ClariMedClariMed

HIV-PEP Leitlinie: Indikation, Zeitfenster & Therapie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die PEP sollte unverzüglich, idealerweise innerhalb von 2 Stunden, begonnen werden.
  • Das maximale Zeitfenster beträgt 24 Stunden (perkutan) bzw. 72 Stunden (Schleimhaut).
  • Die Standarddauer der medikamentösen Prophylaxe beträgt 28 bis 30 Tage.
  • Bevorzugt werden gut verträgliche Integrase-Inhibitor-basierte Dreifachkombinationen eingesetzt.
  • Bei einer Viruslast der Indexperson von <50 Kopien/ml ist in der Regel keine PEP indiziert.
  • Nach ungeschütztem Oralverkehr oder Stichen an herumliegenden Kanülen besteht keine PEP-Indikation.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die postexpositionelle Prophylaxe (PEP) zielt darauf ab, nach einem Kontakt mit HIV-infektiösen Körperflüssigkeiten die Etablierung einer systemischen Infektion durch die Gabe antiretroviraler Medikamente zu verhindern. Die Wirksamkeit ist maßgeblich vom Zeitintervall zwischen Exposition und Therapiebeginn abhängig.

Zeitfenster und Dauer

  • Optimaler Beginn: Unverzüglich, am besten innerhalb von 2 Stunden nach Exposition.
  • Maximales Zeitfenster: Spätestens bis 24 Stunden nach perkutaner Exposition und bis 72 Stunden nach Schleimhautexposition.
  • Therapiedauer: Die PEP soll über 28 bis 30 Tage durchgeführt werden.

Indikationen: Berufliche Exposition

Die Entscheidung zur PEP hängt von der Art der Verletzung und der Viruslast der Indexperson ab.

ExpositionsereignisIndexperson >50 Kopien/ml (oder unbekannt)Indexperson <50 Kopien/ml
Tiefe Stich-/Schnittverletzung (Hohlraumnadel, Skalpell mit Blut)EmpfehlenAnbieten (bei großen Blutmengen)
Oberflächliche Verletzung, Schleimhautkontakt (Auge, Wunde)AnbietenNicht indiziert
Intakte Haut, Kontakt mit Urin, Speichel, KotNicht indiziertNicht indiziert

Indikationen: Nicht-berufliche Exposition

Auch bei sexueller Exposition oder intravenösem Drogengebrauch muss das Risiko individuell abgewogen werden.

ExpositionsartEmpfehlungBemerkung
Anal-/Vaginalverkehr (Index-Viruslast >1000 Kopien/ml)EmpfehlenGilt für rezeptiv und insertiv
Anal-/Vaginalverkehr (Index-Viruslast 50-1000 Kopien/ml)Anbieten-
Anal-/Vaginalverkehr (Index-Status unbekannt, aber Hochrisiko)AnbietenZ.B. MSM, i.v. Drogenkonsum, Vergewaltigung
Gemeinsame Nutzung von i.v. DrogenbesteckEmpfehlenHohes Transmissionsrisiko
Oralverkehr (aktiv oder passiv)Nicht indiziertUnabhängig vom Status der Indexperson
Stich durch herumliegende Kanüle (z.B. Sandkasten)Nicht indiziertGgf. an Hepatitis B/C und Tetanus denken

Medikamentöse Therapie

Für Erwachsene und Jugendliche (ab 12 Jahren, >35 kg Körpergewicht) werden primär Integrase-Inhibitor-basierte Kombinationen empfohlen, da diese gut verträglich sind und wenig Wechselwirkungen aufweisen.

WirkstoffkombinationDosierungEvidenz / Bemerkung
TDF/FTC + Raltegravir (RAL)2x 400 mg oder 1x 2 zu je 600 mgEmpfohlen
TDF/FTC + Dolutegravir (DTG)50 mgEmpfohlen
TAF/FTC/BIC1 TabletteEmpfohlen (Kontraindiziert in der Schwangerschaft)
TDF/FTC + DRV/r800/100 mgAlternative bei Nichtverfügbarkeit
TAF/FTC/EVG/c1 TabletteAlternative (Kontraindiziert in der Schwangerschaft)

(Legende: TDF = Tenofovir-Disoproxil, FTC = Emtricitabin, TAF = Tenofovir-Alafenamid, BIC = Bictegravir, DRV/r = Darunavir/Ritonavir, EVG/c = Elvitegravir/Cobicistat)

Diagnostik und Verlaufskontrolle

  • Vor PEP-Beginn (Exponierte Person): Blutbild, Leber- und Nierenwerte, HIV-Antikörpertest, HCV-Antikörper, Hepatitis-B-Marker (HBsAg, Anti-HBc, Anti-HBs). Bei Frauen ggf. Schwangerschaftstest.
  • Indexperson (falls verfügbar): HIV-Test, Hepatitis B/C-Serologie, ggf. Lues-Serologie.
  • Verlaufskontrolle: Ein abschließender HIV-Antikörpertest muss 6 Wochen nach Ende der PEP erfolgen, um eine Infektion sicher auszuschließen.

💡Praxis-Tipp

Verzögern Sie den Beginn der PEP niemals, um auf Laborergebnisse (z.B. den HIV-Test der Indexperson) zu warten. Beginnen Sie die Therapie sofort; sie kann bei fehlender Indikation jederzeit wieder abgesetzt werden.

Häufig gestellte Fragen

Optimalerweise innerhalb von 2 Stunden. Nach perkutaner Exposition ist ein Beginn bis maximal 24 Stunden, nach Schleimhautexposition bis maximal 72 Stunden sinnvoll.
Nein, nach Oralverkehr (unabhängig davon, ob aktiv, passiv oder mit Spermaaufnahme) besteht laut Leitlinie keine Indikation für eine PEP.
Die Standarddauer der medikamentösen Prophylaxe beträgt 28 bis 30 Tage.
Eine HIV-PEP ist nicht indiziert, da das Übertragungsrisiko extrem gering ist. Es sollte jedoch an eine mögliche Infektion mit Hepatitis B, C und Tetanus gedacht werden.
Der abschließende HIV-Antikörpertest soll 6 Wochen nach dem Ende der PEP-Einnahme durchgeführt werden.

Verwandte Leitlinien