STI-Beratung und Diagnostik: S2k-Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •STI-Beratung muss freiwillig, vertraulich und ergebnisoffen erfolgen.
- •Eine HIV-PEP sollte idealerweise innerhalb von 24 Stunden, maximal jedoch bis 72 Stunden nach Exposition gestartet werden.
- •Die HIV-PrEP erfordert eine engmaschige medizinische Begleitung inklusive Nierenwertkontrolle und STI-Screening.
- •HPV-Impfungen werden standardmäßig für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren empfohlen.
- •Die klinische und labordiagnostische Untersuchung muss risikoadaptiert nach Geschlecht und Sexualpraktiken erfolgen.
Hintergrund
Die AWMF-S2k-Leitlinie definiert Standards für die Beratung, Diagnostik und Prävention von sexuell übertragbaren Infektionen (STI). Ziel ist die Förderung der sexuellen Gesundheit durch kompetente, empathische und risikoadaptierte Betreuung.
Grundlagen der STI-Beratung
Eine erfolgreiche STI-Beratung erfordert medizinisches, psychosoziales und epidemiologisches Fachwissen.
- Starker Konsens: Die Beratung sollte kostenlos oder kostengünstig, gut erreichbar und vertraulich (mit Möglichkeit zur Anonymität) sein.
- Die Anamnese muss sexuelle Praktiken, Anzahl der Partner, Schutzmaßnahmen und den Impfstatus umfassen.
- Die Beratung erfolgt stets freiwillig und ergebnisoffen.
Postexpositionsprophylaxe (PEP)
Die Indikation zur HIV-PEP basiert auf der Abschätzung des Infektionsrisikos. Sie muss so schnell wie möglich, idealerweise innerhalb von 24 Stunden, begonnen werden. Nach 72 Stunden wird eine PEP nicht mehr empfohlen.
| Expositionsereignis | HIV-Status der Indexperson | Empfehlung |
|---|---|---|
| Ungeschützter vaginaler/analer GV | Positiv (Viruslast > 1000 Kopien/ml) | PEP empfehlen |
| Ungeschützter vaginaler/analer GV | Positiv (Viruslast 50-1000 Kopien/ml) | PEP anbieten |
| Ungeschützter Analverkehr (MSM) | Unbekannt | PEP anbieten |
| Ungeschützter oraler GV | Positiv oder Unbekannt | Keine PEP |
Die Standardprophylaxe erfolgt über 4 Wochen (z.B. mit Tenofovir-disoproxil/Emtricitabin + Raltegravir oder Dolutegravir).
Präexpositionsprophylaxe (PrEP)
Die PrEP ist eine hocheffektive Methode zur HIV-Prävention. Die Indikation wird individuell nach ausführlicher Beratung gestellt.
- Starker Konsens: Die PrEP-Einnahme erfordert eine regelmäßige medizinische Betreuung.
- Zwingend erforderlich sind: Kontrolle der Nierenwerte, Testung auf HIV und andere STI sowie die Vervollständigung des Impfstatus.
Impfprävention
Impfungen sind eine zentrale Säule der STI-Prävention. Der Impfstatus sollte routinemäßig überprüft werden.
| Impfung | Zielgruppe | Schema / Bemerkung |
|---|---|---|
| HPV | Mädchen & Jungen (9-14 Jahre) | 2 Dosen (Abstand 5-13 Monate). Ab 15 Jahren 3 Dosen. |
| Hepatitis A/B | Personen mit hohem Risiko (z.B. MSM) | Kontrolle des Impferfolgs 4-8 Wochen nach Grundimmunisierung. |
Klinische und labordiagnostische Diagnostik
Die Untersuchung muss risikoadaptiert erfolgen. Bei MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) müssen beispielsweise zwingend der Rektal- und Rachenraum in die Diagnostik einbezogen werden.
| Leitsymptom | Mögliche STI-Erreger |
|---|---|
| Dysurie / Urethraler Fluor | C. trachomatis, N. gonorrhoeae, M. genitalium, T. vaginalis, HSV |
| Anogenitales Ulkus | T. pallidum, C. trachomatis (L1-3), H. ducreyi, HSV |
| Vermehrter vaginaler Fluor | C. trachomatis, N. gonorrhoeae, T. vaginalis, M. genitalium |
| Lymphknotenschwellung | C. trachomatis (L1-3), H. ducreyi, N. gonorrhoeae, T. pallidum, HSV, HIV |
Starker Konsens: Der Diagnostik soll immer ein ausführliches Gespräch vorangehen, da die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Erreger stark von Alter, Geschlecht und Sexualanamnese abhängt.
💡Praxis-Tipp
Beginnen Sie eine HIV-PEP idealerweise innerhalb von 24 Stunden nach dem Risikoereignis. Nach Ablauf von 72 Stunden wird eine PEP nicht mehr empfohlen; stattdessen sollte ein engmaschiges HIV-Monitoring erfolgen.