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American Urological Association (AUA)Urologie

Rezidivierende HWI bei Frauen: AUA-Leitlinie 2025

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf American Urological Association (AUA) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose erfordert akute Symptome, Pyurie (>5 Leukozyten/Gesichtsfeld) und den Nachweis uropathogener Bakterien.
  • Eine asymptomatische Bakteriurie (ASB) darf weder gescreent noch behandelt werden.
  • Mittel der ersten Wahl sind Nitrofurantoin, Fosfomycin und Trimethoprim-Sulfamethoxazol (TMP-SMX) für maximal 7 Tage.
  • Zur nicht-antibiotischen Prophylaxe werden Cranberry-Präparate, vaginale Östrogene und eine erhöhte Trinkmenge empfohlen.
  • Zystoskopie und obere Bildgebung sind bei unkomplizierten Indexpatientinnen nicht routinemäßig indiziert.
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Hintergrund

Die rezidivierende unkomplizierte Harnwegsinfektion (rUTI) bei Frauen ist eine häufige Erkrankung. Die aktuelle Leitlinie der American Urological Association (AUA) von 2025 fokussiert sich auf die Vermeidung von Antibiotikaresistenzen, die Reduktion von Kollateralschäden durch Übertherapie und die Verbesserung der Lebensqualität.

Definition der rUTI: Mindestens zwei Episoden einer akuten bakteriellen Zystitis innerhalb von sechs Monaten (oder drei Episoden innerhalb eines Jahres).

Diagnostik und Evaluation

Eine sorgfältige Diagnostik ist essenziell, um eine Überdiagnostik und unnötige Antibiotikagaben zu vermeiden.

  • Anamnese und Untersuchung: Vollständige Anamnese und Beckenuntersuchung bei Erstvorstellung durchführen (Klinisches Prinzip).
  • Urindiagnostik: Bei jeder symptomatischen Episode vor Therapiebeginn Urinstatus und Urinkultur mit Antibiogramm abnehmen (Moderate Empfehlung).
  • Bildgebung: Zystoskopie und Bildgebung des oberen Harntrakts sind bei der unkomplizierten Indexpatientin nicht routinemäßig indiziert (Expertenmeinung).
DiagnosekriteriumVoraussetzung für rUTI-Diagnose
SymptomeAkut einsetzende Dysurie, Frequenz, Harndrang, Hämaturie
EntzündungPyurie (>5 Leukozyten/Gesichtsfeld im Urinsediment)
ErregernachweisNachweis uropathogener Bakterien in der Urinkultur

Hinweis: Bei Verdacht auf Kontamination (z.B. Mischflora, Laktobazillen) sollte eine erneute Probe, ggf. als Katheterurin, gewonnen werden.

Asymptomatische Bakteriurie (ASB)

Die Unterscheidung zwischen einer echten Infektion und einer asymptomatischen Bakteriurie ist ein Kernpunkt der Leitlinie.

  • Kein Screening: Bei asymptomatischen Patientinnen mit rUTI-Historie keine Urinuntersuchungen oder Kulturen durchführen (Moderate Empfehlung).
  • Keine Therapie: Eine ASB darf nicht behandelt werden (Starke Empfehlung). Trüber oder übelriechender Urin ohne akute Miktionsbeschwerden rechtfertigt keine Therapie.

Akuttherapie

Die Therapie sollte gezielt und so kurz wie möglich erfolgen. Bei ausgewählten, zuverlässigen Patientinnen kann eine patientengesteuerte Selbsttherapie ("Self-Start") bis zum Eintreffen der Kulturergebnisse erwogen werden.

Wirkstoff / MaßnahmeIndikation / BemerkungEmpfehlungsgrad
Nitrofurantoin, TMP-SMX, FosfomycinMittel der ersten Wahl (lokales Antibiogramm beachten)Starke Empfehlung
TherapiedauerSo kurz wie möglich, in der Regel maximal 7 TageModerate Empfehlung
Parenterale TherapieBei resistenten Erregern nach Kultur, max. 7 TageExpertenmeinung

Prophylaxe

Zur Reduktion weiterer Rezidive stehen verschiedene antibiotische und nicht-antibiotische Strategien zur Verfügung.

StrategieMaßnahmeEmpfehlungsgrad
Nicht-antibiotischCranberry-Präparate anbietenModerate Empfehlung
Nicht-antibiotischVaginale Östrogene bei peri-/postmenopausalen Frauen (ohne Kontraindikation)Moderate Empfehlung
Nicht-antibiotischTrinkmenge steigern (wenn Basis <1,5 L/Tag)Konditionale Empfehlung
Nicht-antibiotischMethenaminhippurat kann angeboten werdenKonditionale Empfehlung
Nicht-antibiotischD-Mannose allein ist möglicherweise nicht wirksamModerate Empfehlung
AntibiotischAntibiotikaprophylaxe nach Aufklärung über Risiken und NutzenKonditionale Empfehlung

Follow-up

  • Keine Kontrollkultur: Bei asymptomatischen Patientinnen nach abgeschlossener Therapie keine Urinkultur zur Heilungskontrolle ("Test of Cure") durchführen (Expertenmeinung).
  • Persistierende Symptome: Bei anhaltenden Beschwerden nach Antibiose Urinkultur wiederholen. Bei mikrobiologischer Heilung, aber persistierenden Symptomen, nach alternativen Ursachen suchen (Expertenmeinung).

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf Urinkulturen und Antibiotika bei trübem oder übelriechendem Urin, wenn keine akuten Miktionsbeschwerden (wie Dysurie) vorliegen. Behandeln Sie niemals eine asymptomatische Bakteriurie.

Häufig gestellte Fragen

Von einer rUTI spricht man bei mindestens zwei Episoden einer akuten bakteriellen Zystitis innerhalb von sechs Monaten oder drei Episoden innerhalb eines Jahres.
Nitrofurantoin, Fosfomycin und Trimethoprim-Sulfamethoxazol (TMP-SMX) gelten als Erstlinientherapie, wobei das lokale Antibiogramm beachtet werden muss.
Laut der aktuellen AUA-Leitlinie ist D-Mannose als alleinige Monotherapie zur Prophylaxe möglicherweise nicht wirksam.
Nein, bei asymptomatischen Patientinnen sollte nach abgeschlossener Therapie keine routinemäßige Urinkultur zur Heilungskontrolle ("Test of Cure") erfolgen.
Empfohlen werden Cranberry-Präparate, vaginale Östrogene bei peri-/postmenopausalen Frauen sowie eine Steigerung der Trinkmenge bei Patientinnen, die weniger als 1,5 Liter pro Tag trinken.

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