen Nutzen der EMDR-Anwendung bei Angststörungen identifiziert werden. Dies betrifft alle patientenrelevanten Endpunkte wie Angst, Depression, Vermeidungsverhalten und gesundheitsbezogene Lebensqualität.
Die untersuchten Indikationen umfassten unter anderem:
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Prüfungsangst und Angst vor öffentlichem Reden
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Panikstörungen
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Spezifische Phobien (Arachnophobie, Dentalphobie, Flugangst)
Methodische Mängel der Studienlage
Es wird betont, dass die 22 eingeschlossenen Studien grundlegende methodische Mängel aufweisen. Das Verzerrungspotenzial wird bei fast allen Studien als hoch eingestuft.
Folgende Kritikpunkte werden im Bericht hervorgehoben:
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Ungeeignete Vergleichsgruppen (z. B. reine Wartelisten)
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Erhebung der Endpunkte oft unmittelbar nach einer einzelnen Therapiesitzung
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Fehlende Daten zu Langzeiteffekten und Persistenz des Therapieerfolgs
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Unklare Diagnosesicherung (klinische Angststörung vs. normale Aufregung)
Gesundheitsökonomische Bewertung
Hinsichtlich der Interventionskosten sind laut Bericht bei gleicher Sitzungsanzahl keine Unterschiede zur etablierten Verhaltenstherapie zu erwarten. Studien zur generellen Kosteneffektivität konnten nicht identifiziert werden.
Kontraindikationen
Obwohl es sich um ein nicht-invasives Verfahren handelt, weist der Bericht auf potenzielle Risiken der EMDR-Therapie hin.
Es wird davor gewarnt, dass Personen mit nicht ausreichender Selbstkontrolle durch das Wiedererleben der Angstsituation eine Panikattacke erleiden könnten. Zudem besteht das Risiko einer Symptomverstärkung oder der Entstehung psychischer Krisen.
Der Bericht bemängelt, dass in keiner der eingeschlossenen Studien explizit über Schäden oder Nebenwirkungen berichtet wurde.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht weist nachdrücklich auf die Bedeutung einer fundierten Qualifikation der Behandelnden hin. Während die EMDR-Ausbildung für ärztliche und psychologische Psychotherapeuten bei PTBS streng reguliert ist, werden verwandte Methoden (wie Wingwave) oft unreguliert von Heilpraktikern nach kurzen Kursen angeboten. Es wird gewarnt, dass bei unerfahrenen Anwendern ohne hinreichende Supervision eine Gefährdung für die Behandelten entstehen kann.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ist die Nutzung von EMDR bei Angststörungen bislang keine erstattungsfähige Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Behandlung muss in diesen Fällen als Selbstzahlerleistung erbracht werden.
Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass ein Nutzen von EMDR bei spezifischen Ängsten wie Prüfungs- oder Flugangst wissenschaftlich nicht belegt ist. Die vorhandenen Studien weisen zu große methodische Mängel auf, um eine Wirksamkeit zu bestätigen.
Es wird darauf hingewiesen, dass das Wiedererleben von Angstsituationen während der Therapie zu Panikattacken oder einer Symptomverstärkung führen kann. Dies gilt laut Bericht insbesondere für Personen mit unzureichender Selbstkontrolle.
Die Therapie wird von ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten sowie von Heilpraktikern angeboten. Der Bericht warnt jedoch vor Qualitätsunterschieden, da die Ausbildung im Gegensatz zur PTBS-Behandlung bei Angststörungen und abgewandelten Methoden oft unzureichend reguliert ist.
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Quelle: IQWiG HT17-05: Angststörungen: Führt der ergänzende Einsatz der Eye Movement Desensitization and Reprocessing Therapie bei psychotherapeutischen (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.