Ticagrelor nach Myokardinfarkt: IQWiG-Nutzenbewertung
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A16-15 bewertet den Zusatznutzen von Ticagrelor in Kombination mit Acetylsalicylsäure (ASS). Die Bewertung bezieht sich auf die Prävention atherothrombotischer Ereignisse nach einem Myokardinfarkt.
Die Zielgruppe umfasst erwachsene Personen, deren Infarkt ein bis drei Jahre zurückliegt. Zudem muss ein hohes Risiko für weitere Ereignisse vorliegen.
Als Risikofaktoren gelten unter anderem ein Alter ab 65 Jahren, medikationsbedürftiger Diabetes mellitus oder eine Mehrgefäß-Koronare-Herzkrankheit (KHK). Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss eine ASS-Monotherapie festgelegt.
Empfehlungen
Der Bericht leitet aus der Zulassungsstudie PEGASUS-TIMI 54 folgende Ergebnisse zum Zusatznutzen ab:
Gesamtaussage zum Zusatznutzen
Zusammenfassend wird ein Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen für die Kombinationstherapie gegenüber der ASS-Monotherapie festgestellt.
Den positiven Effekten bei Mortalität und Morbidität stehen laut Auswertung negative Effekte bei den Nebenwirkungen gegenüber.
Positive Effekte (Mortalität und Morbidität)
Laut Bewertung zeigen sich folgende Vorteile für die Kombinationstherapie:
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Gesamtmortalität: Es ergibt sich ein Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen.
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Myokardinfarkt: Für tödliche und nicht tödliche Infarkte liegt ein Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen vor.
-
Schlaganfall: Bei Personen unter 65 Jahren zeigt sich ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen. Für ältere Personen ist ein Zusatznutzen nicht belegt.
Negative Effekte (Nebenwirkungen)
Die Auswertung zeigt auch Risiken der Kombinationstherapie auf:
-
Schwere Blutungen: Es liegt ein Hinweis auf einen höheren Schaden vor. Das Ausmaß variiert je nach Vorliegen einer Mehrgefäß-KHK.
-
Dyspnoe: Für Atemnot ergibt sich ein Beleg für einen höheren Schaden (Ausmaß beträchtlich).
-
Therapieabbrüche: Wegen unerwünschter Ereignisse (inklusive Blutungen) zeigt sich ein Hinweis auf einen höheren Schaden.
Dosierung
Die bewertete Intervention in der Zulassungsstudie umfasste folgendes Dosierungsschema als Basis für die Nutzenbewertung:
| Wirkstoff | Dosierung | Häufigkeit |
|---|---|---|
| Ticagrelor | 60 mg | 2-mal täglich |
| Acetylsalicylsäure (ASS) | 75-150 mg | 1-mal täglich |
Kontraindikationen
Gemäß den Studienkriterien der Nutzenbewertung waren folgende Begleitmedikationen nicht erlaubt:
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Geplante Einnahme von ADP-Rezeptorinhibitoren (Clopidogrel, Ticlopidin, Prasugrel)
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Starke CYP3A-Inhibitoren oder -Induktoren
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Orale Antikoagulanzien und Fibrinolytika
💡Praxis-Tipp
Bei der Verordnung der Kombinationstherapie wird ein sorgfältiges Abwägen zwischen dem kardiovaskulären Nutzen und dem erhöhten Blutungsrisiko empfohlen. Zudem ist auf das gehäufte Auftreten von Dyspnoe zu achten, welches in der Bewertung als Beleg für einen höheren Schaden eingestuft wird.
Häufig gestellte Fragen
Die Bewertung bezieht sich auf Personen, deren Myokardinfarkt ein bis drei Jahre zurückliegt. Zusätzlich muss ein hohes Risiko für atherothrombotische Ereignisse bestehen, beispielsweise durch Diabetes oder eine Mehrgefäß-KHK.
Das IQWiG stellt insgesamt einen Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen fest. Es zeigen sich Vorteile bei der Gesamtmortalität und der Verhinderung weiterer Infarkte.
Laut Bericht kommt es unter der Kombinationstherapie vermehrt zu schweren Blutungen. Außerdem wird ein beträchtlich höherer Schaden durch das Auftreten von Dyspnoe beschrieben.
Bei der Prävention von Schlaganfällen zeigt die Auswertung einen Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen bei Personen unter 65 Jahren. Für Personen ab 65 Jahren ist in diesem Endpunkt kein Zusatznutzen belegt.
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Quelle: IQWiG A16-15: Ticagrelor (neues Anwendungsgebiet) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2016). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.