Harnwegsinfekt (HWI) bei Frauen: Diagnostik & Therapie

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: SIGN (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die SIGN-Leitlinie 160 befasst sich mit der Diagnose und Behandlung von vermuteten bakteriellen Infektionen der unteren Harnwege bei erwachsenen Frauen. Harnwegsinfektionen gehören zu den häufigsten bakteriellen Infektionen und sind ein Hauptgrund für Antibiotikaverschreibungen.

Ein zentrales Ziel der Leitlinie ist die Förderung eines rationalen Antibiotikaeinsatzes. Dadurch soll die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen eingedämmt und das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen minimiert werden.

Die Empfehlungen unterscheiden zwischen Frauen unter 65 Jahren, Frauen ab 65 Jahren sowie Patientinnen mit Dauerkathetern. Schwangere Frauen sind von dieser Leitlinie explizit ausgenommen.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen:

Diagnostik bei Frauen unter 65 Jahren

Laut Leitlinie wird die Diagnose einer Harnwegsinfektion bei Vorliegen von zwei oder mehr spezifischen Symptomen (Dysurie, Häufigkeit, Harndrang, sichtbare Hämaturie oder Nykturie) und einem positiven Nitrit-Urinstreifentest gestellt (starke Empfehlung).

Es wird davon abgeraten, die Diagnose allein aufgrund eines einzigen Symptoms zu stellen.

Eine Urinkultur wird gemäß Leitlinie nur empfohlen, wenn die Patientin eine Vorgeschichte mit resistenten Erregern hat, in den letzten sechs Monaten Antibiotika eingenommen hat oder nicht auf die empirische Therapie anspricht.

Therapie bei Frauen unter 65 Jahren

Bei leichten Symptomen wird empfohlen, nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) als Erstlinientherapie in Betracht zu ziehen (starke Empfehlung).

Die Leitlinie empfiehlt bei einer Antibiotikatherapie den Einsatz von Schmalspektrum-Antibiotika für eine kurze Dauer von drei Tagen (starke Empfehlung).

Es wird ausdrücklich davon abgeraten, eine asymptomatische Bakteriurie bei nicht-schwangeren Frauen jeglichen Alters zu behandeln (starke Empfehlung).

Frauen ab 65 Jahren

Bei Frauen ab 65 Jahren in Pflegeeinrichtungen oder bei Gebrechlichkeit wird der Einsatz von Urinteststreifen zur Diagnostik nicht empfohlen (starke Empfehlung).

Stattdessen sollte laut Leitlinie vor Beginn einer Antibiotikatherapie eine Urinkultur angelegt werden, um den Erreger und die Empfindlichkeit zu bestätigen.

Rezidivierende Harnwegsinfektionen

Als Selbsthilfemaßnahme wird eine Flüssigkeitsaufnahme von etwa 2,5 Litern pro Tag empfohlen, wovon mindestens 1,5 Liter Wasser sein sollten (starke Empfehlung).

Die Leitlinie rät dazu, Frauen mit rezidivierenden Infektionen Alternativen zu spermidizidhaltigen Verhütungsmitteln anzubieten.

Eine prophylaktische Antibiotikagabe kann nach Abwägung der Risiken und Vorteile in Betracht gezogen werden (starke Empfehlung).

Katheterassoziierte Infektionen

Die Diagnose sollte sich auf klinische Anzeichen und Symptome stützen, die mit einer Infektion vereinbar sind, und durch eine Urinkultur bestätigt werden (starke Empfehlung).

Urinteststreifen sollten bei Patientinnen mit Dauerkathetern nicht zur Diagnostik verwendet werden.

Dosierung

Die Leitlinie nennt folgende Dosierungsschemata basierend auf den zugrundeliegenden Studien und Empfehlungen:

WirkstoffDosierung / DauerIndikation
Ibuprofen400 mg oder 600 mg 3-mal täglich für 3 TageSymptomatische Therapie bei leichten Beschwerden
Diclofenac75 mg 2-mal täglich für 3 TageSymptomatische Therapie bei leichten Beschwerden
Fosfomycin3 g als EinmaldosisZweitlinientherapie / Gezielte Therapie
Nitrofurantoin100 mgProphylaxe bei rezidivierenden HWI
Schmalspektrum-Antibiotika3-Tages-KursEmpirische Erstlinientherapie bei unkomplizierter HWI

Kontraindikationen

Laut Leitlinie ist Nitrofurantoin bei Patientinnen mit einer geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) von unter 45 ml/min/1,73 m2 zu vermeiden.

Es wird darauf hingewiesen, dass NSAR bei Patientinnen mit Asthma, Nierenfunktionseinschränkungen oder einem erhöhten Risiko für gastrointestinale Toxizität kontraindiziert sein können.

Die Leitlinie warnt davor, Fluorchinolone oder Co-Amoxiclav empirisch einzusetzen, es sei denn, andere Schmalspektrum-Wirkstoffe sind aufgrund von Komorbiditäten, Toxizität oder Resistenzen kontraindiziert.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist der strikte Verzicht auf die Behandlung einer asymptomatischen Bakteriurie bei nicht-schwangeren Frauen. Zudem wird betont, dass bei leichten Symptomen einer unkomplizierten Harnwegsinfektion NSAR als primäre Therapieoption erwogen werden sollten, um unnötige Antibiotikaverschreibungen zu vermeiden. Bei älteren, gebrechlichen Patientinnen rät die Leitlinie dringend vom Gebrauch von Urinteststreifen ab, da diese in dieser Population unzuverlässig sind.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt eine kurze Behandlungsdauer von drei Tagen. Dies ist klinisch wirksam und minimiert das Risiko von Nebenwirkungen.

Es wird der Einsatz von Schmalspektrum-Antibiotika wie Nitrofurantoin oder Trimethoprim empfohlen. Fluorchinolone sollten laut Leitlinie vermieden werden.

Die Leitlinie rät vom Einsatz von Urinteststreifen bei Frauen ab 65 Jahren in Pflegeeinrichtungen ab. Stattdessen wird bei Symptomen eine Urinkultur empfohlen.

Es wird eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr von etwa 2,5 Litern pro Tag empfohlen. Zudem kann nach ärztlicher Abwägung eine Antibiotikaprophylaxe in Betracht gezogen werden.

Nein, die Leitlinie spricht eine starke Empfehlung dagegen aus. Eine asymptomatische Bakteriurie sollte bei nicht-schwangeren Frauen jeglichen Alters nicht behandelt werden.

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Quelle: SIGN 160: Management of suspected bacterial lower urinary tract infection in adult women (SIGN, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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