Adipositas bei Kindern: IQWiG-Leitliniensynopse
Hintergrund
Die IQWiG-Leitliniensynopse (2022) fasst evidenzbasierte Empfehlungen zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Adipositas zusammen. Adipositas ist als chronische Erkrankung definiert, die durch eine über die Norm hinausgehende Vermehrung des Körperfetts gekennzeichnet ist.
Zur Definition im Kindes- und Jugendalter wird die Verwendung von alters- und geschlechtsspezifischen BMI-Perzentilen nach Kromeyer-Hauschild empfohlen. Die Klassifikation erfolgt dabei in drei Stufen:
| Klassifikation | BMI-Perzentile |
|---|---|
| Übergewicht | > 90 bis 97 |
| Adipositas | > 97 bis 99,5 |
| Extreme Adipositas | > 99,5 |
Die Ursachen der Erkrankung sind multifaktoriell und umfassen neben Ernährung und Bewegungsmangel auch genetische, psychosoziale und sozioökonomische Faktoren. Epidemiologische Daten zeigen, dass die Prävalenz in Deutschland auf einem konstant hohen Niveau liegt, wobei Kinder aus Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status deutlich häufiger betroffen sind.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie:
Diagnostik und Screening
Zur Definition der Adipositas wird die Nutzung von BMI-Perzentilen oder des Gewichts-Längen-Verhältnisses je nach Alter und Geschlecht empfohlen. Bei klinischem Verdacht auf eine sekundäre Adipositas sollte eine entsprechende Abklärung erfolgen.
Zudem empfiehlt die Leitlinie ein gezieltes Screening auf Komorbiditäten:
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Bestimmung des Nüchternblutzuckers zum Screening auf Prädiabetes und Typ-2-Diabetes bei allen adipösen Kindern ab 6 Jahren
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Screening auf Hypertonie bei vorerkrankten Kindern unter 3 Jahren
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Kein Screening auf Cholelithiasis (Negativempfehlung)
Allgemeine Therapiegrundsätze
Es wird ein flächendeckendes Therapieangebot im Rahmen der Primärversorgung empfohlen. Dieses sollte Komponenten wie Verhaltensänderung, gesunde Ernährung und körperliche Bewegung umfassen.
Die Leitlinie betont ausdrücklich, dass die Eltern und die Familie für einen langfristigen Therapieerfolg zwingend einbezogen werden müssen.
Basistherapie und Ernährung
Ziel der Basistherapie ist eine negative Energiebilanz durch Ernährungs- und Lebensstiländerungen zur Senkung des BMI. Die Ernährungstherapie sollte immer in Kombination mit Bewegungs- und Verhaltenstherapie erfolgen.
Zur Ernährungstherapie werden folgende Maßnahmen empfohlen:
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Steigerung der Zufuhr von Obst, Gemüse und ballaststoffreichen Kohlenhydraten
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Begrenzung von Portionsgrößen und Etablierung ausgewogener Diäten
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Hypokalorische Diäten nur orientiert an nationalen Empfehlungen und unter intensiver Betreuung durch Ernährungsexperten
Bewegung und Monitoring
Die Leitlinie empfiehlt die Steigerung der körperlichen Aktivität, idealerweise im Gruppensetting. Gleichzeitig sollen körperliche Inaktivitäten wie Medienkonsum oder lange Sitzzeiten reduziert werden.
Während der Therapie wird ein engmaschiges Monitoring empfohlen. Insbesondere bei rapidem Gewichtsverlust ist auf die Entwicklung möglicher Essstörungen zu achten.
Kontraindikationen
Die Leitlinie formuliert folgende Warnhinweise und Negativempfehlungen bezüglich der Diagnostik und Therapie:
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Keine Verwendung starrer Diätpläne
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Verzicht auf Kostformen mit extremen Nährstoffrelationen aufgrund potenzieller medizinischer Risiken und fehlendem Langzeiterfolg
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Kein routinemäßiges Screening auf Cholelithiasis bei adipösen Kindern
💡Praxis-Tipp
Ein wesentlicher Hinweis der Leitlinie ist die Gefahr von Essstörungen im Rahmen der Adipositastherapie. Es wird nachdrücklich empfohlen, die Kinder und Jugendlichen insbesondere bei einem rapiden Gewichtsverlust engmaschig auf die Entwicklung einer Essstörung zu überwachen. Zudem wird betont, dass isolierte Ernährungsinterventionen ohne den Einbezug der Familie meist nicht zu einem langfristigen Therapieerfolg führen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird Adipositas im Kindes- und Jugendalter anhand von alters- und geschlechtsspezifischen BMI-Perzentilen definiert. In Deutschland gilt ein BMI über der 97. Perzentile als Adipositas und über der 99,5. Perzentile als extreme Adipositas.
Die Leitlinie empfiehlt bei allen adipösen Kindern ab 6 Jahren die Bestimmung des Nüchternblutzuckers, um auf Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes zu screenen. Bei vorerkrankten Kindern unter 3 Jahren wird zudem ein Screening auf Hypertonie angeraten.
Es wird ausdrücklich vor der Verwendung starrer Diätpläne oder Kostformen mit extremen Nährstoffrelationen gewarnt. Die Leitlinie verweist auf potenzielle medizinische Risiken und das Fehlen eines langfristigen Erfolgs bei solchen Maßnahmen.
Es wird eine Kombination aus Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie empfohlen. Dabei ist der Einbezug der Eltern und der gesamten Familie für den langfristigen Erfolg zwingend erforderlich.
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Quelle: IQWiG V21-07: Leitliniensynopse Adipositas - Kinder und Jugendliche (IQWiG, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.