ClariMedClariMed
Onkopedia/DGHOOnkologie

G-CSF Prophylaxe bei febriler Neutropenie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia/DGHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • G-CSF reduziert das Risiko einer febrilen Neutropenie (FN) nach myelosuppressiver Chemotherapie signifikant.
  • Ab einem FN-Risiko von ≥20 % (bzw. ≥40 % je nach Entität) wird der prophylaktische Einsatz von G-CSF empfohlen.
  • Bei einem FN-Risiko <20 % ist eine Prophylaxe nur bei Vorliegen individueller Risikofaktoren indiziert.
  • Die Gabe von G-CSF sollte frühzeitig nach Ende der Chemotherapie beginnen.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die Myelosuppression ist eine dosislimitierende Nebenwirkung der zytostatischen Therapie bei malignen Tumoren und hämatologischen Neoplasien. Patienten mit einer Neutropenie haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Fieber, Infektionen, Sepsis und eine therapieassoziierte Mortalität. Das Risiko steigt mit der Tiefe und Dauer der Neutropenie.

Eine effektive Strategie zur Reduktion dieses Risikos ist die prophylaktische Gabe von Granulozyten-Kolonie-stimulierenden Faktoren (G-CSF, Pegfilgrastim, Biosimilars).

Risikoklassifikation der febrilen Neutropenie (FN)

Die Indikation zur Prophylaxe richtet sich maßgeblich nach dem erwarteten Risiko für das Auftreten einer febrilen Neutropenie:

RisikoErwartete FN-RateEmpfehlung zum G-CSF-Einsatz
Hoch≥40 %Empfohlen
Intermediär bis hoch≥20 % bis <40 %Empfohlen
Intermediär<20 %Empfohlen bei Vorliegen individueller Risikofaktoren
Niedrig<20 %Nicht empfohlen

Indikationen nach Entität

Die Empfehlungen variieren je nach Grunderkrankung und Therapiesituation.

G-CSF (Standard)

TherapiesituationErwartete FN-RateEmpfehlungsgradBemerkung
Solide Tumoren (SCLC, Sarkome u.a.)≥20 %A-I-
Mamma-, Kolorektal-, Ovarialkarzinom<20 %B-INicht empfohlen
Hodgkin / Non-Hodgkin Lymphom≥40 %A-III / A-II-
Hodgkin / Non-Hodgkin Lymphom≥20 % bis <40 %B-II / B-III-
MDS, palliative Chemotherapie≥20 %D-IINicht empfohlen
ALL (Induktion, Konsolidierung)≥40 %A-II-
ALL (Erhaltung)UnterschiedlichC-IIINicht empfohlen
AML (Induktion, Konsolidierung)≥40 %C-I/IINicht empfohlen
AML (Induktion, ältere Patienten)≥40 %C-INicht empfohlen

Pegfilgrastim und Biosimilars

  • Pegfilgrastim: Empfohlen bei soliden Tumoren (z.B. Mammakarzinom) mit FN-Risiko ≥20 % (A-I) sowie bei malignen Lymphomen mit FN-Risiko ≥20 % (B-II).
  • Biosimilars (z.B. XM02): Empfohlen bei unterschiedlichen Malignomen (Lymphome, Mamma-, Lungenkarzinom) mit FN-Risiko ≥20 % (A-I, Evidenzgrad für Nicht-Unterlegenheit).

Zeitpunkt und Modalitäten der Gabe

Bei entsprechender Indikation soll die Gabe frühzeitig nach Ende der Chemotherapie beginnen.

SubstanzGrundkrankheit / SituationZeitpunkt der GabeEmpfehlungsgrad
G-CSFSolide Tumore & LymphomeFrüher Einsatz nach ChemotherapieA-I
G-CSFALL (Induktion/Konsolidierung)Früher Einsatz nach ChemotherapieA-II
G-CSFAML (Induktion, ältere Pat.)Einsatz 7 Tage nach ChemotherapieC-II
G-CSFNach stattgehabter febriler NeutropenieEinsatz in den darauffolgenden ZyklenB-III
PegfilgrastimMammakarzinomEinsatz ab Tag 2 nach ChemotherapieA-I
PegfilgrastimNHL, Mammakarzinom, ältere Pat.Einsatz im 1. Zyklus (nicht auf 1. FN-Episode warten)A-I
PegfilgrastimNHL, ältere PatientenEinsatz ab Tag 4B-II

Hinweis: Eine gewichtsadaptierte Dosierung von Pegfilgrastim beim Mammakarzinom wird nicht empfohlen (B-II).",

💡Praxis-Tipp

Beginnen Sie die G-CSF-Prophylaxe frühzeitig nach Abschluss der Chemotherapie und warten Sie bei Hochrisikopatienten (FN-Risiko ≥20-40%) nicht erst die erste febrile Episode ab.

Häufig gestellte Fragen

Ab einem erwarteten Risiko für febrile Neutropenie von ≥20 % wird die Prophylaxe empfohlen (Empfehlungsgrad A-I).
Nein, bei MDS oder palliativer Chemotherapie wird G-CSF auch bei einem Risiko ≥20 % nicht empfohlen (Empfehlungsgrad D-II).
Die Gabe sollte frühzeitig nach Ende der Chemotherapie erfolgen. Bei Pegfilgrastim und Mammakarzinom beispielsweise ab Tag 2 nach der Chemotherapie.

Verwandte Leitlinien