IQWiG2016Kardiologie

Ticagrelor nach Myokardinfarkt: IQWiG-Nutzenbewertung

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KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2016)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der IQWiG-Bericht A16-15 bewertet den Zusatznutzen von Ticagrelor in Kombination mit Acetylsalicylsäure (ASS). Die Bewertung bezieht sich auf die Prävention atherothrombotischer Ereignisse nach einem Myokardinfarkt.

Die Zielgruppe umfasst erwachsene Personen, deren Infarkt ein bis drei Jahre zurückliegt. Zudem muss ein hohes Risiko für weitere Ereignisse vorliegen.

Als Risikofaktoren gelten unter anderem ein Alter ab 65 Jahren, medikationsbedürftiger Diabetes mellitus oder eine Mehrgefäß-Koronare-Herzkrankheit (KHK). Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss eine ASS-Monotherapie festgelegt.

Empfehlungen

Der Bericht leitet aus der Zulassungsstudie PEGASUS-TIMI 54 folgende Ergebnisse zum Zusatznutzen ab:

Gesamtaussage zum Zusatznutzen

Zusammenfassend wird ein Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen für die Kombinationstherapie gegenüber der ASS-Monotherapie festgestellt.

Den positiven Effekten bei Mortalität und Morbidität stehen laut Auswertung negative Effekte bei den Nebenwirkungen gegenüber.

Positive Effekte (Mortalität und Morbidität)

Laut Bewertung zeigen sich folgende Vorteile für die Kombinationstherapie:

  • Gesamtmortalität: Es ergibt sich ein Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen.

  • Myokardinfarkt: Für tödliche und nicht tödliche Infarkte liegt ein Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen vor.

  • Schlaganfall: Bei Personen unter 65 Jahren zeigt sich ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen. Für ältere Personen ist ein Zusatznutzen nicht belegt.

Negative Effekte (Nebenwirkungen)

Die Auswertung zeigt auch Risiken der Kombinationstherapie auf:

  • Schwere Blutungen: Es liegt ein Hinweis auf einen höheren Schaden vor. Das Ausmaß variiert je nach Vorliegen einer Mehrgefäß-KHK.

  • Dyspnoe: Für Atemnot ergibt sich ein Beleg für einen höheren Schaden (Ausmaß beträchtlich).

  • Therapieabbrüche: Wegen unerwünschter Ereignisse (inklusive Blutungen) zeigt sich ein Hinweis auf einen höheren Schaden.

Dosierung

Die bewertete Intervention in der Zulassungsstudie umfasste folgendes Dosierungsschema als Basis für die Nutzenbewertung:

WirkstoffDosierungHäufigkeit
Ticagrelor60 mg2-mal täglich
Acetylsalicylsäure (ASS)75-150 mg1-mal täglich

Kontraindikationen

Gemäß den Studienkriterien der Nutzenbewertung waren folgende Begleitmedikationen nicht erlaubt:

  • Geplante Einnahme von ADP-Rezeptorinhibitoren (Clopidogrel, Ticlopidin, Prasugrel)

  • Starke CYP3A-Inhibitoren oder -Induktoren

  • Orale Antikoagulanzien und Fibrinolytika

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💡Praxis-Tipp

Bei der Verordnung der Kombinationstherapie wird ein sorgfältiges Abwägen zwischen dem kardiovaskulären Nutzen und dem erhöhten Blutungsrisiko empfohlen. Zudem ist auf das gehäufte Auftreten von Dyspnoe zu achten, welches in der Bewertung als Beleg für einen höheren Schaden eingestuft wird.

Häufig gestellte Fragen

Die Bewertung bezieht sich auf Personen, deren Myokardinfarkt ein bis drei Jahre zurückliegt. Zusätzlich muss ein hohes Risiko für atherothrombotische Ereignisse bestehen, beispielsweise durch Diabetes oder eine Mehrgefäß-KHK.

Das IQWiG stellt insgesamt einen Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen fest. Es zeigen sich Vorteile bei der Gesamtmortalität und der Verhinderung weiterer Infarkte.

Laut Bericht kommt es unter der Kombinationstherapie vermehrt zu schweren Blutungen. Außerdem wird ein beträchtlich höherer Schaden durch das Auftreten von Dyspnoe beschrieben.

Bei der Prävention von Schlaganfällen zeigt die Auswertung einen Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen bei Personen unter 65 Jahren. Für Personen ab 65 Jahren ist in diesem Endpunkt kein Zusatznutzen belegt.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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