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HIV-Infektion und AIDS: Leitlinie (RKI-Ratgeber)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine effektive antiretrovirale Therapie (ART) senkt die Viruslast unter die Nachweisgrenze und verhindert die sexuelle Übertragung (n=n).
  • Die HIV-Diagnostik erfolgt zwingend zweistufig: Suchtest (ELISA 4. Generation) und Bestätigungstest (Immunoblot oder NAT).
  • Ein sicherer Ausschluss einer HIV-Infektion ist mit einem Suchtest der 4. Generation nach 6 Wochen möglich.
  • Eine Postexpositionsprophylaxe (PEP) sollte nach Risikoexposition möglichst innerhalb von Stunden, maximal bis 72 Stunden danach, begonnen werden.
  • Für Personen mit substanziellem Infektionsrisiko wird die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
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Hintergrund

Die Humanen Immundefizienz-Viren (HIV-1 und HIV-2) sind Retroviren, die zu einer fortschreitenden Zerstörung des Immunsystems führen. Unbehandelt mündet die Infektion in das erworbene Immunschwächesyndrom (AIDS).

Die Übertragung erfolgt primär durch:

  • Ungeschützte Sexualkontakte (häufigster Weg)
  • Parenterale Inokulation (z.B. gemeinsame Injektionsutensilien, Nadelstichverletzungen)
  • Vertikale Übertragung (Mutter-Kind-Übertragung vor/während der Geburt oder durch Stillen)

Kein Risiko besteht bei alltäglichen sozialen Kontakten, über Speichel, Tränenflüssigkeit oder Insektenstiche.

Klinischer Verlauf

Die Inkubationszeit bis zur akuten Phase beträgt 6 Tage bis 6 Wochen. Der Verlauf gliedert sich typischerweise in drei Phasen:

PhaseSymptomatik
Akute InfektionMononukleose-ähnliches Bild (Fieber, Lymphknotenschwellung, Exanthem), oft milde oder asymptomatisch.
LatenzphaseMonate bis Jahre andauernd. Meist symptomfrei, teils persistierende Lymphknotenschwellungen.
AIDSSchwerer Immundefekt mit lebensbedrohlichen opportunistischen Infektionen oder malignen Neubildungen (z.B. Kaposi-Sarkom).

Diagnostik

Die HIV-Diagnostik erfordert zwingend eine Zweistufendiagnostik aus Such- und Bestätigungstest.

Diagnostik-StufeTestverfahrenBemerkung
1. SuchtestELISA 4. Generation (Antikörper + p24-Antigen)Ein sicherer Ausschluss ist 6 Wochen nach Exposition möglich.
2. BestätigungImmunoblotPrüft Bindungsspezifität. Bei unklarem Befund: NAT (PCR).

Wichtig: Bei Verdacht auf eine frische Infektion mit unklarem ELISA, aber positiver PCR (>100.000 Kopien/ml), muss das Ergebnis vor ART-Beginn an einer zweiten Blutprobe bestätigt werden.

Therapie (ART)

Die HIV-1-Infektion stellt grundsätzlich eine Behandlungsindikation dar. Ziel der antiretroviralen Therapie (ART) ist die vollständige Hemmung der Virusvermehrung (Viruslast unter Nachweisgrenze, derzeit ca. 20 Kopien/ml).

Kernaussage (n=n): Ist die Viruslast seit mindestens 6 Monaten unter der Nachweisgrenze, ist HIV sexuell nicht mehr übertragbar (nicht nachweisbar = nicht übertragbar).

Therapie opportunistischer Infektionen

ErkrankungBewährte Therapie (Auswahl)
Pneumocystis jirovecii-Pneumonie (PjP)Cotrimoxazol, Dapson + Pyrimethamin + Leucovorin, Atovaquon
ToxoplasmoseCotrimoxazol, Dapson + Pyrimethamin + Leucovorin, Atovaquon
CandidoseFluconazol
Atypische MykobakterioseClarithromycin/Azithromycin + Ethambutol
CMV-InfektionenGanciclovir, Valganciclovir, Foscavir, Cidofovir

Prävention und Prophylaxe

Neben Kondomen und sterilen Injektionsutensilien stehen medikamentöse Prophylaxen zur Verfügung:

MaßnahmeIndikationZeitfenster / Durchführung
PrEP (Tenofovir + Emtricitabin)Personen mit substanziellem Risiko (z.B. MSM ohne Kondom, Partner von unbehandelten Virämikern)Vorbeugende Einnahme. Kassenleistung ab 16 Jahren.
PEP (Postexpositionsprophylaxe)Nach beruflicher (Nadelstich) oder sexueller RisikoexpositionBeginn unverzüglich (innerhalb von Stunden), max. bis 72h. Dauer: 4 Wochen.

Das mittlere Übertragungsrisiko bei einer perkutanen Verletzung mit gesichert positivem Indexfall liegt bei 1:300.

Meldepflicht

Der direkte oder indirekte Nachweis von HIV ist gemäß § 7 Abs. 3 IfSG nichtnamentlich an das RKI zu melden (spätestens 2 Wochen nach Kenntnis).

💡Praxis-Tipp

Ein negatives Ergebnis im ELISA-Suchtest der 4. Generation schließt eine HIV-Infektion erst 6 Wochen nach der möglichen Risikoexposition sicher aus. Bei Nadelstichverletzungen muss eine Postexpositionsprophylaxe (PEP) idealerweise innerhalb von Stunden, spätestens aber nach 72 Stunden eingeleitet werden.

Häufig gestellte Fragen

Mit einem Suchtest der 4. Generation (Antikörper + p24-Antigen) kann eine Infektion in der Regel nach 6 Wochen mit großer Sicherheit ausgeschlossen werden.
Nein. Wenn die Viruslast durch eine antiretrovirale Therapie (ART) seit mindestens 6 Monaten unter der Nachweisgrenze liegt, ist HIV sexuell nicht mehr übertragbar (n=n).
Die Postexpositionsprophylaxe sollte unverzüglich (innerhalb von Stunden) begonnen werden. Nach mehr als 72 Stunden ist ein Beginn in der Regel nicht mehr sinnvoll.
Gesetzlich Versicherte ab 16 Jahren mit substanziellem Risiko, wie z.B. MSM mit ungeschütztem Verkehr, Partner von unbehandelten HIV-Positiven oder drogeninjizierende Personen ohne sterile Materialien.
Der direkte oder indirekte Nachweis von HIV wird gemäß IfSG nichtnamentlich an das Robert Koch-Institut (RKI) gemeldet.

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