Ferritin: Grenzwerte zur Diagnostik des Eisenstatus
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie (2020) liefert evidenzbasierte Empfehlungen zur Nutzung von Ferritin als Biomarker für den Eisenstatus. Ferritin ist das primäre Eisenspeicherprotein des Körpers und zirkuliert in geringen Mengen im Blut.
Ein niedriger Ferritinwert im Serum oder Plasma korreliert stark mit entleerten Eisenspeichern und ist ein Hauptindikator für einen Eisenmangel. Ein stark erhöhter Wert kann hingegen auf eine Eisenüberladung hindeuten.
Da Ferritin ein Akute-Phase-Protein ist, wird der Wert durch Entzündungen, Infektionen, Adipositas oder Lebererkrankungen beeinflusst. Dies erfordert laut Leitlinie eine differenzierte Betrachtung der diagnostischen Grenzwerte je nach Gesundheitszustand der untersuchten Person.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Überwachung des Eisenstatus:
Diagnostik von Eisenmangel
Ferritin wird als guter Marker zur Diagnose eines Eisenmangels bei ansonsten gesunden Personen empfohlen (starke Empfehlung, niedrige Evidenz). Bei Vorliegen einer Infektion oder Entzündung müssen die Grenzwerte entsprechend angepasst werden.
Die Leitlinie empfiehlt folgende Grenzwerte für das Vorliegen eines Eisenmangels:
| Patientengruppe | Grenzwert (gesund) | Grenzwert (bei Entzündung/Infektion) |
|---|---|---|
| Kinder < 5 Jahre | < 12 µg/L | < 30 µg/L |
| Kinder ab 5 Jahren & Jugendliche | < 15 µg/L | < 70 µg/L |
| Erwachsene | < 15 µg/L | < 70 µg/L |
| Schwangere (1. Trimenon) | < 15 µg/L | keine Angabe |
Diagnostik der Eisenüberladung
Ein Risiko für eine Eisenüberladung besteht laut Leitlinie bei Überschreitung spezifischer Grenzwerte (bedingte Empfehlung). Ferritin darf jedoch nicht allein zur Diagnose herangezogen werden, sondern erfordert zwingend weitere klinische und laborchemische Abklärungen der Ursache (starke Empfehlung, sehr niedrige Evidenz).
Die Leitlinie definiert folgende Grenzwerte für das Risiko einer Eisenüberladung:
| Patientengruppe | Grenzwert (gesund) | Grenzwert (kranke Personen) |
|---|---|---|
| Menstruierende Frauen | > 150 µg/L | > 500 µg/L |
| Männer & nicht-menstruierende Frauen | > 200 µg/L | > 500 µg/L |
Labordiagnostik und Entzündungsmarker
In Gebieten mit weit verbreiteten Infektionen wird die gleichzeitige Messung von Ferritin, C-reaktivem Protein (CRP) und Alpha-1-saurem Glykoprotein (AGP) empfohlen (starke Empfehlung, moderate Evidenz).
Für die Labormessung sind verschiedene Assays (radiometrisch, nicht-radiometrisch, Agglutination) zulässig. Es wird jedoch empfohlen, diese an den internationalen WHO-Referenzstandard zu kalibrieren (starke Empfehlung, moderate Evidenz).
Therapiemonitoring
Ferritin steigt als Reaktion auf Eiseninterventionen an. Es wird empfohlen, den Wert zur Überwachung und Bewertung der Auswirkungen von therapeutischen Interventionen auf den Eisenstatus zu nutzen (starke Empfehlung, moderate Evidenz).
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, sich bei Vorliegen von Entzündungen oder Infektionen auf die Standard-Grenzwerte für Ferritin zu verlassen. Da Ferritin als Akute-Phase-Protein bei Entzündungen ansteigt, kann ein normaler Wert einen tatsächlichen Eisenmangel maskieren. Es wird daher empfohlen, bei Verdacht auf Entzündungen stets CRP und AGP mitzubestimmen und die erhöhten Ferritin-Grenzwerte (z.B. < 70 µg/L bei Erwachsenen) zur Diagnostik heranzuziehen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie deutet ein Ferritinwert von unter 15 µg/L bei ansonsten gesunden Erwachsenen auf einen Eisenmangel hin.
Bei Infektionen oder Entzündungen empfiehlt die Leitlinie höhere Grenzwerte zur Diagnose eines Eisenmangels. Diese liegen bei unter 30 µg/L für Kinder und unter 70 µg/L für Erwachsene.
Ein Risiko besteht laut Leitlinie bei Werten über 150 µg/L für menstruierende Frauen und über 200 µg/L für Männer. Bei kranken Erwachsenen wird ein Grenzwert von über 500 µg/L angesetzt.
Die Leitlinie stuft verschiedene Methoden als gleichwertig ein, sofern sie mit dem internationalen WHO-Referenzstandard kalibriert wurden. Für Verlaufskontrollen sollte stets dieselbe Methode verwendet werden, um Schwankungen zu vermeiden.
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Quelle: WHO guideline on use of ferritin concentrations to assess iron status in individuals and populations (WHO, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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