G-CSF Prophylaxe bei febriler Neutropenie (Onkopedia)
📋Auf einen Blick
- •G-CSF reduziert das Risiko einer febrilen Neutropenie (FN) nach myelosuppressiver Chemotherapie signifikant.
- •Ab einem FN-Risiko von ≥20 % (bzw. ≥40 % je nach Entität) wird der prophylaktische Einsatz von G-CSF empfohlen.
- •Bei einem FN-Risiko <20 % ist eine Prophylaxe nur bei Vorliegen individueller Risikofaktoren indiziert.
- •Die Gabe von G-CSF sollte frühzeitig nach Ende der Chemotherapie beginnen.
Hintergrund
Die Myelosuppression ist eine dosislimitierende Nebenwirkung der zytostatischen Therapie bei malignen Tumoren und hämatologischen Neoplasien. Patienten mit einer Neutropenie haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Fieber, Infektionen, Sepsis und eine therapieassoziierte Mortalität. Das Risiko steigt mit der Tiefe und Dauer der Neutropenie.
Eine effektive Strategie zur Reduktion dieses Risikos ist die prophylaktische Gabe von Granulozyten-Kolonie-stimulierenden Faktoren (G-CSF, Pegfilgrastim, Biosimilars).
Risikoklassifikation der febrilen Neutropenie (FN)
Die Indikation zur Prophylaxe richtet sich maßgeblich nach dem erwarteten Risiko für das Auftreten einer febrilen Neutropenie:
| Risiko | Erwartete FN-Rate | Empfehlung zum G-CSF-Einsatz |
|---|---|---|
| Hoch | ≥40 % | Empfohlen |
| Intermediär bis hoch | ≥20 % bis <40 % | Empfohlen |
| Intermediär | <20 % | Empfohlen bei Vorliegen individueller Risikofaktoren |
| Niedrig | <20 % | Nicht empfohlen |
Indikationen nach Entität
Die Empfehlungen variieren je nach Grunderkrankung und Therapiesituation.
G-CSF (Standard)
| Therapiesituation | Erwartete FN-Rate | Empfehlungsgrad | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Solide Tumoren (SCLC, Sarkome u.a.) | ≥20 % | A-I | - |
| Mamma-, Kolorektal-, Ovarialkarzinom | <20 % | B-I | Nicht empfohlen |
| Hodgkin / Non-Hodgkin Lymphom | ≥40 % | A-III / A-II | - |
| Hodgkin / Non-Hodgkin Lymphom | ≥20 % bis <40 % | B-II / B-III | - |
| MDS, palliative Chemotherapie | ≥20 % | D-II | Nicht empfohlen |
| ALL (Induktion, Konsolidierung) | ≥40 % | A-II | - |
| ALL (Erhaltung) | Unterschiedlich | C-III | Nicht empfohlen |
| AML (Induktion, Konsolidierung) | ≥40 % | C-I/II | Nicht empfohlen |
| AML (Induktion, ältere Patienten) | ≥40 % | C-I | Nicht empfohlen |
Pegfilgrastim und Biosimilars
- Pegfilgrastim: Empfohlen bei soliden Tumoren (z.B. Mammakarzinom) mit FN-Risiko ≥20 % (A-I) sowie bei malignen Lymphomen mit FN-Risiko ≥20 % (B-II).
- Biosimilars (z.B. XM02): Empfohlen bei unterschiedlichen Malignomen (Lymphome, Mamma-, Lungenkarzinom) mit FN-Risiko ≥20 % (A-I, Evidenzgrad für Nicht-Unterlegenheit).
Zeitpunkt und Modalitäten der Gabe
Bei entsprechender Indikation soll die Gabe frühzeitig nach Ende der Chemotherapie beginnen.
| Substanz | Grundkrankheit / Situation | Zeitpunkt der Gabe | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|---|
| G-CSF | Solide Tumore & Lymphome | Früher Einsatz nach Chemotherapie | A-I |
| G-CSF | ALL (Induktion/Konsolidierung) | Früher Einsatz nach Chemotherapie | A-II |
| G-CSF | AML (Induktion, ältere Pat.) | Einsatz 7 Tage nach Chemotherapie | C-II |
| G-CSF | Nach stattgehabter febriler Neutropenie | Einsatz in den darauffolgenden Zyklen | B-III |
| Pegfilgrastim | Mammakarzinom | Einsatz ab Tag 2 nach Chemotherapie | A-I |
| Pegfilgrastim | NHL, Mammakarzinom, ältere Pat. | Einsatz im 1. Zyklus (nicht auf 1. FN-Episode warten) | A-I |
| Pegfilgrastim | NHL, ältere Patienten | Einsatz ab Tag 4 | B-II |
Hinweis: Eine gewichtsadaptierte Dosierung von Pegfilgrastim beim Mammakarzinom wird nicht empfohlen (B-II).",
💡Praxis-Tipp
Beginnen Sie die G-CSF-Prophylaxe frühzeitig nach Abschluss der Chemotherapie und warten Sie bei Hochrisikopatienten (FN-Risiko ≥20-40%) nicht erst die erste febrile Episode ab.