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STI-Beratung und Diagnostik: S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • STI-Beratung muss freiwillig, vertraulich und ergebnisoffen erfolgen.
  • Eine HIV-PEP sollte idealerweise innerhalb von 24 Stunden, maximal jedoch bis 72 Stunden nach Exposition gestartet werden.
  • Die HIV-PrEP erfordert eine engmaschige medizinische Begleitung inklusive Nierenwertkontrolle und STI-Screening.
  • HPV-Impfungen werden standardmäßig für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren empfohlen.
  • Die klinische und labordiagnostische Untersuchung muss risikoadaptiert nach Geschlecht und Sexualpraktiken erfolgen.
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Hintergrund

Die AWMF-S2k-Leitlinie definiert Standards für die Beratung, Diagnostik und Prävention von sexuell übertragbaren Infektionen (STI). Ziel ist die Förderung der sexuellen Gesundheit durch kompetente, empathische und risikoadaptierte Betreuung.

Grundlagen der STI-Beratung

Eine erfolgreiche STI-Beratung erfordert medizinisches, psychosoziales und epidemiologisches Fachwissen.

  • Starker Konsens: Die Beratung sollte kostenlos oder kostengünstig, gut erreichbar und vertraulich (mit Möglichkeit zur Anonymität) sein.
  • Die Anamnese muss sexuelle Praktiken, Anzahl der Partner, Schutzmaßnahmen und den Impfstatus umfassen.
  • Die Beratung erfolgt stets freiwillig und ergebnisoffen.

Postexpositionsprophylaxe (PEP)

Die Indikation zur HIV-PEP basiert auf der Abschätzung des Infektionsrisikos. Sie muss so schnell wie möglich, idealerweise innerhalb von 24 Stunden, begonnen werden. Nach 72 Stunden wird eine PEP nicht mehr empfohlen.

ExpositionsereignisHIV-Status der IndexpersonEmpfehlung
Ungeschützter vaginaler/analer GVPositiv (Viruslast > 1000 Kopien/ml)PEP empfehlen
Ungeschützter vaginaler/analer GVPositiv (Viruslast 50-1000 Kopien/ml)PEP anbieten
Ungeschützter Analverkehr (MSM)UnbekanntPEP anbieten
Ungeschützter oraler GVPositiv oder UnbekanntKeine PEP

Die Standardprophylaxe erfolgt über 4 Wochen (z.B. mit Tenofovir-disoproxil/Emtricitabin + Raltegravir oder Dolutegravir).

Präexpositionsprophylaxe (PrEP)

Die PrEP ist eine hocheffektive Methode zur HIV-Prävention. Die Indikation wird individuell nach ausführlicher Beratung gestellt.

  • Starker Konsens: Die PrEP-Einnahme erfordert eine regelmäßige medizinische Betreuung.
  • Zwingend erforderlich sind: Kontrolle der Nierenwerte, Testung auf HIV und andere STI sowie die Vervollständigung des Impfstatus.

Impfprävention

Impfungen sind eine zentrale Säule der STI-Prävention. Der Impfstatus sollte routinemäßig überprüft werden.

ImpfungZielgruppeSchema / Bemerkung
HPVMädchen & Jungen (9-14 Jahre)2 Dosen (Abstand 5-13 Monate). Ab 15 Jahren 3 Dosen.
Hepatitis A/BPersonen mit hohem Risiko (z.B. MSM)Kontrolle des Impferfolgs 4-8 Wochen nach Grundimmunisierung.

Klinische und labordiagnostische Diagnostik

Die Untersuchung muss risikoadaptiert erfolgen. Bei MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) müssen beispielsweise zwingend der Rektal- und Rachenraum in die Diagnostik einbezogen werden.

LeitsymptomMögliche STI-Erreger
Dysurie / Urethraler FluorC. trachomatis, N. gonorrhoeae, M. genitalium, T. vaginalis, HSV
Anogenitales UlkusT. pallidum, C. trachomatis (L1-3), H. ducreyi, HSV
Vermehrter vaginaler FluorC. trachomatis, N. gonorrhoeae, T. vaginalis, M. genitalium
LymphknotenschwellungC. trachomatis (L1-3), H. ducreyi, N. gonorrhoeae, T. pallidum, HSV, HIV

Starker Konsens: Der Diagnostik soll immer ein ausführliches Gespräch vorangehen, da die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Erreger stark von Alter, Geschlecht und Sexualanamnese abhängt.

💡Praxis-Tipp

Beginnen Sie eine HIV-PEP idealerweise innerhalb von 24 Stunden nach dem Risikoereignis. Nach Ablauf von 72 Stunden wird eine PEP nicht mehr empfohlen; stattdessen sollte ein engmaschiges HIV-Monitoring erfolgen.

Häufig gestellte Fragen

Bei ungeschütztem Verkehr mit einer HIV-positiven Person (Viruslast >1000 Kopien/ml) oder bei ungeschütztem Analverkehr unter MSM mit unbekanntem HIV-Status.
So schnell wie möglich, idealerweise innerhalb von 24 Stunden, maximal jedoch bis 72 Stunden nach der Exposition.
Regelmäßige Kontrollen der Nierenwerte, Testung auf HIV und andere STI sowie die Überprüfung und Vervollständigung des Impfstatus.
Standardmäßig für alle Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren, mit Nachholimpfungen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr.
Zu den häufigsten Erregern zählen Treponema pallidum (Syphilis), Chlamydia trachomatis (Serovare L1-3), Haemophilus ducreyi und Herpes-simplex-Viren.

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