Enzalutamid bei mHSPC: IQWiG-Nutzenbewertung
Hintergrund
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beauftragte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mit einem Addendum zur Nutzenbewertung von Enzalutamid. Es geht um die Behandlung von erwachsenen Männern mit metastasiertem hormonsensitivem Prostatakarzinom (mHSPC).
Bewertet wird die Kombination von Enzalutamid mit einer Androgendeprivationstherapie (ADT). Im Rahmen des Stellungnahmeverfahrens wurden neue Daten aus dem finalen Datenschnitt der ARCHES-Studie eingereicht.
Diese Daten wurden für einen adjustierten indirekten Vergleich mit der Kombination aus Docetaxel, Prednisolon und ADT herangezogen. Ziel war die erneute Bewertung von Gesamtüberleben, Nebenwirkungen und skelettalen Ereignissen.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht formuliert basierend auf den nachgereichten Daten folgende zentrale Bewertungsergebnisse:
Gesamtüberleben und Verzerrungspotenzial
Laut Bewertung wird das Verzerrungspotenzial für das Gesamtüberleben in der ARCHES-Studie als hoch eingestuft. Grund hierfür ist ein relevanter Therapiewechsel (Treatment Switching) von 28,8 % der Placebo-Patienten zu Enzalutamid nach der Entblindung.
Daher ist ein adjustierter indirekter Vergleich mit der STAMPEDE-Studie nicht ausreichend ergebnissicher. Es ergibt sich kein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen bezüglich des Gesamtüberlebens.
Bewertung der Endpunkte
Der Bericht fasst die Ergebnisse des indirekten Vergleichs (Enzalutamid + ADT vs. Docetaxel + Prednisolon + ADT) wie folgt zusammen:
| Endpunkt | Verzerrungspotenzial | Ergebnis zum Zusatznutzen / Schaden |
|---|---|---|
| Gesamtüberleben | Hoch | Zusatznutzen nicht belegt |
| Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUEs) | Hoch | Anhaltspunkt für geringeren Schaden |
| Schwere unerwünschte Ereignisse (CTCAE ≥ 3) | Hoch | Höherer/geringerer Schaden nicht belegt |
| Symptomatische skelettale Ereignisse | Nicht bewertet | Kein Vergleich mangels Studienähnlichkeit möglich |
Fazit zum Zusatznutzen
Die nachgereichten Daten ändern die ursprüngliche Aussage der Dossierbewertung nicht. Das IQWiG sieht für Patienten in gutem Allgemeinzustand (ECOG 0-1):
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Einen Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen für Enzalutamid plus ADT.
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Dies gilt im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie (Docetaxel oder Abirateronacetat, jeweils plus Prednison/Prednisolon und ADT).
💡Praxis-Tipp
Es wird im Bericht darauf hingewiesen, dass die Aussagen zum Zusatznutzen primär für Patienten in einem guten Allgemeinzustand (ECOG- oder WHO-Performance-Status 0 bis 1) gelten. Zudem schlossen die zugrundeliegenden Studien Patienten mit Hirnmetastasen aus, weshalb eine Übertragbarkeit der Ergebnisse auf diese Patientengruppe unklar bleibt.
Häufig gestellte Fragen
Das IQWiG sieht einen Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen von Enzalutamid in Kombination mit einer ADT. Dies gilt für Patienten in einem guten Allgemeinzustand.
In der ARCHES-Studie wechselten nach der Entblindung fast 30 Prozent der Patienten aus dem Placebo-Arm zu Enzalutamid. Dieses Treatment Switching führt laut IQWiG zu einem hohen Verzerrungspotenzial, das einen sicheren indirekten Vergleich verhindert.
Der Bericht leitet einen Anhaltspunkt für einen geringeren Schaden bei den schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (SUEs) ab. Für schwere unerwünschte Ereignisse ab CTCAE-Grad 3 ist ein Unterschied jedoch nicht belegt.
Als Vergleichstherapie diente eine konventionelle ADT in Kombination mit Docetaxel (mit oder ohne Prednisolon). Alternativ wurde bei Hochrisiko-Patienten auch Abirateronacetat plus Prednisolon und ADT herangezogen.
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Quelle: IQWiG A21-132: Enzalutamid (Prostatakarzinom) - Addendum zum Auftrag A21-77 (IQWiG, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.