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Angststoerungen Leitlinie: Therapie & Diagnostik (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF / DGPPN Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) und Pharmakotherapie (SSRI/SNRI) sind die primaeren Behandlungsoptionen bei Angststoerungen.
  • Die Praeferenz des informierten Patienten entscheidet ueber die Wahl zwischen Psycho- und Pharmakotherapie.
  • Benzodiazepine sollen aufgrund des Abhaengigkeitspotenzials nur in streng begruendeten Ausnahmefaellen verordnet werden.
  • Internetbasierte Interventionen koennen zur Ueberbrueckung der Wartezeit genutzt werden, jedoch nicht als alleinige Therapie.
  • Bei Nichtansprechen einer Therapieform soll die jeweils andere oder eine Kombination aus KVT und Medikation angeboten werden.
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Hintergrund

Angststoerungen gehoeren zu den haeufigsten psychischen Erkrankungen. Die S3-Leitlinie umfasst Empfehlungen fuer die Panikstoerung/Agoraphobie, die generalisierte Angststoerung (GAD), die soziale Phobie und spezifische Phobien. Die Diagnosestellung erfolgt nach ICD-10.

AngststoerungICD-10Leitsymptome
PanikstoerungF41.0Ploetzliche Angstanfaelle mit koerperlichen Symptomen (Herzrasen, Atemnot) und Todesangst.
AgoraphobieF40.0Angst vor Orten/Situationen, in denen Flucht schwer moeglich ist (Menschenmengen, enge Raeume).
Generalisierte AngststoerungF41.1Unterschwelliger Dauerzustand von Angst, staendige Sorgen, koerperliche Anspannung.
Soziale PhobieF40.1Angst vor Situationen mit negativer Bewertung durch andere (Sprechen in Oeffentlichkeit).
Spezifische PhobieF40.2Isolierte Angst vor umschriebenen Situationen/Objekten (Spinnen, Hoehe, Blut).

Diagnostik und Differenzialdiagnostik

Vor der Diagnosestellung muessen organische Ursachen ausgeschlossen werden. Zu den Basisuntersuchungen gehoeren:

  • Ausfuehrliche Anamnese und koerperliche Untersuchung
  • Blutbild, Blutzucker, Elektrolyte (Ca++, K+), TSH
  • EKG mit Rhythmusstreifen
  • Ggf. Lungenfunktion, kranielle Bildgebung (MRT, CT) oder EEG

Allgemeine Therapieprinzipien

Patienten mit Angststoerungen soll grundsaetzlich Psychotherapie und Pharmakotherapie angeboten werden (Empfehlungsgrad A). Die Wahl richtet sich nach der Praeferenz des informierten Patienten.

  • Kombinationstherapie: Bei Nichtansprechen einer Monotherapie soll die jeweils andere Form oder eine Kombination angeboten werden (KKP).
  • Internetinterventionen: KVT-basierte Online-Programme koennen zur Ueberbrueckung bis zum Therapiebeginn genutzt werden, sollen aber nicht als alleinige Massnahme dienen (KKP).
  • Benzodiazepine: Sollen aufgrund gravierender Nebenwirkungen (Abhaengigkeit) nicht angeboten werden, ausser in streng begruendeten Ausnahmefaellen (KKP).

Panikstoerung und Agoraphobie

Die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) mit Expositionselementen ist die psychotherapeutische Methode der Wahl (A).

WirkstoffklasseMedikamentTagesdosisEmpfehlungsgrad
SSRICitalopram20-40 mgA
SSRIEscitalopram10-20 mgA
SSRIParoxetin20-50 mgA
SSRISertralin50-150 mgA
SNRIVenlafaxin75-225 mgA
TZAClomipramin75-250 mgB (Zweitlinientherapie)

Generalisierte Angststoerung (GAD)

Auch hier ist die KVT die primaere psychotherapeutische Intervention (A).

WirkstoffklasseMedikamentTagesdosisEmpfehlungsgrad
SSRIEscitalopram10-20 mgA
SSRIParoxetin20-50 mgA
SNRIDuloxetin60-120 mgA
SNRIVenlafaxin75-225 mgA
KalziummodulatorPregabalin150-600 mgB
Trizyklisches AnxiolytikumOpipramol50-300 mg0 (Reserve)
AzapironBuspiron15-60 mg0 (Reserve)

Soziale Phobie

Die KVT soll als Einzel- oder Gruppentherapie angeboten werden (A).

WirkstoffklasseMedikamentTagesdosisEmpfehlungsgrad
SSRIEscitalopram10-20 mgA
SSRIParoxetin20-50 mgA
SSRISertralin50-150 mgA
SNRIVenlafaxin75-225 mgA
RIMAMoclobemid300-600 mgKKP (Reserve)

Spezifische Phobie

Die Behandlung der Wahl ist die KVT/Expositionstherapie (A). Wenn eine In-vivo-Exposition nicht moeglich ist, soll bei Spinnen-, Hoehen- oder Flugphobie eine Virtuelle-Realitaet-Expositionstherapie (VR) angeboten werden (KKP).

Medikamentoese Langzeittherapie

  • Wirkeintritt: Patienten muessen darueber aufgeklaert werden, dass die Wirkung von Antidepressiva erst nach ca. 2 Wochen (1-6 Wochen) einsetzt.
  • Erhaltungstherapie: Nach Eintreten der Remission soll die Pharmakotherapie fuer 6-12 Monate fortgefuehrt werden, um Rueckfaelle zu vermeiden.
  • Absetzen: SSRI, SNRI, TZA und Pregabalin muessen langsam ausgeschlichen werden, um Absetzphaenomene zu vermeiden.

💡Praxis-Tipp

Klaeren Sie Patienten bei der Verordnung von SSRI/SNRI unbedingt ueber den verzoegerten Wirkeintritt (1-6 Wochen) und moegliche initiale Unruhezustaende auf, um die Therapieadhaerenz zu sichern.

Häufig gestellte Fragen

SSRI (Citalopram, Escitalopram, Paroxetin, Sertralin) und der SNRI Venlafaxin werden mit Empfehlungsgrad A empfohlen.
Nein, aufgrund des hohen Abhaengigkeitspotenzials sollen sie nicht angeboten werden. Ausnahmen gelten nur fuer streng begruendete Einzelfaelle (z.B. schwere kardiale Erkrankungen, akute Suizidalitaet).
Nach Eintreten der Remission sollte die Pharmakotherapie noch mindestens 6 bis 12 Monate in der gleichen Dosierung fortgefuehrt werden.
Die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) mit Exposition (In-vivo oder Virtuelle Realitaet) wird mit Empfehlungsgrad A empfohlen.
Ja, KVT-basierte Internetinterventionen koennen zur Ueberbrueckung der Wartezeit genutzt werden, sollen aber nicht als alleinige Therapie dienen.

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