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PCOS Leitlinie 2025: Diagnostik & Therapie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose erfordert nach den Rotterdam-Kriterien zwei von drei Merkmalen: Hyperandrogenismus, ovulatorische Dysfunktion oder polyzystische Ovarmorphologie (PCOM)/hohes AMH.
  • Ein generelles Screening des Glukosestoffwechsels (OGTT, HbA1c oder Nüchternblutzucker) wird alle 1-3 Jahre empfohlen; Insulinresistenzparameter sollen nicht bestimmt werden.
  • Frauen mit PCOS haben ein 2,7- bis 7-fach erhöhtes Risiko für ein Endometriumkarzinom; eine primäre Prävention durch adäquate Gestagenwirkung ist essenziell.
  • Ein regelmäßiges Screening auf kardiovaskuläre Risikofaktoren, MASLD, Schlafapnoe, Hashimoto-Thyreoiditis sowie Depressionen und Angststörungen ist obligatorisch.
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Hintergrund

Das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) betrifft 8-13 % aller Frauen im reproduktiven Alter. Die Betreuung sollte interdisziplinär erfolgen, da neben gynäkologischen und endokrinologischen Funktionsstörungen auch metabolische und psychische Komorbiditäten auftreten. Frauen mit PCOS haben unabhängig vom Alter ein dreifach erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes und Gestationsdiabetes sowie ein bis zu 7-fach erhöhtes Risiko für ein Endometriumkarzinom.

Diagnostik und Definition

Die Diagnose des PCOS soll nach der modifizierten Definition nach Rotterdam gestellt werden. Es müssen mindestens zwei der drei folgenden Kriterien vorliegen (Ausschluss relevanter Differenzialdiagnosen vorausgesetzt):

  • Klinischer und/oder biochemischer Hyperandrogenismus
  • Ovulatorische Dysfunktion
  • Polyzystische Ovarmorphologie (PCOM) und/oder hohe AMH-Konzentration

Basierend auf diesen Kriterien ergeben sich vier klinische Phänotypen:

PhänotypAndrogenexzessOvulatorische DysfunktionPCOM (Ultraschall)
AJaJaJa
BJaJaNein
CJaNeinJa
DNeinJaJa

Klinische und laborchemische Kriterien

Hyperandrogenismus

Die klinische Beurteilung umfasst Hirsutismus, Alopezie und Akne.

  • Hirsutismus: Beurteilung durch den modifizierten Ferriman-Gallwey-Score (Cut-off > 4-6).
  • Alopezie: Einteilung nach Ludwig (Grad I-III).
  • Labor: Bestimmung von Gesamttestosteron, SHBG, Freiem Androgenindex (FAI) und ggf. Androstendion und DHEAS.

Ovulatorische Dysfunktion

Primär klinisch festzustellen durch Zyklustempostörungen:

  • Zyklusdauer wiederholt < 21 Tage
  • Zyklusdauer ≥ 35 Tage
  • < 8 Zyklen pro Jahr

Polyzystische Ovarmorphologie (PCOM)

Die Ultraschallkriterien hängen von der verwendeten Sonde ab:

SondeAntraler Follikelcount (AFC, 2-9 mm)Ovarvolumen
8 MHz≥ 20 Follikel≥ 10 ml
5 MHz≥ 12 Follikel≥ 10 ml

Hinweis: Das Anti-Müller-Hormon (AMH) sollte aktuell nicht als alleiniges Merkmal zur Diagnosestellung genutzt werden, kann aber als Surrogatparameter dienen.

