Cabozantinib bei Leberzellkarzinom: IQWiG-Nutzenbewertung
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A18-85 bewertet den Zusatznutzen von Cabozantinib bei erwachsenen Personen mit hepatozellulärem Karzinom (HCC). Die Bewertung bezieht sich spezifisch auf die Situation nach einer Vortherapie mit Sorafenib.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) Best supportive Care (BSC) festgelegt. Die Datengrundlage der Bewertung bildet die randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie CELESTIAL.
In diese Studie wurden ausschließlich Erkrankte mit leicht eingeschränkter Leberfunktion (Child-Pugh-Stadium A) und einem guten Allgemeinzustand (ECOG-PS 0 oder 1) eingeschlossen. Ein kurativer Therapieansatz durfte für diese Gruppe nicht mehr infrage kommen.
Empfehlungen
Die Nutzenbewertung des IQWiG formuliert basierend auf der CELESTIAL-Studie folgende zentrale Ergebnisse:
Gesamtüberleben und Lebensqualität
Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich ein statistisch signifikanter Vorteil für die Behandlung mit Cabozantinib plus BSC. Daraus wird ein Hinweis auf einen Zusatznutzen abgeleitet.
Bezüglich des Gesundheitszustandes (gemessen über die visuelle Analogskala des EQ-5D) zeigt sich ein Nachteil für den Wirkstoff. Da die Relevanz dieses Effekts jedoch nicht eindeutig belegt ist, ergibt sich hieraus kein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen.
Unerwünschte Ereignisse (Nebenwirkungen)
Dem Überlebensvorteil stehen laut Bericht mehrere negative Effekte im Bereich der Nebenwirkungen gegenüber. Es zeigt sich ein Hinweis auf einen höheren Schaden bei den Studienabbrüchen wegen unerwünschter Ereignisse.
Zudem gibt es Anhaltspunkte für einen höheren Schaden bei schwerwiegenden und schweren unerwünschten Ereignissen (CTCAE-Grad ≥ 3), insbesondere bei:
-
Erkrankungen des Nervensystems
-
Vermindertem Appetit und Diarrhö
-
Fatigue und Hypertonie
-
Palmar-plantarem Erythrodysästhesiesyndrom
Gesamtaussage zum Zusatznutzen
In der Gesamtschau stellt der Bericht fest, dass die negativen Effekte bei den Nebenwirkungen den Überlebensvorteil nicht gänzlich infrage stellen. Sie führen jedoch zu einer Herabstufung des Ausmaßes.
Zusammenfassend ergibt sich für die untersuchte Gruppe ein Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen von Cabozantinib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie BSC.
Dosierung
Der Bericht zitiert folgende Dosierungsvorgaben für die Anwendung im Rahmen der Zulassungsstudie:
| Medikament | Standarddosis | Einnahmehinweis |
|---|---|---|
| Cabozantinib | 60 mg 1-mal täglich (oral) | Mindestens 2 Stunden vor und 1 Stunde nach Einnahme nüchtern bleiben |
Bei inakzeptabler Toxizität wird ein stufenweises Vorgehen zur Dosisreduktion beschrieben:
| Reduktionsstufe | Dosisanpassung | Konsequenz bei Intoleranz |
|---|---|---|
| 1. Dosisreduktion | Von 60 mg auf 40 mg | Weitere Reduktion |
| 2. Dosisreduktion | Von 40 mg auf 20 mg | Therapieabbruch, falls 20 mg nicht toleriert werden |
Ein Therapieabbruch erfolgte in der Studie auch bei Dosisunterbrechungen von mehr als 6 Wochen.
Kontraindikationen
Der Bericht weist darauf hin, dass bestimmte Personengruppen von der zugrundeliegenden CELESTIAL-Studie ausgeschlossen waren. Es bleibt unklar, ob die beobachteten Effekte auf Personen im Child-Pugh-Stadium B oder mit einem ECOG-PS > 1 übertragen werden können.
Zudem waren Personen mit fibrolamellärem Karzinom oder gemischtem hepatozellulärem Cholangiokarzinom von der Teilnahme ausgeschlossen.
💡Praxis-Tipp
Laut IQWiG-Bericht traten unter der Therapie mit Cabozantinib signifikant häufiger schwere unerwünschte Ereignisse wie Diarrhö, Hypertonie und das palmar-plantare Erythrodysästhesiesyndrom auf. Es wird beschrieben, dass das Management dieser Toxizitäten ein strukturiertes Vorgehen mit Dosisreduktionen bis hin zum Therapieabbruch erfordert. Zudem ist die strikte Nüchternheit rund um die Einnahme (2 Stunden davor, 1 Stunde danach) ein relevanter Faktor für die Aufklärung.
Häufig gestellte Fragen
Das IQWiG sieht einen Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen im Vergleich zu Best supportive Care. Dies gilt für Personen, die zuvor bereits mit Sorafenib behandelt wurden.
In die Zulassungsstudie wurden ausschließlich Erkrankte mit einer leicht eingeschränkten Leberfunktion im Child-Pugh-Stadium A eingeschlossen. Die Übertragbarkeit auf das Stadium B ist laut Bericht unklar.
Die Standarddosierung in der Studie betrug 60 mg einmal täglich oral. Bei Toxizität erfolgte eine schrittweise Reduktion auf 40 mg und anschließend auf 20 mg.
Die Auswertung zeigt vermehrte schwere Ereignisse (CTCAE-Grad ≥ 3) wie Diarrhö, Fatigue, Hypertonie und Hand-Fuß-Syndrom. Auch verminderter Appetit und Erkrankungen des Nervensystems traten signifikant häufiger auf.
Der Bericht zitiert die Vorgabe, dass mindestens zwei Stunden vor und eine Stunde nach der Einnahme keine Nahrung aufgenommen werden darf. Die Einnahme muss demnach nüchtern erfolgen.
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Quelle: IQWiG A18-85: Cabozantinib (Leberzellkarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.