Febrile Neutropenie bei Kindern: Diagnostik & Therapie
Hintergrund
Die AWMF-Leitlinie definiert den Handlungsrahmen für die Diagnostik und Therapie bei Fieber ohne Fokus während einer Granulozytopenie (FN) in der Kinderonkologie. Sie richtet sich primär an pädiatrische Onkologen, Hämatologen und Infektiologen.
Eine Granulozytopenie ist definiert als eine absolute Granulozytenzahl unter 0,5 x 10^9/L oder eine Leukozytenzahl unter 1,0 x 10^9/L mit fallender Tendenz. Fieber liegt bei einer einmaligen Temperatur über 38,5 °C oder wiederholt über 38,0 °C vor.
Da bei diesen Patienten ein hohes Risiko für lebensbedrohliche Infektionen besteht, ist ein schnelles und standardisiertes Vorgehen essenziell. Die Leitlinie betont dabei zunehmend Aspekte des Antimicrobial Stewardship (ABS), um den Einsatz von Reserveantibiotika zu optimieren.
💡Praxis-Tipp
Bei klinisch stabilen Patienten ist anhaltendes Fieber allein kein zwingender Grund für eine Eskalation der Antibiotikatherapie, insbesondere wenn ein zeitnaher Anstieg der Granulozyten zu erwarten ist. Zudem rät die Leitlinie ausdrücklich von einer routinemäßigen oralen Sequenztherapie nach Beendigung der intravenösen Gabe ab.
Häufig gestellte Fragen
Bei Hinweisen auf eine Sepsis oder einen septischen Schock wird eine Gabe innerhalb von 60 Minuten empfohlen. Bei klinisch stabilen Patienten ohne Fokus sollte die Therapie laut Leitlinie innerhalb der ersten 3 Stunden nach Erstvorstellung beginnen.
Die Leitlinie empfiehlt eine Monotherapie mit Piperacillin-Tazobactam, Ceftazidim oder Cefepim. Carbapeneme wie Meropenem sollen nicht standardmäßig in der Erstlinie eingesetzt werden.
Das Volumen richtet sich nach dem Körpergewicht. Bei Säuglingen bis 10 kg werden 1-3 ml (aerob) und 3-5 ml (anaerob) empfohlen, bei Kindern über 20 kg jeweils 10 ml für die aerobe und anaerobe Flasche.
Bei klinisch stabilen Patienten ohne Erregernachweis kann die Therapie nach 72 Stunden beendet werden, wenn sie seit 24 Stunden entfiebert sind. Steigen die Granulozyten bereits an, ist ein Absetzen gemäß Leitlinie schon nach 48 Stunden möglich.
Nein, die Leitlinie empfiehlt dies nicht pauschal. Bei Hochrisikopatienten mit Fieber über 96 Stunden wird primär eine präemptive Strategie basierend auf CT-Bildgebung und Galactomannan-Diagnostik favorisiert.
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Quelle: Diagnostik und Therapie bei Fieber ohne Fokus während der Granulozytopenie (Kinderonkologie) (AWMF, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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