HIV-PrEP: Indikation, Dosierung und Verlaufskontrolle
Hintergrund
Die AWMF-Leitlinie zur HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) fokussiert sich auf die medikamentöse Prävention einer HIV-Infektion bei HIV-negativen Personen. Die orale Einnahme antiretroviraler Substanzen senkt das Transmissionsrisiko signifikant.
Ein substanzielles Risiko besteht laut Leitlinie unter anderem bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), und Trans-Personen mit kondomlosem Analverkehr oder kürzlichen sexuell übertragbaren Infektionen (STI). Auch serodiskordante Konstellationen mit virämischen Partnern ohne suppressive Therapie stellen eine Indikation dar.
Die PrEP wird als Teil eines umfassenden Präventionspaketes betrachtet. Es wird betont, dass die Medikation ausschließlich vor HIV schützt und mit Beratungen zu anderen Schutzmaßnahmen sowie STI-Impfungen kombiniert werden soll.
Klinischer Kontext
Epidemiologie: Die HIV-Infektion stellt weltweit weiterhin eine signifikante gesundheitliche Herausforderung dar, wobei bestimmte Schlüsselpopulationen wie Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), und intravenös Drogengebrauchende ein erhöhtes Risiko aufweisen. Die medikamentöse Präexpositionsprophylaxe (PrEP) hat sich als effektive Methode etabliert, um die Inzidenz in diesen Hochrisikogruppen signifikant zu senken. Pathophysiologie: Die PrEP nutzt antiretrovirale Medikamente, meist eine Kombination aus Tenofovir und Emtricitabin, um die Replikation des HI-Virus unmittelbar nach einer potenziellen Exposition zu blockieren. Durch die Hemmung der reversen Transkriptase wird verhindert, dass das Virus sein genetisches Material in die Wirtszelle integriert und eine chronische Infektion etabliert. Klinische Bedeutung und Diagnostik: Für behandelnde Ärzte ist die Identifikation von Personen mit hohem Expositionsrisiko essenziell, um präventive Maßnahmen frühzeitig anzubieten. Vor Beginn einer PrEP und während der Einnahme sind regelmäßige Testungen auf HIV, andere sexuell übertragbare Infektionen (STI) sowie die Überwachung der Nierenfunktion zwingend erforderlich.
Wissenswertes
Eine PrEP wird primär für HIV-negative Personen mit einem substanziellen Risiko für eine HIV-Infektion in Betracht gezogen. Dazu gehören unter anderem Männer, die Sex mit Männern haben und häufig ungeschützten Verkehr praktizieren, sowie Partner von HIV-positiven Personen ohne virale Suppression.
Standardmäßig wird eine fixe Dosiskombination aus den Reverse-Transkriptase-Inhibitoren Tenofovir und Emtricitabin eingesetzt. Diese Medikamente verhindern die Umschreibung der viralen RNA in DNA und stoppen so die Virusvermehrung frühzeitig.
Vor dem Start einer PrEP muss eine bestehende HIV-Infektion laborchemisch sicher ausgeschlossen werden, um Resistenzbildungen zu vermeiden. Zudem sind die Bestimmung der Nierenfunktion, ein Screening auf Hepatitis B und C sowie Tests auf andere sexuell übertragbare Infektionen essenziell.
Unter einer laufenden PrEP-Einnahme sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen in der Regel alle drei Monate indiziert. Dabei stehen erneute HIV-Tests, STI-Screenings und die Überprüfung der Nierenretentionsparameter im Vordergrund.
Bei der anlassbezogenen PrEP erfolgt die Einnahme der Medikamente gezielt vor und nach einem erwarteten sexuellen Risiko. Dieses Schema erfordert eine genaue zeitliche Planung und wird in der Regel nur für bestimmte Patientengruppen als Alternative zur täglichen Einnahme diskutiert.
Zu den häufigsten initialen Nebenwirkungen zählen gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit oder Diarrhö, die meist nach wenigen Wochen abklingen. Langfristig bedürfen mögliche Einschränkungen der Nierenfunktion und eine Abnahme der Knochendichte besonderer ärztlicher Aufmerksamkeit.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt eindringlich vor der diagnostischen Lücke bei PrEP-Beginn oder nach Unterbrechungen. Es wird empfohlen, vier Wochen nach dem Start eine erneute HIV-Serologie durchzuführen, um eine unerkannte Frühinfektion auszuschließen. Eine Fortführung der PrEP bei bereits bestehender HIV-Infektion birgt ein hohes Risiko für eine rasche Resistenzentwicklung gegen TDF und FTC.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird bei kontinuierlicher Einnahme von einem ausreichenden Schutz nach 3 Tagen (Kolorektalschleimhaut) bzw. 7 Tagen (vaginale Schleimhaut) ausgegangen. Bei der anlassbezogenen Einnahme für analen Sex besteht der Schutz 2 bis 24 Stunden nach der initialen Doppeldosis.
Es wird empfohlen, die PrEP bei weiterbestehendem HIV-Infektionsrisiko in der Schwangerschaft unverändert fortzuführen. Eine akute HIV-Infektion der Mutter würde ein sehr hohes Transmissionsrisiko für den Fötus bedeuten.
Die Leitlinie betont, dass die PrEP mit TDF/FTC ausschließlich das Risiko einer HIV-Transmission reduziert. Sie bietet keinen Schutz vor anderen sexuell übertragenen Infektionen wie Syphilis, Gonorrhö oder Chlamydien.
Bei einem positiven Suchtest wird eine sofortige Bestimmung der Plasma-HIV-RNA (PCR) empfohlen. Bestätigt sich die Infektion, muss die PrEP abgesetzt und durch eine antiretrovirale Therapie mit hoher Resistenzbarriere ersetzt werden.
Eine generelle Empfehlung für eine STI-PEP mit Doxycyclin wird in der Leitlinie aktuell nicht ausgesprochen. Bei Personen mit mehreren sexuell übertragenen Infektionen im letzten Jahr kann sie jedoch im Einzelfall erwogen werden.
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Quelle: Deutsch-Österreichische Leitlinie zur HIV-Präexpositionsprophylaxe (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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