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Unkomplizierte Harnwegsinfektionen: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine HWI gilt als unkompliziert, wenn keine relevanten anatomischen oder funktionellen Anomalien sowie Begleiterkrankungen vorliegen.
  • Bei unkomplizierter Zystitis der Frau (Standardgruppe) mit typischen Symptomen ist keine Urinkultur erforderlich.
  • Eine asymptomatische Bakteriurie (ASB) soll bei nicht-schwangeren Frauen, postmenopausalen Frauen und jüngeren Männern nicht behandelt werden.
  • Bei Schwangeren mit Zystitis muss immer eine Urinkultur angelegt und der Therapieerfolg mikrobiologisch kontrolliert werden.
  • Harnwegsinfektionen bei Männern gelten in der Regel als kompliziert, da die Prostata mitbetroffen sein kann.
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Hintergrund

Eine Harnwegsinfektion (HWI) wird als unkompliziert eingestuft, wenn im Harntrakt keine relevanten funktionellen oder anatomischen Anomalien, keine relevanten Nierenfunktionsstörungen und keine relevanten Begleiterkrankungen vorliegen.

Klinisch wird zwischen unteren und oberen Harnwegsinfektionen unterschieden:

KlassifikationDefinition / Symptome
Untere HWI (Zystitis)Akute Symptome beschränken sich auf den unteren Harntrakt: Schmerzen beim Wasserlassen (Algurie), imperativer Harndrang, Pollakisurie, Schmerzen oberhalb der Symphyse.
Obere HWI (Pyelonephritis)Akute Symptome umfassen zusätzlich Flankenschmerz, klopfschmerzhaftes Nierenlager und/oder Fieber (>38°C).

Patientengruppen

Die Leitlinie unterscheidet sechs spezifische Patientengruppen, da sich Diagnostik und Management unterscheiden:

  • Nicht schwangere Frauen in der Prämenopause ohne Begleiterkrankungen (Standardgruppe)
  • Schwangere ohne sonstige relevante Begleiterkrankungen
  • Frauen in der Postmenopause ohne sonstige relevante Begleiterkrankungen
  • Jüngere Männer ohne sonstige relevante Begleiterkrankungen
  • Patienten mit Diabetes mellitus und stabiler Stoffwechsellage
  • Geriatrische Patienten mit mehr als zwei behandlungsbedürftigen Systemerkrankungen

Diagnostik der unkomplizierten Zystitis

Standardgruppe (Prämenopausale Frauen)

Bei Frauen mit Verdacht auf eine unkomplizierte HWI soll gezielt nach typischen Symptomen (Algurie, Pollakisurie, imperativer Harndrang) und vaginalen Beschwerden gefragt werden.

  • Empfehlungsgrad A: Wenn typische Symptome vorliegen und vaginale Beschwerden fehlen, ist eine HWI sehr wahrscheinlich.
  • Empfehlungsgrad A: Bei eindeutiger klinischer Symptomatik einer unkomplizierten, nicht rezidivierenden Zystitis soll keine mikrobiologische Untersuchung (Urinkultur) durchgeführt werden.
  • Empfehlungsgrad A: Bei vaginalem Juckreiz oder Ausfluss müssen Differenzialdiagnosen (z. B. sexuell übertragbare Infektionen) bedacht werden.

Zur Diagnosesicherung und Verlaufskontrolle eignet sich der validierte Fragebogen ACSS (Acute Cystitis Symptom Score).

Schwangere

  • Expertenkonsens: Die Anamnese erfolgt wie bei der Standardgruppe. Es soll jedoch in jedem Fall eine Urinkultur erfolgen.
  • Expertenkonsens: Nach der Antibiotikatherapie muss die Erregereradikation durch eine erneute Urinkultur verifiziert werden.

Jüngere Männer

  • Empfehlungsgrad B: HWI bei jüngeren Männern sollten in der Regel als komplizierte Infektionen eingeschätzt werden, da die Prostata mitbetroffen sein kann.
  • Expertenkonsens: Es sollte stets eine differenzierte Abklärung erfolgen.

Patienten mit Diabetes mellitus

Bei stabiler Stoffwechsellage können HWI als unkompliziert angesehen werden. Bei instabiler Stoffwechsellage oder manifesten diabetischen Spätkomplikationen (z. B. Nephropathie) sind sie als kompliziert zu werten.

Diagnostik der akuten unkomplizierten Pyelonephritis

Bei Verdacht auf eine Beteiligung der oberen Harnwege ist eine erweiterte Diagnostik indiziert:

MaßnahmeEmpfehlungsgradBemerkung
Körperliche UntersuchungEmpfehlungsgrad AFokus auf Flankenschmerz und Nierenlager
UrinuntersuchungEmpfehlungsgrad AMittelstrahlurin einschließlich Urinkultur
BlutuntersuchungEmpfehlungsgrad ABlutbild, Kreatinin/eGFR, CRP (je nach Klinik)
BildgebungExpertenkonsensSonographie zum Ausschluss komplizierender Faktoren

Asymptomatische Bakteriurie (ASB)

Eine asymptomatische Bakteriurie ist strikt von einer symptomatischen HWI zu trennen. Der Begriff "asymptomatische Harnwegsinfektion" soll nicht verwendet werden.

Empfehlungsgrad A / Expertenkonsens: In folgenden Gruppen soll eine ASB nicht antibiotisch behandelt und kein Screening durchgeführt werden:

  • Nicht schwangere Frauen in der Prämenopause
  • Frauen in der Postmenopause
  • Jüngere Männer

Rezidivierende Harnwegsinfektionen

Definition: ≥2 symptomatische Episoden innerhalb von 6 Monaten oder ≥3 Episoden innerhalb von 12 Monaten.

Bei nicht schwangeren prämenopausalen Frauen mit rezidivierenden HWI gilt:

  • Empfehlungsgrad B: Eine Urinkultur und eine Sonographie (Nieren und Restharn) sollten erfolgen.
  • Empfehlungsgrad B: Eine invasive Diagnostik (z. B. routinemäßige Zystoskopie) sollte nicht erfolgen, da der diagnostische Zusatznutzen minimal ist.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei der unkomplizierten Zystitis der ansonsten gesunden, prämenopausalen Frau auf eine Urinkultur. Bei Schwangeren ist diese jedoch zwingend erforderlich, inklusive mikrobiologischer Kontrolle nach der Therapie.

Häufig gestellte Fragen

Wenn im Harntrakt keine relevanten funktionellen oder anatomischen Anomalien, keine Nierenfunktionsstörungen und keine relevanten Begleiterkrankungen vorliegen.
Nein. Bei nicht-schwangeren Frauen, postmenopausalen Frauen und jüngeren Männern soll eine asymptomatische Bakteriurie nicht antibiotisch behandelt werden.
Es sollten eine Urinkultur und eine Sonographie erfolgen. Eine routinemäßige invasive Diagnostik wie die Zystoskopie wird nicht empfohlen.
Als mindestens 2 symptomatische Episoden innerhalb von 6 Monaten oder mindestens 3 symptomatische Episoden innerhalb von 12 Monaten.
Nein, bei ansonsten gesunden Patienten mit Diabetes mellitus und stabiler Stoffwechsellage können Harnwegsinfektionen als unkompliziert angesehen werden.

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