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AWMFS32017Psychiatrie

Behandlung von Angststörungen: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Sowohl Psychotherapie (insb. KVT) als auch Pharmakotherapie (SSRI/SNRI) sind bei Angststörungen als Erstlinientherapie indiziert (Empfehlungsgrad A).
  • Die Auswahl der Therapieform soll die Präferenz des informierten Patienten berücksichtigen.
  • Benzodiazepine sollen aufgrund des Abhängigkeitsrisikos grundsätzlich nicht zur Behandlung von Angststörungen angeboten werden.
  • Zum Ausschluss somatischer Ursachen ist eine Basisdiagnostik (inkl. EKG und TSH) zwingend erforderlich.
  • Bei spezifischen Phobien ist die KVT mit Expositionstherapie das Mittel der Wahl.
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Hintergrund

Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen, werden in der Primärversorgung jedoch oft nicht erkannt, da Patienten häufiger über somatische Beschwerden (z.B. Schmerzen, Schlafstörungen) klagen. Die Leitlinie umfasst Empfehlungen für folgende Störungsbilder nach ICD-10:

DiagnoseICD-10Leitsymptome
PanikstörungF41.0Plötzliche Angstanfälle mit körperlichen Symptomen (Herzrasen, Atemnot) und Todesangst
AgoraphobieF40.0Angst vor Orten/Situationen, aus denen eine Flucht schwer möglich ist
Generalisierte AngststörungF41.1Unterschwelliger Dauerzustand von Angst, ständige Sorgen ("Meta-Sorgen"), körperliche Unruhe
Soziale PhobieF40.1Angst vor Situationen mit Aufmerksamkeit durch andere, Furcht vor negativer Bewertung
Spezifische PhobieF40.2Isolierte Angst vor umschriebenen Situationen/Objekten (z.B. Spinnen, Höhe)

Diagnostik

Zum Ausschluss organischer Ursachen (z.B. endokrine, kardiovaskuläre oder neurologische Störungen) ist eine Basisdiagnostik zwingend erforderlich:

MaßnahmeParameter/Untersuchung
Anamnese & KlinikAusführliche Fremd- und Eigenanamnese, körperliche Untersuchung
LaborBlutbild, Blutzucker, Elektrolyte (Ca++, K+), Schilddrüsenstatus (TSH)
ApparativEKG mit Rhythmusstreifen
FakultativLungenfunktion, kranielle Bildgebung (MRT/CT), EEG (je nach Verdacht)

Allgemeine Therapieprinzipien

  • Patientenpräferenz: Die Wahl zwischen Psycho- und Pharmakotherapie soll die Präferenz des aufgeklärten Patienten berücksichtigen.
  • Komorbiditäten: Bei komorbider Depression soll eine leitliniengerechte antidepressive Therapie erfolgen.
  • Suizidalität: Das Suizidrisiko muss explizit exploriert werden.
  • Benzodiazepine: Sollen aufgrund des Abhängigkeitsrisikos nicht angeboten werden (KKP-). Ausnahmen gelten nur zeitlich befristet bei strenger Indikation (z.B. schwere kardiale Erkrankungen, Suizidalität).

Panikstörung und Agoraphobie

Patienten soll eine Psychotherapie und/oder Pharmakotherapie angeboten werden (Ia/A).

  • Psychotherapie: Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) mit Expositionselementen ist Mittel der Wahl (Ia/A). Bei Nichtansprechen oder Patientenpräferenz sollte psychodynamische Psychotherapie angeboten werden (IIa/B).
  • Pharmakotherapie: SSRI oder SNRI sind Erstlinientherapie.
WirkstoffklasseMedikamentTagesdosisEmpfehlungsgrad
SSRICitalopram20–40 mgA
SSRIEscitalopram10–20 mgA
SSRIParoxetin20–50 mgA
SSRISertralin50–150 mgA
SNRIVenlafaxin75–225 mgA
TZAClomipramin75–250 mgB (bei Versagen von SSRI/SNRI)

Generalisierte Angststörung (GAS)

Auch hier gilt die gleichwertige Empfehlung für KVT und Pharmakotherapie (Ia/A).

WirkstoffklasseMedikamentTagesdosisEmpfehlungsgrad
SSRIEscitalopram10–20 mgA
SSRIParoxetin20–50 mgA
SNRIDuloxetin60–120 mgA
SNRIVenlafaxin75–225 mgA
KalziummodulatorPregabalin150–600 mgB
Trizykl. AnxiolytikumOpipramol50–300 mg0 (bei Versagen von A/B)
AzapironBuspiron15–60 mg0 (bei Versagen von A/B)

Soziale Phobie

Die KVT ist die psychotherapeutische Methode der Wahl (Ia/A). Alternativ psychodynamische Psychotherapie (Ib/B).

WirkstoffklasseMedikamentTagesdosisEmpfehlungsgrad
SSRIEscitalopram10–20 mgA
SSRIParoxetin20–50 mgA
SSRISertralin50–150 mgA
SNRIVenlafaxin75–225 mgA
RIMAMoclobemid300–600 mgKKP (bei Versagen von A/B)

Spezifische Phobie

  • Psychotherapie: KVT mit Expositionstherapie (in-vivo) soll angeboten werden (Ia/A).
  • Virtuelle Realität (VR): Wenn in-vivo nicht möglich ist (z.B. Flug-, Höhen-, Spinnenphobie), soll eine VR-Expositionstherapie angeboten werden (Ib/KKP+).
  • Pharmakotherapie: Spielt bei der spezifischen Phobie laut Leitlinie keine primäre Rolle.

💡Praxis-Tipp

Fragen Sie Patienten mit unklaren somatischen Beschwerden (z.B. Schmerzen, Schlafstörungen) aktiv nach Ängsten, da Angststörungen in der Primärversorgung oft unerkannt bleiben.

Häufig gestellte Fragen

SSRIs (Citalopram, Escitalopram, Paroxetin, Sertralin) und der SNRI Venlafaxin (Empfehlungsgrad A).
Nein, sie sollen aufgrund des Abhängigkeitsrisikos nicht angeboten werden, außer in streng begründeten Ausnahmefällen (z.B. schwere kardiale Erkrankungen, akute Suizidalität).
Körperliche Untersuchung, Blutbild, Blutzucker, Elektrolyte, TSH und ein EKG mit Rhythmusstreifen.
Pregabalin kann bei der Generalisierten Angststörung (GAS) als Pharmakotherapie angeboten werden (Empfehlungsgrad B).

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