Hodentumoren (Keimzelltumoren): Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Keimzelltumoren (KZT) des Hodens sind bei Männern zwischen 20 und 44 Jahren die häufigste bösartige Tumorerkrankung. Die Inzidenz ist in den letzten Jahrzehnten in industrialisierten Ländern gestiegen, jedoch gehört der KZT zu den Tumorerkrankungen mit den höchsten Überlebenswahrscheinlichkeiten.
Die Prognose der Patienten hängt im Wesentlichen von der Histologie (Seminom versus Nichtseminom), dem Tumorstadium und dem Alter ab. Als gesicherte Risikofaktoren für die Entstehung gelten eine Vorerkrankung mit einseitigem KZT, ein Maldeszensus testis (Kryptorchismus), eine familiäre Disposition sowie Infertilität.
Ein allgemeines Screening auf das Vorliegen eines KZT wird für asymptomatische Männer nicht empfohlen. Eine regelmäßige Selbstuntersuchung der Hoden sollte jedoch insbesondere jungen Männern angeraten werden, da sie zu einer frühzeitigen Diagnosestellung beitragen kann.
💡Praxis-Tipp
Ein kritischer Punkt in der klinischen Routine ist die rechtzeitige Fertilitätsprotektion. Laut Leitlinie soll die Aufklärung und das Angebot zur Kryokonservierung von Spermien zwingend vor dem ersten therapeutischen Schritt, also noch vor der Ablatio testis oder Chemotherapie, erfolgen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie sollen vor einer operativen Hodenfreilegung zwingend die Serumtumormarker AFP, Beta-hCG und LDH bestimmt werden. Diese Werte sind essenziell für die Stadieneinteilung und die spätere Prognoseabschätzung.
Ein Organerhalt wird gemäß Leitlinie nur in speziellen Ausnahmefällen empfohlen, etwa bei Vorliegen eines Einzelhodens, bei synchronen bilateralen Tumoren oder bei benignen Befunden. Bei einem gesunden kontralateralen Hoden ist die radikale Ablatio testis der Standard.
Die Leitlinie favorisiert die aktive Überwachung (Surveillance) als Standardstrategie für das Seminom im Stadium I. Nur bei Vorliegen von Risikofaktoren wie einer Tumorgröße über 4 cm kann im Einzelfall eine adjuvante Therapie mit Carboplatin oder Bestrahlung erwogen werden.
Das Standardregime ist laut Leitlinie die Kombination aus Cisplatin, Etoposid und Bleomycin (PEB). Die Anzahl der Zyklen richtet sich nach der IGCCCG-Prognosegruppe und beträgt in der Regel 3 Zyklen bei guter Prognose und 4 Zyklen bei intermediärer oder schlechter Prognose.
In der primären Ausbreitungsdiagnostik wird ein PET-CT nicht empfohlen. Die Leitlinie sieht den Einsatz primär bei Seminom-Patienten vor, die nach einer Chemotherapie Residualtumoren von mehr als 3 cm aufweisen, um vitales Tumorgewebe von Narbengewebe zu unterscheiden.
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Quelle: S3-Leitlinie Hodentumoren v1.1 (2020) (Leitlinienprogramm Onkologie, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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