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Pertuzumab bei Mammakarzinom: IQWiG-Nutzenbewertung

Diese Leitlinie stammt aus 2018 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2018)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der IQWiG-Bericht A18-41 bewertet den Zusatznutzen von Pertuzumab zur adjuvanten Behandlung des humanen epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor-2(HER2)-positiven frühen Brustkrebses. Die Zielgruppe umfasst erwachsene Personen mit hohem Rezidivrisiko, definiert als nodalpositive oder hormonrezeptornegative Erkrankung.

Pertuzumab wird in diesem Setting ausschließlich in Kombination mit Trastuzumab und einer Chemotherapie verabreicht. Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss ein Schema aus Trastuzumab, einem Taxan und gegebenenfalls einem Anthrazyklin festgelegt.

Die Bewertung basiert maßgeblich auf den Daten der randomisierten, doppelblinden APHINITY-Studie. In dieser erhielten die Teilnehmenden über 52 Wochen entweder Pertuzumab oder Placebo, jeweils in Kombination mit Trastuzumab und einer Chemotherapie.

Empfehlungen

Die Bewertung des IQWiG kommt zu folgenden zentralen Ergebnissen bezüglich des Zusatznutzens:

Gesamtaussage zum Zusatznutzen

Der Bericht differenziert den Zusatznutzen stark nach dem Alter der Behandelten:

  • Für Personen unter 65 Jahren ist ein Zusatznutzen von Pertuzumab nicht belegt, da die negativen Effekte während der Behandlungsphase die positiven Effekte aufwiegen.

  • Für Personen ab 65 Jahren ergibt sich ein Anhaltspunkt für einen geringeren Nutzen, da hier stärkere Belastungen durch die Therapie auftreten.

Morbidität und Überleben

Bezüglich der Wirksamkeit zeigt die Auswertung folgende Effekte:

  • Für das Gesamtüberleben ist ein Zusatznutzen nicht belegt, da sich kein statistisch signifikanter Unterschied zeigte.

  • Für den Endpunkt Rezidive ergibt sich ein Hinweis auf einen Zusatznutzen aufgrund signifikant seltenerer Ereignisse unter Pertuzumab.

Lebensqualität und Symptomatik

Laut Bewertung zeigen sich in der Pertuzumab-Gruppe vermehrt negative Effekte auf die Lebensqualität und Symptomatik. Es liegen Anhaltspunkte für einen geringeren Nutzen bei Fatigue, Diarrhö und Symptomen im Brustbereich vor.

Bei Personen ab 65 Jahren zeigen sich zudem stärkere Belastungen durch Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit. Für diese Altersgruppe wird auch eine stärkere Einschränkung der körperlichen Funktion beschrieben.

Dosierung

Die in der APHINITY-Studie angewendeten Dosierungen für die anti-HER2-Therapie stellen sich wie folgt dar:

WirkstoffZyklus 1 (Initialdosis)Zyklus 2 bis maximal 18 (Erhaltungsdosis)Applikation
Pertuzumab840 mg420 mg alle 3 Wocheni.v.
Trastuzumab8 mg/kg Körpergewicht6 mg/kg Körpergewicht alle 3 Wocheni.v.

Die anti-HER2-Behandlung beginnt gleichzeitig mit der taxanhaltigen Chemotherapie und nach Abschluss einer etwaigen Anthrazyklinbehandlung. Die Gesamtdauer der anti-HER2-Behandlung beträgt 52 Wochen.

Kontraindikationen

Der Bericht weist auf ein erhöhtes Risiko für bestimmte schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE) unter der Kombinationstherapie mit Pertuzumab hin:

  • Es zeigt sich ein Hinweis auf einen höheren Schaden durch schwerwiegende Herzinsuffizienz.

  • Ebenso liegt ein Hinweis auf einen höheren Schaden durch schwerwiegende Diarrhö vor.

  • Zudem treten schwerwiegende Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen unter Pertuzumab signifikant häufiger auf.

Die Durchführung eines Anthrazyklin-haltigen Therapieprotokolls ist unter Berücksichtigung der kardiovaskulären Risiken abzuwägen. Trastuzumab soll dabei laut Vorgabe nicht in Kombination mit Anthrazyklinen angewendet werden, sondern sequenziell.

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💡Praxis-Tipp

Der IQWiG-Bericht betont die Notwendigkeit einer engmaschigen Überwachung der kardialen Funktionen, da unter der Pertuzumab-Kombination ein Hinweis auf vermehrte schwerwiegende Herzinsuffizienzen vorliegt. Bei Personen ab 65 Jahren wird eine besonders kritische Nutzen-Risiko-Abwägung nahegelegt, da in dieser Altersgruppe die therapiebedingten Belastungen und Nebenwirkungen den potenziellen Nutzen deutlich überwiegen.

Häufig gestellte Fragen

Laut IQWiG-Bewertung ist für Personen unter 65 Jahren ein Zusatznutzen nicht belegt. Für Personen ab 65 Jahren wird sogar ein geringerer Nutzen im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie festgestellt, da die Nebenwirkungen überwiegen.

In der zugrundeliegenden APHINITY-Studie erfolgte die anti-HER2-Behandlung mit Pertuzumab und Trastuzumab über einen Zeitraum von 52 Wochen. Dies entspricht maximal 18 Therapiezyklen.

Der Bericht zeigt einen höheren Schaden durch Pertuzumab insbesondere bei schwerwiegender Herzinsuffizienz, schwerwiegenden Diarrhöen sowie Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen. Auch Fatigue und Symptome im Brustbereich wurden häufiger beobachtet.

Ein Zusatznutzen bezüglich des Gesamtüberlebens ist laut der Bewertung nicht belegt. Es zeigte sich in der Studie kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen für diesen Endpunkt.

Die Initialdosis im ersten Zyklus beträgt 840 mg intravenös. Ab dem zweiten Zyklus wird eine Erhaltungsdosis von 420 mg alle drei Wochen verabreicht.

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Quelle: IQWiG A18-41: Pertuzumab (Mammakarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2018). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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