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AWMFS3Onkologie

Keimzelltumoren des Hodens: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein allgemeines Screening wird nicht empfohlen, junge Männer sollten jedoch zur regelmäßigen Selbstuntersuchung angeleitet werden.
  • Die Primärdiagnostik umfasst zwingend eine beidseitige Hodensonographie (mind. 7,5 MHz) sowie die Bestimmung der Tumormarker AFP, Beta-hCG und LDH vor der Operation.
  • Als Standard für die Ausbreitungsdiagnostik (Staging) gilt die kontrastmittelgestützte CT von Abdomen, Becken und Thorax.
  • Therapie der Wahl ist die inguinale Hodenfreilegung mit Ablatio testis; ein Organerhalt ist nur in Ausnahmefällen (z.B. Einzelhoden) indiziert.
  • Das FDG-PET/CT ist in der Primärdiagnostik nicht indiziert und bleibt primär der Beurteilung von Residualtumoren bei Seminomen nach Chemotherapie vorbehalten.
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Hintergrund

Der Keimzelltumor (KZT) des Hodens ist mit einem Anteil von etwa 25 % die häufigste bösartige Tumorerkrankung bei Männern zwischen 20 und 44 Jahren. Die Inzidenz liegt in Deutschland bei etwa 10 von 100.000 Männern. Die Prognose ist im Allgemeinen sehr gut und hängt maßgeblich von Histologie, Tumorstadium, Alter und der Versorgungsqualität ab. Ein allgemeines Screening wird nicht empfohlen (Empfehlungsgrad A), jedoch sollte jungen Männern eine regelmäßige Selbstuntersuchung angeraten werden.

RisikofaktorBeschreibung
VorerkrankungEinseitiger KZT erhöht das Risiko für einen kontralateralen Tumor (2,5-5 %)
Maldeszensus testisRR 2,90 bis OR 4,30; auch der normal deszendierte Hoden trägt ein erhöhtes Risiko
Familiäre DispositionErhöhtes Risiko bei Erkrankung des Vaters (RR 2,0) oder Bruders (RR 4,1)
InfertilitätInzidenz bei Infertilität auf 1:200 erhöht

Primärdiagnostik

Bei klinischem Verdacht auf einen KZT (meist einseitige, schmerzlose Größenzunahme) müssen umgehend folgende diagnostische Schritte eingeleitet werden:

  • Körperliche Untersuchung: Palpation der Hoden in bimanueller Technik, der supraklavikulären und inguinalen Lymphknoten sowie des Abdomens und der Brustdrüsen.
  • Sonographie: Beidseitige Hodensonographie mit mindestens 7,5 MHz Schallkopf (Expertenkonsens) zur Differenzierung zwischen extra- und intratestikulären Raumforderungen.
  • Serumtumormarker: Bestimmung von AFP, Beta-hCG und LDH zwingend vor der Ablatio testis (Expertenkonsens). Bei präoperativ erhöhten Werten müssen diese postoperativ alle 5-7 Tage bis zur Normalisierung bzw. zum Nadir kontrolliert werden.
TumormarkerKlinische Bedeutung
AFPErhöht bei 40-60 % der nichtseminomatösen KZT. Niemals erhöht bei reinen Seminomen.
Beta-hCGErhöht bei 40-60 % der Nichtseminome und 10-25 % der Seminome. Exzessiv erhöht bei Chorionkarzinomen.
LDHUnspezifischer Marker, korreliert aber mit Tumorvolumen und Proliferation.

Ausbreitungsdiagnostik (Staging)

Zur Erfassung von Metastasen gelten klare bildgebende Standards:

BildgebungIndikation und Empfehlungsgrad
CT Abdomen/Becken & ThoraxStandard für alle Männer mit neu diagnostiziertem KZT (Empfehlungsgrad A).
MRT Abdomen/BeckenBei Kontraindikationen gegen iodhaltiges Kontrastmittel (Allergie, Niereninsuffizienz, Schilddrüsenstörung) (Empfehlungsgrad A).
MRT SchädelBei schlechter Prognosegruppe (IGCCCG), exzessivem Beta-hCG, multiplen Lungenmetastasen oder neurologischen Symptomen (Empfehlungsgrad B).
FDG-PET/CTNicht routinemäßig in der Primärdiagnostik (Empfehlungsgrad A). Kann bei Seminomen zur Beurteilung von Residualtumoren >3 cm nach Chemotherapie eingesetzt werden (Empfehlungsgrad 0).

Operative Therapie

Die chirurgische Intervention ist in der Regel der erste therapeutische Schritt nach der Diagnosestellung:

  • Ablatio testis: Bei Verdacht auf KZT soll eine inguinale Hodenfreilegung und bei Nachweis eines Malignoms die Ablatio testis erfolgen (Empfehlungsgrad A).
  • Organerhaltende Exzision: Bei gesundem kontralateralem Hoden nicht indiziert (Ausnahme: Teratom ohne GCNIS). In Betracht zu ziehen bei bilateralem KZT, Einzelhoden oder benignen Tumoren (Expertenkonsens).
  • Adjuvante Bestrahlung: Zur Eradikation einer Keimzellneoplasie in situ (GCNIS) nach organerhaltender Therapie bei Einzelhoden soll eine Bestrahlung mit 18-20 Gy erfolgen (Expertenkonsens).
  • Kontralaterale Biopsie: Soll bei Patienten mit erhöhtem Risiko für eine GCNIS im kontralateralen Hoden nach Aufklärung durchgeführt werden (Empfehlungsgrad A).

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie die Tumormarker AFP, Beta-hCG und LDH zwingend vor der Orchiektomie. Beachten Sie: Ein reines Seminom geht niemals mit einem erhöhten AFP-Wert einher – ist AFP erhöht, muss von einem Nichtseminom ausgegangen werden.

Häufig gestellte Fragen

Eine kontrastmittelgestützte Computertomographie (CT) von Abdomen, Becken und Thorax.
Nur in Ausnahmefällen, wie bei einem bilateralen Tumor, einem Tumor im Einzelhoden oder bei benignen Befunden. Bei einem gesunden kontralateralen Hoden ist die Ablatio testis der Standard.
Das FDG-PET/CT soll in der primären Ausbreitungsdiagnostik nicht routinemäßig eingesetzt werden. Es hat seinen Stellenwert lediglich in der Beurteilung von Residualtumoren (>3 cm) bei Seminomen nach Abschluss einer Chemotherapie.
Vor der operativen Freilegung müssen zwingend AFP, Beta-hCG und LDH im Serum bestimmt werden.

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