Melphalanflufenamid bei multiplem Myelom: IQWiG-Bewertung
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des IQWiG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) aus dem Jahr 2023 bewertet den Zusatznutzen von Melphalanflufenamid in Kombination mit Dexamethason.
Das Anwendungsgebiet umfasst erwachsene Personen mit multiplem Myelom, die zuvor mindestens drei Therapielinien erhalten haben. Die Erkrankung muss gegenüber mindestens einem Proteasom-Inhibitor, einem immunmodulatorischen Mittel und einem monoklonalen CD38-Antikörper refraktär sein.
Zudem muss ein Fortschreiten der Erkrankung während oder nach der letzten Therapie vorliegen. Bei einer vorangegangenen autologen Stammzelltransplantation wird eine Zeit bis zur Progression von mindestens drei Jahren vorausgesetzt.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht formuliert folgende zentrale Ergebnisse zur Nutzenbewertung:
Zweckmäßige Vergleichstherapie
Als Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) eine patientenindividuelle Therapie festgelegt. Diese erfolgt unter Auswahl von:
-
Elotuzumab plus Pomalidomid plus Dexamethason
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Isatuximab plus Pomalidomid plus Dexamethason
-
Pomalidomid plus Dexamethason
-
Carmustin (in Kombination mit anderen Zytostatika und Prednison)
Die Auswahl soll unter Berücksichtigung der Vortherapien sowie der Ausprägung und Dauer des Ansprechens erfolgen.
Bewertung der Studiendaten
Der pharmazeutische Unternehmer reichte Daten aus der OCEAN-Studie sowie der HORIZON-Studie ein. Laut Bericht sind diese Daten jedoch nicht für die Nutzenbewertung geeignet.
In der OCEAN-Studie wurde die zweckmäßige Vergleichstherapie nicht umgesetzt, da alle Personen im Kontrollarm einheitlich Pomalidomid plus Dexamethason erhielten. Eine patientenindividuelle Auswahl fand nicht statt.
Fazit zum Zusatznutzen
Da keine geeigneten Daten für einen direkten Vergleich vorliegen, ergibt sich kein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen. Der Zusatznutzen von Melphalanflufenamid in Kombination mit Dexamethason gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie gilt somit als nicht belegt.
Dosierung
Der Bericht zitiert die in der OCEAN-Studie und der Fachinformation verwendeten Dosierungen. Es wird darauf hingewiesen, dass die Dosierung in der Studie teilweise von den Vorgaben der Fachinformation abwich.
Dosierungsschema (gemäß Fachinformation und Studienprotokoll)
| Medikament | Standarddosis | Dosisanpassung / Besonderheiten |
|---|---|---|
| Melphalanflufenamid | 40 mg i.v. (Tag 1 im Zyklus) | Reduktion auf 30 mg bei Körpergewicht bis 60 kg oder eGFR 30-45 ml/min. Weitere Reduktionsschritte bei Toxizität: 20 mg, 15 mg. |
| Dexamethason | 40 mg oral (Tag 1, 8, 15, 22) | Reduktion auf 20 mg bei Personen ab 75 Jahren. |
| Pomalidomid (Vergleichsarm) | 4 mg oral (Tag 1-21 im Zyklus) | Reduktionsschritte bei Toxizität: 3 mg, 2 mg, 1 mg. |
Kontraindikationen
Der Bericht listet folgende Ausschlusskriterien für die Teilnahme an der bewerteten OCEAN-Studie auf:
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Vorherige Behandlung mit Pomalidomid
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Lebenserwartung unter 6 Monaten oder ECOG-Status über 2
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Vorherige allogene Stammzelltransplantation mit aktiver Graft-versus-Host-Erkrankung
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Periphere Stammzelltransplantation innerhalb von 12 Wochen vor Therapiebeginn
💡Praxis-Tipp
Der Bericht weist darauf hin, dass bei der Verordnung von Melphalanflufenamid zwingend auf das Körpergewicht und die Nierenfunktion geachtet werden muss. Bei einem Körpergewicht bis 60 kg oder einer eGFR von 30 bis 45 ml/min/1,73 m² ist laut Fachinformation eine reduzierte Anfangsdosis von 30 mg vorgesehen, was in klinischen Studien teilweise unzureichend abgebildet wurde.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. Dies liegt daran, dass keine geeigneten Vergleichsstudien vorgelegt wurden.
Der G-BA legt eine patientenindividuelle Therapie fest. Diese umfasst Optionen wie Pomalidomid-basierte Kombinationen (mit Elotuzumab oder Isatuximab) oder Carmustin.
In der Studie wurde der Kontrollgruppe pauschal Pomalidomid plus Dexamethason verabreicht. Dies entspricht laut Bericht nicht der geforderten patientenindividuellen Vergleichstherapie.
Die Standarddosis beträgt 40 mg intravenös an Tag 1 eines jeden Zyklus. Bei geringem Körpergewicht oder Nierenfunktionsstörungen wird eine reduzierte Anfangsdosis empfohlen.
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Quelle: IQWiG A22-104: Melphalanflufenamid (multiples Myelom) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.