Rezidivierende HWI bei Frauen: AUA-Leitlinie 2025
📋Auf einen Blick
- •Die Diagnose erfordert akute Symptome, Pyurie (>5 Leukozyten/Gesichtsfeld) und den Nachweis uropathogener Bakterien.
- •Eine asymptomatische Bakteriurie (ASB) darf weder gescreent noch behandelt werden.
- •Mittel der ersten Wahl sind Nitrofurantoin, Fosfomycin und Trimethoprim-Sulfamethoxazol (TMP-SMX) für maximal 7 Tage.
- •Zur nicht-antibiotischen Prophylaxe werden Cranberry-Präparate, vaginale Östrogene und eine erhöhte Trinkmenge empfohlen.
- •Zystoskopie und obere Bildgebung sind bei unkomplizierten Indexpatientinnen nicht routinemäßig indiziert.
Hintergrund
Die rezidivierende unkomplizierte Harnwegsinfektion (rUTI) bei Frauen ist eine häufige Erkrankung. Die aktuelle Leitlinie der American Urological Association (AUA) von 2025 fokussiert sich auf die Vermeidung von Antibiotikaresistenzen, die Reduktion von Kollateralschäden durch Übertherapie und die Verbesserung der Lebensqualität.
Definition der rUTI: Mindestens zwei Episoden einer akuten bakteriellen Zystitis innerhalb von sechs Monaten (oder drei Episoden innerhalb eines Jahres).
Diagnostik und Evaluation
Eine sorgfältige Diagnostik ist essenziell, um eine Überdiagnostik und unnötige Antibiotikagaben zu vermeiden.
- Anamnese und Untersuchung: Vollständige Anamnese und Beckenuntersuchung bei Erstvorstellung durchführen (Klinisches Prinzip).
- Urindiagnostik: Bei jeder symptomatischen Episode vor Therapiebeginn Urinstatus und Urinkultur mit Antibiogramm abnehmen (Moderate Empfehlung).
- Bildgebung: Zystoskopie und Bildgebung des oberen Harntrakts sind bei der unkomplizierten Indexpatientin nicht routinemäßig indiziert (Expertenmeinung).
| Diagnosekriterium | Voraussetzung für rUTI-Diagnose |
|---|---|
| Symptome | Akut einsetzende Dysurie, Frequenz, Harndrang, Hämaturie |
| Entzündung | Pyurie (>5 Leukozyten/Gesichtsfeld im Urinsediment) |
| Erregernachweis | Nachweis uropathogener Bakterien in der Urinkultur |
Hinweis: Bei Verdacht auf Kontamination (z.B. Mischflora, Laktobazillen) sollte eine erneute Probe, ggf. als Katheterurin, gewonnen werden.
Asymptomatische Bakteriurie (ASB)
Die Unterscheidung zwischen einer echten Infektion und einer asymptomatischen Bakteriurie ist ein Kernpunkt der Leitlinie.
- Kein Screening: Bei asymptomatischen Patientinnen mit rUTI-Historie keine Urinuntersuchungen oder Kulturen durchführen (Moderate Empfehlung).
- Keine Therapie: Eine ASB darf nicht behandelt werden (Starke Empfehlung). Trüber oder übelriechender Urin ohne akute Miktionsbeschwerden rechtfertigt keine Therapie.
Akuttherapie
Die Therapie sollte gezielt und so kurz wie möglich erfolgen. Bei ausgewählten, zuverlässigen Patientinnen kann eine patientengesteuerte Selbsttherapie ("Self-Start") bis zum Eintreffen der Kulturergebnisse erwogen werden.
| Wirkstoff / Maßnahme | Indikation / Bemerkung | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|
| Nitrofurantoin, TMP-SMX, Fosfomycin | Mittel der ersten Wahl (lokales Antibiogramm beachten) | Starke Empfehlung |
| Therapiedauer | So kurz wie möglich, in der Regel maximal 7 Tage | Moderate Empfehlung |
| Parenterale Therapie | Bei resistenten Erregern nach Kultur, max. 7 Tage | Expertenmeinung |
Prophylaxe
Zur Reduktion weiterer Rezidive stehen verschiedene antibiotische und nicht-antibiotische Strategien zur Verfügung.
| Strategie | Maßnahme | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|
| Nicht-antibiotisch | Cranberry-Präparate anbieten | Moderate Empfehlung |
| Nicht-antibiotisch | Vaginale Östrogene bei peri-/postmenopausalen Frauen (ohne Kontraindikation) | Moderate Empfehlung |
| Nicht-antibiotisch | Trinkmenge steigern (wenn Basis <1,5 L/Tag) | Konditionale Empfehlung |
| Nicht-antibiotisch | Methenaminhippurat kann angeboten werden | Konditionale Empfehlung |
| Nicht-antibiotisch | D-Mannose allein ist möglicherweise nicht wirksam | Moderate Empfehlung |
| Antibiotisch | Antibiotikaprophylaxe nach Aufklärung über Risiken und Nutzen | Konditionale Empfehlung |
Follow-up
- Keine Kontrollkultur: Bei asymptomatischen Patientinnen nach abgeschlossener Therapie keine Urinkultur zur Heilungskontrolle ("Test of Cure") durchführen (Expertenmeinung).
- Persistierende Symptome: Bei anhaltenden Beschwerden nach Antibiose Urinkultur wiederholen. Bei mikrobiologischer Heilung, aber persistierenden Symptomen, nach alternativen Ursachen suchen (Expertenmeinung).
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie auf Urinkulturen und Antibiotika bei trübem oder übelriechendem Urin, wenn keine akuten Miktionsbeschwerden (wie Dysurie) vorliegen. Behandeln Sie niemals eine asymptomatische Bakteriurie.