Infektionen in der Onkologie: Prophylaxe und Therapie
Hintergrund
Infektionen stellen eine häufige und ernstzunehmende Komplikation bei hämatologischen und onkologischen Erkrankungen dar. Auch im ambulanten Bereich führen sie zu einer relevanten Morbidität und können die Durchführung wirksamer antineoplastischer Therapien verzögern.
Die betroffenen Personen sind oft bereits durch ihre Grunderkrankung immunsupprimiert. Das Risiko für opportunistische Infektionen steigt zusätzlich mit der Art und Intensität der spezifischen Tumortherapie sowie der Dauer einer Neutropenie.
Die Identifikation von Risikogruppen für komplizierte Infektionsverläufe ist entscheidend, um die Mortalität zu senken. Eine gezielte Prävention durch medikamentöse Prophylaxe und konsequente Impfungen bildet dabei eine wesentliche Säule der ambulanten onkologischen Versorgung.
Klinischer Kontext
Infektionen gehören zu den häufigsten und gefährlichsten Komplikationen bei ambulant betreuten Patienten mit hämatologischen und onkologischen Erkrankungen. Durch die zunehmende Verlagerung von systemischen Tumortherapien in den ambulanten Sektor steigt die Zahl immunsupprimierter Patienten außerhalb der Klinik stetig an.
Die zugrundeliegende Malignomerkrankung sowie zytostatische oder immunmodulatorische Therapien führen zu einer komplexen Störung der zellulären und humoralen Immunabwehr. Dies begünstigt nicht nur klassische bakterielle und virale Infekte, sondern auch opportunistische Infektionen durch Pilze oder atypische Erreger.
Für behandelnde Ärzte stellt die rasche Erkennung von Infektionen eine große Herausforderung dar, da typische Entzündungszeichen wie Fieber durch die Immunsuppression oder Begleitmedikation maskiert sein können. Eine verzögerte Diagnostik und Therapieeinleitung kann bei diesen vulnerablen Patienten rasch zu lebensbedrohlichen Zuständen wie einer febrilen Neutropenie oder Sepsis führen.
Die Basis der Diagnostik bilden eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung sowie die zügige Bestimmung von Entzündungsparametern und dem Differenzialblutbild. Vor Beginn einer kalkulierten antimikrobiellen Therapie ist die sofortige Abnahme von Blutkulturen und weiteren mikrobiologischen Proben essenziell.
Wissenswertes
Bei ambulanten Tumorpatienten dominieren bakterielle Infektionen, insbesondere durch grampositive Erreger wie Staphylokokken und Streptokokken, oft assoziiert mit zentralvenösen Kathetern. Gramnegative Erreger wie E. coli oder Pseudomonas aeruginosa spielen ebenfalls eine wichtige Rolle und sind mit einer hohen Mortalität verbunden.
Die febrile Neutropenie äußert sich typischerweise durch Fieber über 38,3 Grad Celsius bei einem absoluten Neutrophilenabfall unter 500 pro Mikroliter. Oft fehlen aufgrund der fehlenden Leukozyten klassische lokale Entzündungszeichen, was die klinische Einschätzung erschwert.
Eine stationäre Aufnahme ist bei hämodynamischer Instabilität, schweren Begleiterkrankungen oder Zeichen einer Sepsis zwingend erforderlich. Auch Patienten mit hohem Risiko für Komplikationen, etwa bei tiefer und langanhaltender Neutropenie, bedürfen einer engmaschigen klinischen Überwachung im Krankenhaus.
Neben der Erhebung der Vitalparameter und einem Differenzialblutbild müssen umgehend Blutkulturen aus peripheren Venen und bestehenden Kathetersystemen entnommen werden. Ergänzend erfolgen je nach Symptomatik Urinkulturen, Röntgenaufnahmen des Thorax oder gezielte Abstriche.
Respiratorische Viren wie Influenza, RSV oder SARS-CoV-2 können bei immunsupprimierten Patienten schwere Verläufe mit Pneumonien auslösen. Zudem besteht unter bestimmten Therapien das Risiko einer Reaktivierung latenter Viren wie Herpes simplex oder Varizella-Zoster.
Die empirische Therapie muss das lokale Resistenzspektrum und das individuelle Risikoprofil des Patienten berücksichtigen. Sie beginnt in der Regel sofort nach der mikrobiologischen Diagnostik mit einem breiten Wirkspektrum, das bei Vorliegen der Antibiogramme gezielt deeskaliert wird.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie kann eine empirische antibiotische Therapie bei febriler Neutropenie oft nach 72 Stunden Fieber- und Symptomfreiheit beendet werden, auch wenn die Neutrophilen noch nicht vollständig regeneriert sind. Es wird jedoch betont, dass in diesem Fall ein engmaschiges klinisches Monitoring bis zur vollständigen hämatopoetischen Regeneration obligat ist. Bei einem erneuten Fieberanstieg wird eine sofortige Wiederaufnahme der antimikrobiellen Therapie gefordert.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt eine ambulante Therapie bei Personen mit einem Standardrisiko (Neutropenie unter 7 Tage) und einem MASCC-Score von über 20 Punkten. Voraussetzung ist zudem ein stabiles soziales Umfeld und die Erreichbarkeit einer onkologischen Klinik innerhalb einer Stunde.
Als Substanzen der Wahl werden laut Leitlinie Fluorchinolone wie Ciprofloxacin oder Levofloxacin empfohlen. Alternativ kann Cotrimoxazol in therapeutischer Dosierung eingesetzt werden.
Die Leitlinie empfiehlt Cotrimoxazol als Mittel der ersten Wahl zur PjP-Prophylaxe. Bei einer Unverträglichkeit können Alternativen wie Atovaquon, Dapson oder aerosolisiertes Pentamidin verwendet werden.
Eine Impfung mit inaktivierten Totimpfstoffen ist gemäß Leitlinie in der Regel sicher möglich und wird unter anderem für Influenza, RSV und SARS-CoV-2 empfohlen. Lebendimpfstoffe sind bei bestehender Immunsuppression jedoch kontraindiziert.
Bei klinisch stabilen Personen kann die empirische Antibiose laut Leitlinie nach 72 Stunden Fieberfreiheit abgesetzt werden, selbst wenn die Neutropenie noch anhält. Ein engmaschiges Monitoring bis zur vollständigen Blutbildregeneration ist dabei zwingend erforderlich.
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Quelle: Infektionen in der Ambulanz (Onkopedia). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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