Infektionsprophylaxe bei Krebs: Indikation & Wirkstoffe

Diese Leitlinie stammt aus 2018 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IDSA (2018)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Patienten mit onkologischen Erkrankungen weisen häufig eine therapie- oder krankheitsbedingte Immunsuppression auf. Dies führt zu einem signifikant erhöhten Risiko für schwere Infektionen durch Bakterien, Pilze und Viren. Eine gezielte antimikrobielle Prophylaxe ist daher ein essenzieller Bestandteil der supportiven Krebstherapie.

Die gemeinsame Leitlinie der American Society of Clinical Oncology (ASCO) und der Infectious Diseases Society of America (IDSA) liefert evidenzbasierte Empfehlungen zur Infektionsprävention bei erwachsenen Krebspatienten. Diese Zusammenfassung basiert auf dem Abstract der aktualisierten Leitlinie.

Klinischer Kontext

Infektionen sind eine der häufigsten und gefährlichsten Komplikationen bei erwachsenen Krebspatienten unter immunsuppressiver Therapie. Besonders während Phasen einer tiefen und prolongierten Neutropenie steigt die Inzidenz von bakteriellen, viralen und fungalen Infektionen signifikant an.

Zytostatika und zielgerichtete Krebstherapien schädigen nicht nur maligne Zellen, sondern auch die rasch proliferierenden Zellen des Knochenmarks und der Schleimhäute. Dies führt zu einer verminderten Produktion von Leukozyten und einer gestörten Barrierefunktion des Gastrointestinaltrakts, wodurch endogene und exogene Erreger leicht in die Blutbahn eindringen können.

Eine febrile Neutropenie stellt einen onkologischen Notfall dar, der mit einer hohen Morbidität und Letalität assoziiert ist. Eine adäquate antimikrobielle Prophylaxe kann das Risiko lebensbedrohlicher Blutstrominfektionen reduzieren und Therapieunterbrechungen der onkologischen Behandlung verhindern.

Die Erkennung einer drohenden oder bestehenden Infektion stützt sich auf regelmäßige Blutbildkontrollen, engmaschiges klinisches Monitoring und die rasche Erfassung von Fieber unklarer Genese. Bei Verdacht auf eine Infektion erfolgt umgehend eine umfassende mikrobiologische Diagnostik mittels Blutkulturen und gezielter Bildgebung vor Beginn einer empirischen Therapie.

Wissenswertes

Grampositive Bakterien wie Koagulase-negative Staphylokokken und Enterokokken sind häufige Auslöser, oft bedingt durch zentrale Venenkatheter. Gramnegative Erreger wie Pseudomonas aeruginosa und Escherichia coli sind jedoch aufgrund ihres fulminanten Verlaufs und der Gefahr eines septischen Schocks besonders gefürchtet.

Eine tiefe Neutropenie wird meist bei einer absoluten Neutrophilenzahl von unter 500 Zellen pro Mikroliter definiert. Ein hohes Risiko für schwere Infektionen besteht insbesondere dann, wenn dieser Zustand voraussichtlich länger als sieben Tage anhält.

Invasive Mykosen, insbesondere durch Candida- und Aspergillus-Arten, treten gehäuft bei Patienten mit langanhaltender Neutropenie oder unter hochdosierter Kortikosteroidtherapie auf. Sie sind schwer zu diagnostizieren und gehen mit einer erheblichen Mortalität einher, weshalb Risikopatienten oft prophylaktisch antimykotisch behandelt werden.

Eine durch Zytostatika induzierte Mukositis schädigt die schützende Schleimhautbarriere des gesamten Gastrointestinaltrakts. Dadurch können Bakterien und Pilze der normalen Darmflora in den Blutkreislauf translozieren und systemische Infektionen auslösen.

Patienten mit zellulärer Immunschwäche haben ein hohes Risiko für die Reaktivierung latenter Viren wie Herpes simplex, Varizella-Zoster oder Cytomegalievirus. Diese Reaktivierungen können zu schweren Organmanifestationen führen und erfordern bei Hochrisikopatienten oft eine virostatische Prophylaxe.

Die Entscheidung basiert auf dem individuellen Infektionsrisiko des Patienten, welches durch die Art der Grunderkrankung und die Intensität der Chemotherapie bestimmt wird. Faktoren wie die erwartete Dauer und Tiefe der Neutropenie sowie patientenspezifische Komorbiditäten spielen eine zentrale Rolle.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein besonderes Augenmerk sollte auf die kumulative Kortikosteroiddosis gelegt werden. Die Leitlinie empfiehlt eine Pneumocystis-jirovecii-Prophylaxe bereits bei einer systemischen Therapie mit mindestens 20 mg Prednison-Äquivalent pro Tag über einen Zeitraum von einem Monat oder länger.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird eine antibakterielle und antimykotische Prophylaxe für Hochrisikopatienten empfohlen. Dies umfasst insbesondere Patienten mit einer tiefen und prolongierten Neutropenie von unter 100 Neutrophilen/µL für mehr als 7 Tage.

Eine antivirale Prophylaxe mit Nukleosidanaloga wie Aciclovir wird für HSV-seropositive Patienten empfohlen. Dies gilt spezifisch für Patienten, die sich einer allogenen hämatopoetischen Stammzelltransplantation oder einer Leukämie-Induktionstherapie unterziehen.

Die Leitlinie rät zu einer Prophylaxe gegen Pneumocystis jirovecii, wenn das Pneumonie-Risiko über 3,5 Prozent liegt. Dies ist unter anderem bei einer täglichen Gabe von 20 mg Prednison-Äquivalent oder mehr über mindestens einen Monat der Fall.

Bei Patienten mit einem hohen Risiko für eine HBV-Reaktivierung wird eine prophylaktische medikamentöse Behandlung empfohlen. Hierfür nennt die Leitlinie den Einsatz von Nukleosid-Reverse-Transkriptase-Inhibitoren wie Entecavir oder Tenofovir.

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Quelle: IDSA: Antimicrobial Prophylaxis for Adult Patients with Cancer-Related Immunosuppression (IDSA, 2018). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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