Hormonelle Empfängnisverhütung: VTE-Risiko & Indikation
Hintergrund
Die hormonelle Empfängnisverhütung gehört zu den am häufigsten angewendeten Methoden der Familienplanung. Die Auswahl des geeigneten Präparats erfordert eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung unter Berücksichtigung der Anamnese und familiärer Vorbelastungen.
Neben der reinen Kontrazeption bieten viele hormonelle Präparate Zusatznutzen, wie die Linderung von Dysmenorrhoe, Hypermenorrhoe oder Hirsutismus. Gleichzeitig müssen seltene, aber potenziell schwerwiegende Risiken wie venöse und arterielle Thromboembolien beachtet werden.
Die AWMF-Leitlinie bietet eine evidenzbasierte Entscheidungshilfe für die Verordnung kombinierter oraler Kontrazeptiva (KOK) sowie von Gestagen-Mono-Präparaten. Ein besonderer Fokus liegt auf der Risikostratifizierung anhand von Begleiterkrankungen und individuellen Risikofaktoren.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass bei der Neuverordnung von kombinierten oralen Kontrazeptiva (KOK) Präparate der 2. Generation (mit Levonorgestrel, Norgestimat oder Norethisteron) bevorzugt werden sollen. Diese weisen im Vergleich zu neueren Gestagenen (wie Drospirenon oder Desogestrel) das geringste Risiko für venöse Thromboembolien auf. Zudem wird darauf hingewiesen, dass auch nicht-orale kombinierte Präparate wie das Verhütungspflaster oder der Vaginalring mit einem erhöhten Thromboserisiko einhergehen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie weisen kombinierte orale Kontrazeptiva mit den Gestagenen Levonorgestrel, Norgestimat und Norethisteron (2. Generation) das geringste Risiko für venöse Thromboembolien auf. Diese Präparate werden als Mittel der ersten Wahl empfohlen.
Bei einer Migräne mit Aura wird von kombinierten (östrogenhaltigen) Kontrazeptiva abgeraten, da das Schlaganfallrisiko signifikant erhöht ist. Gemäß Leitlinie können diesen Patientinnen jedoch östrogenfreie Gestagen-Mono-Präparate verordnet werden.
Die Leitlinie stellt klar, dass nicht-enzyminduzierende Antibiotika (wie Penicilline oder Makrolide) die kontrazeptive Wirkung nicht beeinträchtigen, sofern es nicht zu Erbrechen oder Durchfall kommt. Eine Ausnahme bilden enzyminduzierende Antibiotika wie Rifampicin, bei denen eine zusätzliche Verhütung erforderlich ist.
In den ersten sechs Monaten post partum wird laut Leitlinie von kombinierten hormonellen Kontrazeptiva abgeraten. Es wird stattdessen die Anwendung von Gestagen-Mono-Präparaten empfohlen, da diese keinen negativen Einfluss auf die Milchbildung oder das kindliche Wachstum zeigen.
Es gibt Hinweise, dass die Wirksamkeit von Levonorgestrel-haltigen Notfallkontrazeptiva bei adipösen Frauen reduziert ist. Ab einem BMI von 30 kg/m² wird gemäß Leitlinie primär die Einlage einer Kupferspirale als sicherste Methode der Notfallkontrazeption empfohlen.
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Quelle: Hormonelle Empfängnisverhütung (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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