Upadacitinib bei Riesenzellarteriitis: IQWiG-Bewertung
Hintergrund
Die IQWiG-Dossierbewertung A25-66 untersucht den Zusatznutzen von Upadacitinib bei erwachsenen Personen mit Riesenzellarteriitis (RZA). Die Bewertung basiert auf den Daten des pharmazeutischen Unternehmers aus dem Jahr 2025.
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) unterscheidet zwei therapeutische Fragestellungen. Diese richten sich danach, ob für die Betroffenen eine alleinige Therapie mit Glukokortikoiden (GC) infrage kommt oder nicht.
Als Datengrundlage für die erste Fragestellung dient die randomisierte, kontrollierte Studie SELECT-GCA. Für die zweite Fragestellung wurden vom pharmazeutischen Unternehmer keine verwertbaren Daten eingereicht.
Empfehlungen
Die Bewertung formuliert folgende zentrale Ergebnisse zum Zusatznutzen:
Fragestellung 1: Eignung für Glukokortikoid-Monotherapie
Für Erwachsene mit RZA, für die eine alleinige GC-Therapie infrage kommt, wird die zweckmäßige Vergleichstherapie als systemische Glukokortikoid-Gabe definiert. Laut Bewertung ergibt sich für diese Gruppe kein belegter Zusatznutzen für Upadacitinib.
Das Institut begründet dies mit folgenden methodischen Einschränkungen der Studie SELECT-GCA:
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Die Endpunktdaten zur Remission sind nicht verwertbar, da Abweichungen vom starren GC-Ausschleichschema direkt als Non-Response gewertet wurden.
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Die Einbeziehung reiner Laborparameter (ESR, CRP) ohne klinische Symptomatik in den Remissionsendpunkt wird als nicht sachgerecht eingestuft.
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Bei Endpunkten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität und Symptomatik (z. B. SF-36, FACIT-Fatigue) liegen potenziell inadäquate Ersetzungsstrategien vor.
Zudem zeigten sich bei der Gesamtmortalität sowie bei unerwünschten Ereignissen (schwere Infektionen, Therapieabbrüche) keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen Upadacitinib und Placebo.
Fragestellung 2: Keine Eignung für Glukokortikoid-Monotherapie
Für Personen mit RZA, bei denen eine alleinige GC-Therapie nicht infrage kommt (z. B. bei Rezidiven oder GC-Unverträglichkeit), gilt GC in Kombination mit Tocilizumab als Vergleichstherapie.
Da der pharmazeutische Unternehmer hierzu keine Daten vorgelegt hat, ist ein Zusatznutzen nicht belegt.
Unsicherheiten in der Studienpopulation
Das IQWiG weist auf Unklarheiten bei der Zuordnung der Studienpopulation hin. In der vorgelegten Teilpopulation wiesen 29 bis 36 Prozent der Teilnehmenden Komorbiditäten wie Diabetes mellitus oder Osteoporose auf.
Gemäß Leitlinien der DGRh und EULAR gehen diese Begleiterkrankungen mit einem erhöhten Risiko für GC-induzierte Nebenwirkungen einher. Es bleibt laut Bericht unklar, ob für diese Gruppe eine alleinige GC-Therapie tatsächlich medizinisch angemessen war.
Dosierung
Die Studie SELECT-GCA untersuchte folgendes Behandlungsschema im direkten Vergleich:
| Behandlungsarm | Medikation | Glukokortikoid-Ausschleichschema |
|---|---|---|
| Intervention | Upadacitinib 15 mg (1-mal täglich oral) + GC | Schrittweises Ausschleichen bis Woche 26 |
| Vergleich | Placebo (1-mal täglich oral) + GC | Schrittweises Ausschleichen bis Woche 52 |
Die Startdosis der Glukokortikoide (Prednison/Prednisolon) lag in beiden Armen zwischen 20 und 60 mg pro Tag. Eine Dosis von 7,5 mg Upadacitinib wurde ebenfalls untersucht, ist jedoch nicht zulassungskonform und daher für die Bewertung irrelevant.
Kontraindikationen
In der zulassungsrelevanten Studie waren folgende Vor- und Begleitbehandlungen ausgeschlossen:
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Januskinase (JAK)-Inhibitoren
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Interleukin-6-Inhibitoren (innerhalb von 4 Wochen vor Studienbeginn)
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Starke CYP3A-Inhibitoren oder -Induktoren
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Lebendimpfstoffe (4 Wochen vor bis 4 Wochen nach der Studienmedikation)
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Systemische GC-Therapie über einen Zeitraum von mehr als 4 Jahren vor Studienbeginn
💡Praxis-Tipp
Bei der Interpretation von Remissionsraten in klinischen Studien zu Riesenzellarteriitis wird eine kritische Prüfung der Endpunktdefinition empfohlen. Das IQWiG weist darauf hin, dass starre Glukokortikoid-Ausschleichschemata den klinischen Alltag oft nicht abbilden und notwendige Dosisanpassungen fälschlicherweise als Therapieversagen gewertet werden können. Zudem wird betont, dass bei Vorliegen von Komorbiditäten wie Diabetes oder Osteoporose eine Glukokortikoid-Monotherapie möglicherweise nicht die angemessene Standardversorgung darstellt.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Dossierbewertung ist ein Zusatznutzen von Upadacitinib im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie aktuell nicht belegt. Dies betrifft sowohl Personen, die für eine Glukokortikoid-Monotherapie geeignet sind, als auch solche, für die dies nicht zutrifft.
In der relevanten Studie SELECT-GCA wurde Upadacitinib in einer Dosierung von 15 mg einmal täglich oral in Kombination mit Glukokortikoiden geprüft. Ein weiterer Studienarm mit 7,5 mg ist nicht von der Zulassung umfasst.
Die Bewertung kritisiert, dass jede Abweichung von einem starren Glukokortikoid-Ausschleichschema als Non-Response gewertet wurde. Zudem wurde die Einbeziehung reiner Laborparameter wie CRP und ESR ohne klinische Symptomatik als nicht patientenrelevant eingestuft.
Für diese Patientengruppe definiert der G-BA eine Kombination aus Glukokortikoiden und Tocilizumab als zweckmäßige Vergleichstherapie. Für diesen Vergleich wurden im Rahmen der Bewertung keine Daten eingereicht.
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Quelle: IQWiG A25-66: Upadacitinib (Riesenzellarteriitis) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.