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Nicht-hormonelle Verhütung: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Wahl der Verhütungsmethode erfordert eine individuelle Beratung zu Effektivität, Nebenwirkungen, Reversibilität und Akzeptanz.
  • Zur Beurteilung der Sicherheit muss zwischen Methodensicherheit (Perfect Use) und Gebrauchssicherheit (Typical Use) unterschieden werden.
  • Der Pearl-Index gilt als veraltet; stattdessen sollten Life-Table-Werte zur Berechnung der Sicherheit herangezogen werden.
  • Kondome bieten als einzige Methode einen zuverlässigen Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen (STI) wie HIV und Chlamydien.
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Hintergrund

In den letzten Jahren ist bei der Wahl der Verhütungsmethode eine deutliche Trendwende zu beobachten. Die hormonelle Verhütung wird zunehmend kritischer gesehen und häufiger abgelehnt, während Alternativen gefragter sind. Männer übernehmen zudem mehr Verantwortung bei der Familienplanung, sodass Kondome mittlerweile genauso häufig genutzt werden wie die Antibabypille.

Auswahlkriterien für Kontrazeptiva

Um die optimale Methode zu finden, ist eine individuelle Beratung des Paares oder der Anwenderin essenziell. Die Kriterien und Präferenzen können sich im Laufe des Lebens verändern. Wichtige Faktoren sind:

  • Effektivität: Das wichtigste Kriterium zur Vermeidung ungewollter Schwangerschaften.
  • Nebenwirkungen: Mögliche gesundheitliche Risiken und Reversibilität der Methode.
  • Akzeptanz und Verfügbarkeit: Zugang und Kosten des Verfahrens.
  • Sexualität: Mögliche Auswirkungen auf Libido und das Sexualleben.

Beurteilung der Effektivität

Bei der Sicherheit einer Methode muss zwingend zwischen zwei Werten unterschieden werden:

  • Gebrauchssicherheit (Typical Use): Effektivität während der tatsächlichen Anwendung im Alltag, inklusive dabei auftretender anwenderbedingter Fehler.
  • Methodensicherheit (Perfect Use): Effektivität bei absolut korrekter und konsistenter Anwendung.

Wichtig: Der Pearl-Index sollte aus wissenschaftlicher Sicht aufgrund erheblicher Ungenauigkeiten nicht mehr verwendet werden. Zur Berechnung der Gebrauchssicherheit wird der Life table (kumulativer Wert nach 13 Zyklen) empfohlen, für die Methodensicherheit die Methode nach Trussell.

Effektivität ausgewählter Methoden

Die folgende Tabelle zeigt die Rate ungewollter Schwangerschaften pro 100 Frauen im ersten Anwendungsjahr (modifiziert nach Trussell et al., 2011):

MethodeGebrauchssicherheit (Typical Use)Methodensicherheit (Perfect Use)
Keine Kontrazeption85 %85 %
Spermizide28 %18 %
Coitus interruptus20 %k.A.
Kondom (Mann)13 %2 %
Frauenkondom21 %5 %
Diaphragma12-18 %4 % bzw. 14 %
Laktationsamenorrhoe (bezogen auf 6 Monate)0,45-2,45 %0,97-1,5 %
Sensiplan (NFP)0,4 %1,8-2,3 %
Kupfer-IUP (≥ 300 mm²)0,1-1 %k.A.
LNG-IUD0,06-0,12 %k.A.
Sterilisation (Frau)0,5 %0,5 %
Sterilisation (Mann)0,15 %0,10 %

(Anmerkung: Die Datenlage für Barrieremethoden der Frau ist teils begrenzt. Bei NFP-Methoden und Barrieremethoden ist die Spannbreite zwischen Gebrauchs- und Methodensicherheit besonders groß, da ihre Effektivität auf einer konsistenten und korrekten Anwendung basiert.)

Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen (STI)

Neben der reinen Empfängnisverhütung muss das Risiko von sexuell übertragbaren Infektionen (STI) in der Beratung thematisiert werden. Kondome bieten hierbei einen entscheidenden Vorteil: Bei konsistenter und korrekter Anwendung reduzieren sie effektiv das Risiko für HIV sowie andere STIs wie Chlamydien, Gonorrhoe und Trichomoniasis.

💡Praxis-Tipp

Verwenden Sie in der Aufklärung zur kontrazeptiven Sicherheit nicht mehr den Pearl-Index. Kommunizieren Sie stattdessen die Raten ungewollter Schwangerschaften basierend auf Life-Table-Werten und unterscheiden Sie in der Beratung klar zwischen Gebrauchs- und Methodensicherheit.

Häufig gestellte Fragen

Die Gebrauchssicherheit (Typical Use) schließt anwenderbedingte Fehler im Alltag ein. Die Methodensicherheit (Perfect Use) beschreibt die Effektivität bei absolut korrekter und konsistenter Anwendung.
Laut Leitlinie liegen der Pearl-Formel erhebliche Ungenauigkeiten zugrunde. Zur Berechnung der Sicherheit sollten stattdessen Life-Table-Werte bevorzugt werden.
Nur das Kondom reduziert bei konsistenter und korrekter Anwendung effektiv das Risiko für HIV und andere STIs wie Chlamydien, Gonorrhoe oder Trichomoniasis.
Kupfer-IUPs mit einer Kupferoberfläche von ≥ 300 mm² weisen eine sehr hohe Gebrauchssicherheit auf. Die Schwangerschaftsrate liegt bei 0,1 bis 1 % im ersten Anwendungsjahr.

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