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HIV in der Schwangerschaft: Leitlinie (AWMF/DAIG)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Jeder Schwangeren soll im 1. Trimenon ein HIV-Test angeboten werden.
  • Jede HIV-positive Schwangere soll eine antiretrovirale Therapie (ART) erhalten, spätestens ab dem 2. Trimenon.
  • Bei einer Viruslast < 50 Kopien/ml ist eine vaginale Entbindung ohne intrapartale Prophylaxe möglich.
  • Bei einer Viruslast > 50 Kopien/ml wird eine primäre Sectio ab 37+0 SSW empfohlen.
  • Ein Stillverzicht wird bei einer Viruslast > 50 Kopien/ml strikt empfohlen; bei < 50 Kopien/ml ist eine individuelle Entscheidung möglich.
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Hintergrund

Ohne medizinische Intervention liegt das Risiko einer Mutter-Kind-Transmission (MTCT) von HIV bei 15–25 %. Durch eine adäquate HIV-Transmissionsprophylaxe kann dieses Risiko auf < 1 % gesenkt werden. Die Betreuung erfordert eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von HIV-Behandlerinnen, Geburtshelferinnen und Pädiater*innen.

Diagnostik und Schwangerschaftsvorsorge

Jeder Schwangeren soll im 1. Trimenon ein HIV-Antikörpertest (Suchtest und ggf. Bestätigungstest) empfohlen werden. Bei erhöhtem Risiko ist eine Wiederholung im Verlauf indiziert. Die Schwangerschaft einer Frau mit HIV gilt als Risikoschwangerschaft.

MaßnahmeZeitpunkt / Häufigkeit
HIV-Suchtest1. Trimenon (ggf. Wiederholung 3. Trimenon)
CD4-Zellzahl & HIV-RNAMindestens alle 2 Monate
Obligate HIV-RNA Messung33.-36. SSW
Oraler Glukosetoleranztest23+0 bis 27+6 SSW
Zytologie, Kolposkopie, HPVZu Beginn der Schwangerschaft

Antiretrovirale Therapie (ART) der Mutter

Jede HIV-positive Schwangere soll eine ART erhalten. Ziele sind die maximale Hemmung der Virusreplikation und die Verhinderung der Transmission.

  • Therapiebeginn: So rasch wie möglich, spätestens zu Beginn des 2. Trimenons.
  • Bestehende ART: Eine wirksame ART soll weitergeführt werden, sofern sie aus Substanzen mit ausreichender Sicherheitsdatenlage besteht.
  • Koinfektion Hepatitis B: Die ART soll Tenofovir-DF plus Emtricitabin oder Lamivudin enthalten. Ein Absetzen ist wegen der Gefahr eines Hepatitis-Flares nicht ratsam.

Geburtsmodus und Transmissionsprophylaxe

Das Vorgehen richtet sich maßgeblich nach der mütterlichen Viruslast (HIV-RNA) in der 33.-36. SSW bzw. zeitnah zur Entbindung.

Mütterliche HIV-RNAGeburtsmodusIntrapartale ProphylaxePostnatale Prophylaxe (Kind)
< 50 Kopien/mlVaginale EntbindungKeineZidovudin p.o. für 2 Wochen*
50 - 1.000 Kopien/mlElektive Sectio (ab 37+0 SSW)Zidovudin i.v.Zidovudin p.o. für 4 Wochen
> 1.000 Kopien/mlElektive Sectio (ab 37+0 SSW)Zidovudin i.v.Erweiterte Prophylaxe (Zidovudin + Nevirapin)**
  • Verzicht auf postnatale Prophylaxe möglich, wenn ART vor Schwangerschaft bestand und Viruslast durchgehend < 50 Kopien/ml.
  • *Ggf. ergänzt um Lamivudin oder Raltegravir.

Stillen

Die Empfehlungen zum Stillen hängen von der Virussuppression ab:

  • Viruslast > 50 Kopien/ml: Ein Stillverzicht soll strikt empfohlen werden.
  • Viruslast < 50 Kopien/ml: Die Entscheidung soll partizipativ unter Abwägung von Nutzen und Risiken getroffen werden. Voraussetzung für ein sicheres Stillen sind eine dokumentiert effektive ART, zuverlässige Adhärenz und die Bereitschaft zum zusätzlichen monatlichen HIV-RNA-Monitoring von Mutter und Kind.

Nachsorge des Neugeborenen

Da mütterliche IgG-Antikörper transplazentar übertragen werden, sind klassische HIV-Antikörpertests beim Neugeborenen im ersten Lebensjahr nicht aussagekräftig. Der Ausschluss einer Infektion erfolgt mittels PCR.

  • Ausschlusskriterien: Zwei negative HIV-PCR-Befunde (nach 1 und 3 Monaten) oder ein komplett negativer HIV-Westernblot bei normwertigen Immunglobulinen nach Abbau der mütterlichen Antikörper.
  • Testzeitpunkte (Niedriges Risiko): PCR nach 28-42 Tagen und nach 3-6 Monaten.

💡Praxis-Tipp

Die obligate Viruslast-Bestimmung in der 33.-36. SSW ist essenziell für den klinischen Ablauf: Sie bestimmt direkt den Geburtsmodus und die Notwendigkeit einer intra- sowie postnatalen Transmissionsprophylaxe.

Häufig gestellte Fragen

So rasch wie möglich, spätestens jedoch zu Beginn des 2. Trimenons.
Ja, wenn die Viruslast mindestens vier Wochen vor und bis zur Entbindung bei < 50 Kopien/ml liegt und keine geburtshilflichen Risiken bestehen.
Bei einer Viruslast > 50 Kopien/ml wird ein Stillverzicht empfohlen. Bei < 50 Kopien/ml kann nach ausführlicher Aufklärung und unter engmaschigem Monitoring individuell für das Stillen entschieden werden.
Durch zwei negative HIV-PCR-Befunde (nach einem und nach drei Lebensmonaten) oder einen komplett negativen HIV-Westernblot bei normwertigen Immunglobulinen.

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