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Antibiotic Stewardship (ABS): Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein multidisziplinäres ABS-Team benötigt mindestens 1 Vollzeitäquivalent pro 500 Akutbetten.
  • Lokale Behandlungsleitlinien und Antiinfektivalisten bilden die Basis für ein rationales Verordnungsverhalten.
  • ABS-Visiten mit direkter Interaktion und fallspezifischer Beratung sind hochwirksam zur Therapieoptimierung.
  • Eine Therapiereevaluation (De-Eskalation) soll nach 48-72 Stunden anhand klinischer und mikrobiologischer Befunde erfolgen.
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Hintergrund

Die zunehmende Resistenzentwicklung und der Mangel an neuen Antibiotika erfordern eine rationale Antiinfektiva-Anwendung. Antibiotic Stewardship (ABS) zielt darauf ab, die Verordnungsqualität zu verbessern, um beste klinische Behandlungsergebnisse bei minimaler Toxizität zu erreichen. ABS-Programme reduzieren nachweislich den unkritischen Antibiotikaeinsatz, verkürzen die Liegedauer und senken Kosten, ohne die Sterblichkeit negativ zu beeinflussen.

Voraussetzungen für ABS-Programme

Die erfolgreiche Umsetzung erfordert ein multidisziplinäres ABS-Team mit formalem Mandat der Klinikleitung. Die personelle Ausstattung soll mindestens 1 Vollzeitäquivalent pro 500 Akutbetten betragen.

FachdisziplinRolle und Aufgaben im ABS-Team
Infektiologe / ABS-ArztTeamleitung, klinische Beurteilung, Konsiliardienst, Erstellung lokaler Leitlinien
Apotheker (ABS-fortgebildet)Antiinfektivaliste, Verbrauchs-Surveillance, Freigaberegelungen, Dosisindividualisierung
MikrobiologeErregerstatistik, Antibiogramme, Schnelldiagnostik, Befundinterpretation
KrankenhaushygienikerSurveillance nosokomialer Infektionen, Ausbruchsanalysen, Prävention

Surveillance und Qualitätsindikatoren

Eine kontinuierliche Datenerhebung ist essenziell, um Schwachstellen zu erkennen und ABS-Maßnahmen zu evaluieren.

Surveillance-BereichParameter und DarstellungEmpfohlene Häufigkeit
Erreger & ResistenzenErstisolate nach Material, Screening separatMindestens 1x jährlich
AntibiotikaverbrauchTagesdosen (DDD) pro 100 PflegetageMindestens jährlich, besser quartalsweise
VerordnungsqualitätPunkt-Prävalenz-Analysen (PPA)Regelmäßig

Strategien zur Optimierung des Verordnungsverhaltens

Um das Verordnungsverhalten nachhaltig zu verbessern, empfiehlt die Leitlinie ein Bündel an Maßnahmen:

  • Lokale Behandlungsleitlinien: Sollen vom ABS-Team unter Berücksichtigung der lokalen Resistenzlage erstellt und elektronisch verfügbar gemacht werden.
  • Antiinfektivaliste: Unterteilt in Standard- und Reserveantibiotika, verabschiedet durch die Arzneimittelkommission.
  • Freigaberegelungen: Restriktionen für Reserveantibiotika, gekoppelt an eine kontinuierliche Verbrauchssurveillance.
  • ABS-Visiten: Regelmäßige Evaluation verordneter Antibiotika (Indikation, Substanz, Dosis, Dauer) in direkter, persönlicher Interaktion mit den verordnenden Ärzten.
  • Fortbildung: Kontinuierliche, interaktive und fallspezifische Beratung ist wirksamer als rein passive Informationsvermittlung.

Strategien zur Therapieoptimierung am Patientenbett

Die Therapiereevaluation (De-Eskalation) ist ein zentraler Baustein und in der Regel nach 48 bis 72 Stunden möglich, sobald erste Befunde vorliegen.

MaßnahmeIndikation / VoraussetzungEmpfehlungsgrad
Gezielte TherapieNach Erregersicherung: Umstellung von empirisch auf gezieltA (Starker Konsens)
SchmalspektrumBei klinischer Besserung ohne ErregersicherungA (Starker Konsens)
MonotherapieUmstellung einer KombinationstherapieA (Starker Konsens)
TherapiestoppBei fehlender Indikation oder unbestätigter DiagnoseA (Starker Konsens)

Zusätzlich sollte eine anamnestische Penicillin-Allergie stets überprüft werden (Empfehlungsgrad B), da eine ungesicherte Allergie häufig den Einsatz von Breitspektrum-Antibiotika erzwingt und eine leitliniengerechte De-Eskalation verhindert. Die Therapiedauer sollte durch lokale Leitlinien klar definiert und unnötig lange Behandlungen (z.B. bei perioperativer Prophylaxe) vermieden werden.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie nach 48 bis 72 Stunden routinemäßig eine Therapiereevaluation durch. Hinterfragen Sie zudem jede angegebene Penicillin-Allergie genau, da diese oft nicht IgE-vermittelt ist und eine sinnvolle De-Eskalation blockiert.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt mindestens 1 Vollzeitäquivalent pro 500 Akutbetten.
Ein Infektiologe oder ABS-Arzt, ein klinischer Apotheker, ein Mikrobiologe und ein Krankenhaushygieniker.
Eine Therapiereevaluation (De-Eskalation) ist in der Regel nach 48 bis 72 Stunden möglich, sobald klinische und mikrobiologische Befunde vorliegen.
Sie ermöglichen eine direkte, fallspezifische Beratung am Patientenbett, was die Leitlinienadhärenz signifikant erhöht und den Antibiotikaverbrauch senkt.

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