Differenzialdiagnosen

Vor der Diagnosestellung sollen andere Ursachen ausgeschlossen werden:

Diagnose / LeitsymptomLabordiagnostik
ProlaktinomProlaktin
SchilddrüsenfunktionsstörungTSH, fT4
Late-onset AGS17-OH-Progesteron, ggf. ACTH-Test
Primäre OvarialinsuffizienzFSH
Cushing-SyndromCortisol, ACTH, 1 mg Dexamethason-Hemmtest
Androgensezernierende Tumoren1 mg Dexamethason-Hemmtest

Screening und Management von Komorbiditäten

Glukosestoffwechsel und Adipositas

  • Glukosestoffwechsel: Bei Erstdiagnose und alle 1-3 Jahre Evaluierung mittels OGTT, HbA1c und/oder Nüchternblutzucker. Parameter der Insulinresistenz sollen nicht bestimmt werden.
  • Adipositas: BMI und Taillenumfang mindestens jährlich überprüfen. Therapie nach S3-Leitlinie Adipositas.

Kardiovaskuläres Risiko

  • Dyslipidämie: Lipid-Profil unabhängig von Alter und BMI bestimmen. Bei Kinderwunsch Statintherapie 3 Monate präkonzeptionell pausieren.
  • Arterielle Hypertonie: Mindestens jährlich Blutdruck kontrollieren. In der Schwangerschaft ist α-Methyl-DOPA das Mittel der ersten Wahl, alternativ Nifedipin. ACE-Hemmer und Sartane sind präkonzeptionell abzusetzen.

Lebererkrankungen (MASLD)

Frauen mit PCOS haben ein erhöhtes Risiko für eine metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD).

  • Screening mittels Sonographie und Scores (FLI, FIB-4) bei Vorliegen von Risikofaktoren.
  • Bei wiederholter ALT-Erhöhung soll eine hepatologische Abklärung erfolgen.

Endometriumkarzinom

Das Risiko für ein Endometriumkarzinom ist bei PCOS um das 2,7- bis 7-fache erhöht.

  • Bei chronischer Anovulation sollte eine adäquate Gestagenwirkung am Endometrium sichergestellt werden (primäre Prävention).
  • Geeignete Maßnahmen: Zyklische Gestagengabe, kombinierte hormonale Kontrazeptiva, östrogenfreie Ovulationshemmer oder Levonorgestrel-haltige Intrauterinpessare (LNG-IUD).

Psychosoziale Aspekte und Lebensqualität

  • Depression und Angst: Erhöhtes Risiko. Screening bei Diagnosestellung (z.B. mit PHQ-4) sollte erfolgen.
  • Schlafapnoe (OSAS): Bei typischen Beschwerden (Schnarchen, Tagesmüdigkeit) Screening mit Fragebögen (z.B. Berliner Fragebogen).
  • Autoimmunthyreoiditis Hashimoto: Screening bei Erstvorstellung und im Verlauf empfohlen. Bei Hypothyreose L-Thyroxin-Substitution.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie in der Praxis auf die Bestimmung von Insulinresistenzparametern (wie HOMA-Index). Führen Sie stattdessen bei Erstdiagnose und im Verlauf alle 1-3 Jahre eine Evaluierung des Kohlenhydratstoffwechsels (OGTT, HbA1c, Nüchternblutzucker) durch.

Häufig gestellte Fragen

Die modifizierten Rotterdam-Kriterien: Es müssen mindestens zwei der drei Kriterien (Hyperandrogenismus, ovulatorische Dysfunktion, PCOM/hohes AMH) erfüllt sein.
Bei einer 8 MHz-Sonde: ≥ 20 Follikel (2-9 mm) und/oder Ovarvolumen ≥ 10 ml. Bei einer 5 MHz-Sonde: ≥ 12 Follikel und/oder Ovarvolumen ≥ 10 ml.
Gesamttestosteron, SHBG, Freier Androgenindex (FAI) und ggf. Androstendion sowie DHEAS.
Alpha-Methyldopa ist die erste Wahl. Alternativ kann Nifedipin eingesetzt werden. ACE-Hemmer und Sartane sind kontraindiziert.
Bei chronischer Anovulation muss eine adäquate Gestagenwirkung sichergestellt werden (z.B. durch zyklische Gestagengabe, kombinierte Kontrazeptiva oder LNG-IUD).

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