Perampanel bei Kindern (fokale Anfälle): IQWiG-Bewertung
Hintergrund
Der Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bewertet den Zusatznutzen von Perampanel. Der Wirkstoff wird als Zusatztherapie bei Kindern im Alter von 4 bis unter 12 Jahren mit Epilepsie und fokalen Anfällen eingesetzt.
Die Bewertung erfolgt im Vergleich zu einer zweckmäßigen Vergleichstherapie, die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) festgelegt wurde. Diese umfasst eine patientenindividuelle antiepileptische Zusatztherapie unter Berücksichtigung verschiedener etablierter Wirkstoffe.
Ziel der medikamentösen Behandlung ist laut Bericht neben der Anfallsfreiheit auch eine unbeeinträchtigte Entwicklung des Kindes. Zudem wird eine Therapie mit möglichst geringen Nebenwirkungen angestrebt.
Empfehlungen
Die IQWiG-Nutzenbewertung kommt zu folgenden zentralen Ergebnissen:
Bewertung des Zusatznutzens
Laut IQWiG ist ein Zusatznutzen von Perampanel gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. Es liegen keine geeigneten vergleichenden Daten vor, um einen Vorteil für die Patientengruppe abzuleiten.
Der pharmazeutische Unternehmer reichte für die Bewertung lediglich zwei einarmige Studien (E2007-G000-311 und E2007-G000-232) ein. Ein direkter oder adjustierter indirekter Vergleich mit der zweckmäßigen Vergleichstherapie fehlt.
Kritik an der Studienmethodik
Das IQWiG bemängelt mehrere methodische Schwächen der vorgelegten Studien:
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Es fand kein Vergleich mit der vom G-BA festgelegten zweckmäßigen Vergleichstherapie statt.
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In der Baselinephase der Studien waren keine patientenindividuellen Anpassungen der bisherigen antiepileptischen Therapie erlaubt.
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In der Studie E2007-G000-232 war die Erhaltungsphase mit vier Wochen deutlich zu kurz (gefordert werden mindestens 12 Wochen).
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Die Titration und Dosierung in den Studien entsprachen teilweise nicht den Vorgaben der Fachinformation.
Zweckmäßige Vergleichstherapie
Als Vergleichstherapie wird eine patientenindividuelle antiepileptische Zusatztherapie herangezogen. Diese umfasst laut G-BA folgende Wirkstoffe, sofern keine Kontraindikationen oder Pharmakoresistenzen vorliegen:
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Brivaracetam, Eslicarbazepin, Gabapentin oder Lacosamid
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Lamotrigin, Levetiracetam, Oxcarbazepin oder Topiramat
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Valproinsäure oder Zonisamid
Dosierung
Der IQWiG-Bericht kritisiert Abweichungen der Studiendosierungen von den Vorgaben der Fachinformation. Die folgende Tabelle fasst die im Text genannten Diskrepanzen zusammen:
| Kriterium | Vorgabe laut Fachinformation | Umsetzung in Studie E2007-G000-311 | Umsetzung in Studie E2007-G000-232 |
|---|---|---|---|
| Dosisanpassung | Gewichtsadaptiert nach festen Stufen | Nicht gewichtsadaptiert umgesetzt | Pro kg Körpergewicht berechnet |
| Startdosis | 1 mg/Tag (bzw. 2 mg ab 30 kg) | 2 mg/Tag (4 mg bei Enzyminduktoren) | 0,015 mg/kg (deutlich unter Vorgabe) |
| Titrationsintervall | Anpassung über zeitlichen Abstand | Wöchentliche Schritte | Wöchentliche Schritte ohne Berücksichtigung |
| Höchstdosis | Maximal 12 mg/Tag | Überschritten (bis zu 16 mg/Tag) | Maximal 12 mg/Tag |
Kontraindikationen
Der Bericht weist darauf hin, dass Valproinsäure bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 4 bis 11 Jahren aufgrund von potenziell auftretenden Leberschäden und Teratogenität nicht regelhaft für die Zusatzbehandlung primär generalisierter tonisch-klonischer Anfälle infrage kommt. Im Rahmen einer patientenindividuellen Therapie kann sie jedoch eine Option darstellen.
💡Praxis-Tipp
Der IQWiG-Bericht verdeutlicht, dass einarmige Zulassungsstudien ohne direkten Komparator in der Regel nicht ausreichen, um einen Zusatznutzen in der frühen Nutzenbewertung zu belegen. Zudem wird betont, dass bei klinischen Studien zu Epilepsie eine Erhaltungsphase von mindestens 12 Wochen vorausgesetzt wird, um belastbare Aussagen zur Wirksamkeit treffen zu können.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen von Perampanel bei Kindern im Alter von 4 bis unter 12 Jahren mit fokalen Anfällen nicht belegt. Es fehlen geeignete vergleichende Daten gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie.
Der G-BA legt eine patientenindividuelle antiepileptische Zusatztherapie als Vergleichstherapie fest. Diese umfasst Wirkstoffe wie Levetiracetam, Lamotrigin, Brivaracetam oder Topiramat, abhängig von der individuellen Verträglichkeit.
Die Studien wurden kritisiert, da sie einarmig durchgeführt wurden und keinen Vergleich zur Standardtherapie zuließen. Zudem entsprachen die Dosierungsschemata und die Dauer der Erhaltungsphase nicht den methodischen Anforderungen.
Gemäß den Leitlinien der EMA und den Anforderungen des IQWiG wird für die Nutzenbewertung bei Epilepsie eine Mindestdauer der Erhaltungsphase von 12 Wochen vorausgesetzt.
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Quelle: IQWiG A20-117: Perampanel (fokale Anfälle) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.