Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen: Therapie
Hintergrund
Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft (HES) betreffen 6 bis 8 % aller Schwangerschaften und umfassen die chronische Hypertonie, Gestationshypertonie sowie die Präeklampsie. Sie stellen eine der Hauptursachen für mütterliche und perinatale Morbidität und Mortalität dar.
Die Definition der Präeklampsie wurde in den letzten Jahren erweitert. Sie erfordert neben der Hypertonie den Nachweis mindestens einer Organmanifestation, wie beispielsweise an Niere, Leber, zentralem Nervensystem oder der Plazenta (fetale Wachstumsrestriktion). Eine Proteinurie ist für die Diagnosestellung nicht mehr zwingend erforderlich.
Eine frühzeitige Risikoermittlung im ersten Trimenon ermöglicht den rechtzeitigen Beginn präventiver Maßnahmen. Da HES zudem mit einem lebenslang erhöhten kardiovaskulären Risiko für die Mutter einhergehen, betont die Leitlinie die Wichtigkeit einer strukturierten Langzeitnachsorge.
💡Praxis-Tipp
Bei der medikamentösen Blutdruckeinstellung wird ein vorsichtiges Vorgehen ("start low, go slow") empfohlen, da eine drastische Blutdrucksenkung zu einer plazentaren Minderperfusion führen kann. Unterschreitet der Mittelwert des diastolischen Blutdrucks an aufeinanderfolgenden Tagen den Wert von 80 mmHg, sollte laut Leitlinie eine Reduktion der bestehenden Medikation erfolgen. Zudem wird betont, dass ein HELLP-Syndrom oder eine Eklampsie auch bei normotensiven Blutdruckwerten auftreten kann und persistierende Oberbauchschmerzen stets abklärungsbedürftig sind.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt einen Zielblutdruck von ≤135 mmHg systolisch und ≤85 mmHg diastolisch. Dieser Wert gilt als Tagesmittelwert und soll eine schwere Hypertonie verhindern.
Eine signifikante Proteinurie liegt ab einem Protein-Kreatinin-Quotienten von ≥30 mg/mmol im Spontanurin vor. Dies entspricht etwa 300 mg/Tag im 24-Stunden-Sammelurin.
Zur Prophylaxe und Therapie der Eklampsie wird Magnesiumsulfat (MgSO4) intravenös empfohlen. Als Antidot bei Überdosierung, die sich durch Atemdepression oder fehlende Reflexe äußern kann, muss Calciumgluconat bereitliegen.
Ja, bei stabilem maternalen und fetalen Zustand kann die Geburt auf vaginalem Weg erfolgen. Es besteht laut Leitlinie bei optimaler Überwachung kein erhöhtes kindliches Risiko durch eine vaginale Entbindung.
Es wird eine Blutdrucküberwachung für mindestens 12 Wochen postpartal empfohlen. Aufgrund des signifikant erhöhten kardiovaskulären Langzeitrisikos ist zudem eine lebenslange hausärztliche oder internistische Nachsorge sinnvoll.
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Quelle: Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft (HES): Diagnostik und Therapie (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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