KRINKO (Commission for Hospital Hygiene)Infektiologie

Hygiene in der Neonatologie: Infektionsprävention

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: KRINKO (Commission for Hospital Hygiene)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht unter 1500 g (VLBW/ELBW) haben ein stark erhöhtes Risiko für nosokomiale Infektionen (NI). Laut der KRINKO-Leitlinie treten mehr als die Hälfte aller in der gesamten Neonatologie dokumentierten NI in dieser vulnerablen Patientengruppe auf.

Zu den wesentlichen exogenen Risikofaktoren zählen invasive Maßnahmen wie die maschinelle Beatmung, intravaskuläre Katheter und die parenterale Ernährung. Zudem begünstigt die unreife Immunabwehr der Frühgeborenen die Entstehung von späten Blutstrominfektionen (Late-onset-Sepsis) und Pneumonien.

Die Leitlinie betont, dass durch gezielte, multifaktorielle Interventionen und die strikte Einhaltung von Hygienestandards die Rate der nosokomialen Infektionen um etwa 30 Prozent gesenkt werden kann. Eine angemessene Personalausstattung mit qualifizierten Pflegekräften wird dabei als essenzieller protektiver Faktor hervorgehoben.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Infektionsprävention:

Basishygiene und Umgebung

  • Die konsequente Händehygiene vor und nach jedem Patientenkontakt ist die wichtigste Maßnahme (Kategorie IA).

  • Es wird empfohlen, jedem Frühgeborenen ein patientenbezogenes Stethoskop zuzuordnen (Kategorie IB).

  • Das generelle Tragen von Schutzkitteln beim Betreten der Station wird nicht empfohlen; Kittel sollen patientenbezogen bei der Pflege außerhalb des Inkubators getragen werden (Kategorie IA/IB).

  • Inkubatoren müssen vor jeder Neubelegung vollständig gereinigt und desinfiziert werden (Kategorie IB).

Haut- und Schleimhautantiseptik

  • Als Mittel der Wahl für die Haut- und Schleimhautantiseptik wird Octenidin 0,1 % ohne Phenoxyethanol empfohlen (Kategorie IB/II).

  • Vor jedem invasiven Eingriff muss die Einwirkzeit des Antiseptikums strikt abgewartet werden, bis die Haut getrocknet ist.

  • Auf eine routinemäßige Antiseptik des unauffälligen Nabelstumpfes kann verzichtet werden.

Prävention beatmungsassoziierter Pneumonien (VAP)

  • Die endotracheale Intubation sollte nach Möglichkeit durch nicht-invasive Atemhilfen (z. B. CPAP) vermieden werden.

  • Das endotracheale Absaugen muss stets mit sterilen Materialien und steriler Spülflüssigkeit erfolgen (Kategorie IB).

  • Funktionstüchtige Beatmungsschläuche sollten am selben Patienten nicht häufiger als alle 7 Tage gewechselt werden (Kategorie IB).

Prävention katheterassoziierter Infektionen

  • Die Anlage von zentralen Venenkathetern (PICC) und Nabelkathetern muss unter maximalen Barriere-Maßnahmen (sterile Handschuhe, Kittel, Mund-Nasen-Schutz, Haube, großes Lochtuch) erfolgen (Kategorie IA/IB).

  • Der Katheterhub muss vor Kontamination geschützt und vor sowie nach jeder Diskonnektion desinfiziert werden (Kategorie IB).

  • Infusionssysteme für lipidhaltige parenterale Ernährung müssen spätestens alle 24 Stunden gewechselt werden (Kategorie IB).

  • Ein routinemäßiger Wechsel von PICC oder Nabelkathetern wird nicht empfohlen (Kategorie IB/III).

Kontraindikationen

Die Leitlinie bewertet verschiedene Antiseptika für den Einsatz bei extrem unreifen Frühgeborenen unterschiedlich. Es werden spezifische Warnhinweise und Kontraindikationen formuliert:

AntiseptikumBewertung laut LeitlinieBegründung und Risiken
Polyvidon-Iod (10 %)Primär kontraindiziertGefahr der systemischen Jodresorption über die unreife Haut
ChlorhexidinNicht empfohlenLokale Unverträglichkeiten (Verbrühungs-ähnlich), Wirkungslücken bei gramnegativen Erregern, Anaphylaxie-Risiko
Octenisept (mit Phenoxyethanol)Nicht empfohlenToxikologische Bedenken bezüglich der Resorption des Zusatzstoffes Phenoxyethanol
Octenidin 0,1 % (ohne Zusätze)Mittel der WahlGute lokale Verträglichkeit, breiteres Wirkungsspektrum
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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist die unzureichende Beachtung des Katheterhubs bei zentralen Zugängen. Die Leitlinie warnt davor, den Hub ungeschützt auf der Haut des Patienten abzulegen, da er eine Hauptquelle für bakterielle Kontaminationen darstellt. Es wird dringend geraten, unnötige Diskonnektionen des Infusionssystems vorausschauend zu vermeiden und vor jedem unvermeidbaren Zugriff eine sorgfältige Wischdesinfektion des Hubs durchzuführen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie müssen Systeme, über die lipidhaltige parenterale Ernährung appliziert wird, spätestens alle 24 Stunden gewechselt werden. Bei kristalloiden Lösungen ohne Lipide ist ein Wechsel nicht häufiger als alle 72 bis 96 Stunden erforderlich.

Die Leitlinie empfiehlt Octenidin 0,1 % ohne den Zusatz von Phenoxyethanol als Mittel der Wahl für die Haut- und Schleimhautantiseptik. Von PVP-Iod und Chlorhexidin wird aufgrund von Resorptionsgefahren und schweren Hautirritationen abgeraten.

Nein, das generelle Anlegen eines Schutzkittels beim Betreten der Station trägt laut Leitlinie nicht zur Vermeidung nosokomialer Infektionen bei. Schutzkittel sollen gezielt patientenbezogen bei der Pflege außerhalb des Inkubators oder bei speziellen Isolierungsmaßnahmen getragen werden.

Es wird kein routinemäßiger Wechsel von PICC-Kathetern nach einer bestimmten Liegedauer empfohlen. Der Katheter kann belassen werden, solange er klinisch indiziert ist und keine Komplikationen wie Infektionen auftreten, wobei die Indikation täglich überprüft werden sollte.

Die Leitlinie rät von der oralen Verabreichung von Antibiotika zur NEC-Prävention ab. Dies wird mit dem erhöhten Risiko unerwünschter Wirkungen und der Begünstigung resistenter Erreger begründet.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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