Guillain-Barré-Syndrom (GBS): Therapie bei Kindern
Hintergrund
Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine akut oder subakut verlaufende, immunvermittelte Polyneuritis. Die Erkrankung tritt häufig postinfektiös auf und führt zu einer multifokalen Demyelinisierung oder axonalen Schädigung der peripheren Nerven und Rückenmarkswurzeln.
Die Kernsymptomatik besteht aus aufsteigenden, schlaffen Lähmungen, die bis zu einer Ateminsuffizienz führen können. In der westlichen Welt ist die akute inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (AIDP) die häufigste Form bei Kindern.
Insgesamt ist die Langzeitprognose bei Kindern und Jugendlichen deutlich besser als im Erwachsenenalter. Die meisten pädiatrischen Fälle erholen sich vollständig oder behalten nur geringe, nicht behindernde Residuen zurück.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, ein GBS aufgrund eines initial unauffälligen Liquorbefundes auszuschließen. Die typische Eiweißerhöhung (zytoalbuminäre Dissoziation) tritt häufig erst nach einer Woche auf, weshalb bei unklarer Befundlage eine Kontrollpunktion nach 7 bis 10 Tagen erwogen werden kann. Zudem wird betont, dass die Liquorzellzahl einen hohen differenzialdiagnostischen Wert hat, um alternative Ursachen auszuschließen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt eine mechanische Beatmung bereits bei ersten Zeichen der respiratorischen Erschöpfung und vor einer klinischen Dekompensation. Auch bei Dysphagie mit Aspiration oder insuffizientem Hustenstoß wird eine Intubation empfohlen.
Nein, laut Leitlinie sollen Kortikosteroide beim akuten GBS im Kindes- und Jugendalter nicht eingesetzt werden. Sie zeigen keine Wirksamkeit und bergen das Risiko von Nebenwirkungen.
Es wird die Gabe von peripher wirksamen Analgetika in Kombination mit Antiepileptika wie Gabapentin oder Carbamazepin empfohlen. Opioide sollten wegen möglicher Nebenwirkungen auf Blase und Darm nur mit Vorsicht eingesetzt werden.
Die Leitlinie empfiehlt, im ersten Jahr nach der Erkrankung nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung auf Impfungen zu verzichten. Danach sollte die Indikation für Impfungen, die im Vorfeld des GBS verabreicht wurden, streng gestellt werden.
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Quelle: S3-Leitlinie Diagnose und Therapie des Guillain-Barré Syndroms (AWMF 022-008) (AWMF / GNP / DGKJ, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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